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Fußball Hoffenheim-Trainer Nagelsmann von Nachwuchs-Reportern gefordert / Am Samstag kommt Bayer 04 Leverkusen

Europapokal-Stimmung bei TSG

Archivartikel

Hoffenheim.Den Weg zur Pressekonferenz in der Rhein-Neckar-Arena hat Julian Nagelsmann im vergangenen Jahr oft gemacht. Doch so wie gestern, wurde der Trainer der TSG Hoffenheim noch nie empfangen. Kaum kam er mit Torwart Oliver Baumann um die Ecke, ging der Applaus der 40 eingeladenen Kinder los. Der Hintergrund: Die TSG veranstaltete die "Hoffi-Club Pressekonferenz".

Nagelsmann selbst bremste die Euphorie gleich etwas. "Dass Jubel zur Pressekonferenz ein Lebenstraum von mir ist, würde ich nicht sagen", erklärte er: "Draußen auf dem Platz zu gewinnen ist mir lieber." Doch die Freude konnte er nicht ganz hinterm Berg halten. "Es ist besser, als wenn sie pfeifen würden", schmunzelte er.

Dann ging es ans Eingemachte: Den Anfang machten die erfahrenen Journalisten, die 40 Kinder bestaunten mit strahlenden Augen die Abläufe - und Nagelsmann beantwortete alle Fragen gewohnt unaufgeregt. "Leverkusen hat außergewöhnlich gute Einzelspieler", so der Coach zum Spiel am Samstag: "Es liegt an uns, wie wir diese gute Mannschaft ins Spiel kommen lassen."

Nagelsmann unter Druck

Wirklich ins Schwitzen kam er bei seiner täglichen Arbeit nicht, dafür sorgten dann aber die Nachwuchs-Journalisten. "Wer sind ihre Wunschspieler, wenn Niklas Süle und Sebastian Rudy im Sommer nach München wechseln?", fragten die Kids - Nagelsmann nahm sich einen Moment Zeit. "Dass darf ich so nicht sagen, sonst werden die Spieler teurer", erklärte er dann - und verriet damit indirekt, dass neben dem feststehenden Neuzugang Florian Grillitsch von Werder Bremen noch weitere Spieler verpflichtet werden sollen, um den Abgang von Rudy und Süle zu kompensieren.

Ob Kevin Akpoguma ein Kandidat ist, blieb zunächst offen. "Die Fußstapfen von Süle sind bei uns sehr, sehr groß", sagte Nagelsmann auf den nach Düsseldorf ausgeliehenen Abwehrmann angesprochen. Zwar beobachte man ihn, uneingeschränktes Vertrauen hört sich jedoch anders an.

Vieles wird in dieser Hinsicht aber wohl auch vom Ausgang der Saison abhängen - und genau in diese Richtung musste Nagelsmann auch einige Fragen beantworten. Nach einem möglichen Duell mit Barcelona wurde gefragt, Torhüter Baumann sollte über seine schönste Erfahrung im internationalen Bereich erzählen: "Trotz der Niederlage war das Sevilla", erinnert er sich an den Auftritt mit dem SC Freiburg.

Eine gewisse Erwartungshaltung hat der 29-jährige Nagelsmann, das zeigte sich auch an seinen Aussagen. Auf die Europa League angesprochen sagte er: "Das fände ich gut", und ergänzte nach kurzer Pause: "Sehr gut wäre zwar etwas anderes, aber Europa League wäre gut."

Baumann wollte dagegen nicht zu viel Euphorie beim Nachwuchs aufkommen lassen. "Es wäre schön, am Ende der Saison da zu stehen, wo wir jetzt stehen", sagte er: "Aber es ist noch ein langer Weg dahin."

Kurzfristig heißt es für die Hoffenheimer nun erst einmal: Volle Konzentration auf Bayer 04. "Ich werde heute Abend schauen, wie es Leverkusen gegen Atletico Madrid macht", beschrieb Nagelsmann seinen restlichen Tagesplan. Die Hoffnungen des jungen Trainers: "Ich habe bereits einen Plan für das Spiel, ich hoffe Tayfun Korkut macht heute etwas ähnliches wie gegen Bremen", lachte er: "Sonst muss ich heute Nacht noch mal umplanen."

Vor allzu große Probleme stellt dies den akribisch arbeitenden Nagelsmann sicherlich nicht - wie es dann aber um den Haussegen bestellt sein dürfte, steht dagegen in den Sternen. Immerhin beschäftigt sich der Coach offensichtlich auch im Schlaf mit seinem Beruf: "Meine Freundin berichtet mir, dass ich nach Niederlagen im Schlaf auch schon mal einen Spieler anschreie."