Fußball

Fußball Mannheimer will sich beim SC Freiburg als Bundesliga-Stammkraft etablieren / Duell mit Ex-Klub Hoffenheim am Samstag

Gulde genießt die große Bühne

Archivartikel

Freiburg/Mannheim.Die Durststrecke schien ewig. Fünf lange Jahre musste Manuel Gulde nach seinen ersten Bundesliga-Spielen im Trikot der TSG Hoffenheim auf seine Rückkehr ins Fußball-Oberhaus warten. Am 28. August 2016 stand der Mannheimer, der vor der Saison vom Karlsruher SC zu Aufsteiger SC Freiburg wechselte, erstmals wieder auf der ganz großen Bühne - und trotz des 1:2 in Berlin genoss Gulde jede Sekunde. "Ich habe mich die ganze Sommer-Vorbereitung darauf gefreut. Es war es dann auch ein sehr schönes Erlebnis. Ich bin sehr froh, wieder in der Ersten Liga zu spielen", erinnert sich der 26-Jährige.

Gulde, der vor neun Jahren die Fritz-Walter-Medaille als bester Spieler seines Jahrgangs erhielt, fühlt sich wohl im Breisgau, auch wenn er um seinen Platz in der Startelf kämpfen muss. "Auf meiner Position gibt es große Konkurrenz. Das gehört aber zum Profigeschäft. Ich versuche immer, meine Topleistung abzurufen", sagt der frühere Jugendspieler des VfL Neckarau, der mit den B-Junioren der TSG Hoffenheim 2008 Deutscher Meister wurde.

Der Sprung aus der Zweiten Liga ins Oberhaus verlief holpriger als erwartet. "Ich hatte es mir ein bisschen leichter vorgestellt. Vor allem für einen Verteidiger ist es doch ein großer Schritt, weil die Offensivspieler viel stärker sind und fast jeder Fehler bestraft wird", erklärt der Innenverteidiger. Das Wiedersehen mit seinem Ex-Verein im Heimspiel am Samstag (15.30 Uhr) ist für ihn natürlich kein Duell wie jedes andere. Vor allem, weil es gegen Marco Terrazzino geht. "Es wäre etwas sehr Besonderes für mich, wenn ich gegen meinen Freund Marco zum ersten Mal in der Bundesliga spielen könnte", betont Gulde, der in seiner Karriere immer wieder von Verletzungen zurückgeworfen wurde. Ob der Neuzugang im badischen Duell von Beginn an ran darf, hat er von Trainer Christian Streich allerdings noch nicht erfahren - und auch Offensivspieler Terrazzino gehört bei der TSG zu den Wackelkandidaten.

Wiedersehen mit Terrazzino

Die beiden Mannheimer haben regelmäßig Kontakt, treffen sich auch in ihrer Heimatstadt. Ihre Karrieren weisen viele Parallelen auf. Beide galten als Toptalente, wirbelten in der Neckarauer Jugend zusammen und schafften in Hoffenheim unter Ralf Rangnick nicht den Durchbruch. Jetzt wollen Gulde und Terrazzino wieder durchstarten. Interessant: Terrazzino spielte von 2012 bis 2014 für Freiburg und riet seinem früheren Teamkollegen zum Wechsel zum SC. "Marco hat mir über den Club viel Positives erzählt", sagt Gulde, der auch wegen Streich nach Südbaden ging. "Er ist ein super-authentischer Typ, der Spieler weiter- entwickeln kann." Schritt für Schritt will sich der SC-Profi im Oberhaus etablieren. "Mit meiner bisherigen Saison in Freiburg bin ich relativ zufrieden. Ich wollte so viel spielen wie möglich. Das ist mir mit kleinen Aufs und Abs gut gelungen", zieht Gulde eine Zwischenbilanz. 13 Mal stand er bisher in der Startformation. Zu den Rückschlägen gehörten ein Muskelfaserriss in der Hinserie, der ihn vier Wochen außer Gefecht setzte, und eine Muskelverhärtung direkt nach der Winterpause. Sein Comeback feierte er beim jüngsten Auswärtscoup gegen Frankfurt.

"Ich möchte mit Freiburg den Klassenerhalt sichern", berichtet der Teamplayer. Der SC ist auf einem guten Weg - und auch der Mannheimer hat seinen Anteil daran. "Die Zeit in der Zweiten Liga hat mir in meiner Entwicklung sehr geholfen. Ich hatte vor allem beim KSC eine sehr gute Zeit, konnte mich körperlich stabilisieren und meine Zweikampfführung verbessern", analysiert Gulde. In Karlsruhe konnte er erstmals zwei komplette Runden konstant durchspielen.

Der 26-Jährige hat gelernt, mit Rückschlägen umzugehen. Etwa mit dem in der Relegation auf dramatische Weise verpassten Bundesliga-Aufstieg des KSC gegen den HSV oder eben mit Verletzungen. "Ich hatte zu Beginn meiner Karriere längere Pausen. Mittlerweile habe ich diese Zeit vom Kopf her gut überwunden", unterstreicht Gulde, der zu seiner Hoffenheimer Zeit aufgrund einer hartnäckigen Schambeinverletzung ein Jahr komplett ausfiel.

Trotzdem gibt es schöne Erinnerungen. Etwa an sein Bundesliga-Debüt am 24. Januar 2010 gegen Leverkusen: "Ich bin für Carlos Eduardo als Offensivspieler in der letzten Viertelstunde eingewechselt worden. Ich habe dann gleich Toni Kroos einen Ball abgenommen. Damals war das surreal für mich, aber natürlich auch ein tolles Erlebnis."

Jetzt ist das Oberhaus wieder Alltag. "Unser Ziel ist es, das Heimspiel gegen die TSG zu gewinnen", gibt sich Gulde, der bei der 1:2-Hinspielniederlage verletzt fehlte, selbstbewusst. "Nach Hoffenheim gibt es außer zu Terrazzino gar keinen Kontakt mehr. Ich weiß aber, dass ich der TSG viel zu verdanken habe. Ich habe dort fünf Jahre gespielt, bei den Profis aufgrund meiner Verletzungen aber nie eine große Rolle übernehmen können." Am Samstag würde er gerne zeigen, was in ihm steckt.