1899 Hoffenheim

Fußball Weil der Torjäger seine Durststrecke beendet, macht die TSG Hoffenheim einen großen Schritt in Richtung Europa

Wagners Glücksgefühle

Weil Torjäger Sandro Wagner seine Durststrecke beendet, macht die TSG Hoffenheim einen großen Schritt in Richtung Europa.

Sinsheim.Sandro Wagner blickte kurz in den Himmel, dann ging der emotionale Anführer der TSG Hoffenheim nach dem Schlusspfiff erschöpft in die Knie. Der Torjäger hatte beim 1:0 (0:0)-Heimsieg über Bayer Leverkusen alles gegeben - und war dafür endlich wieder belohnt worden. 519 Minuten hatte der 29-Jährige auf seinen elften Saisontreffer warten müssen. Als es im Duell mit den weiter kriselnden Rheinländern endlich so weit war, brüllte Wagner seinen aufgestauten Frust heraus (62.). Eine riesige Befreiung für den gebürtigen Münchner.

"Wir wollten ein Zeichen setzen. Das war wichtig für uns und für mich persönlich", erklärte der Angreifer erleichtert. "Dieser Sieg bedeutet einen großen Schritt in Richtung Europa." Fünf Punkte beträgt der Vorsprung auf den Tabellenfünften aus Berlin vor der nun anstehenden Länderspielpause bereits, acht Zähler auf den Sechsten 1. FC Köln. Die Europa League scheint angesichts der beeindruckenden Konstanz der TSG fast schon sicher - und auch der Rückstand auf den Tabellenzweiten Leipzig ist auf vier Punkte geschmolzen. "Der gesamte Spieltag ist gut für uns gelaufen", kommentierte Wagner gut gelaunt. Der frühere Darmstädter personifiziert das Hoffenheimer Selbstverständnis in dieser Saison wie kein anderer. "Ich bin der Stürmer, er ist der Torwart - das ist mein Treffer!", erstickte der 29-Jährige die Diskussion über ein Eigentor von Leverkusens Torwart Bernd Leno, der dem Spielgerät die entscheidende Richtungsänderung gegeben hatte, im Keim. "Ich habe den Ball irgendwie reingewurschtelt und meine kleine Durststrecke beendet. Das zählt."

Aufmunterung von Nagelsmann

Julian Nagelsmann zweifelte nie an den Qualitäten seines Topangreifers, dessen starke Quote von elf Toren bei 22 Bundesliga-Einsätzen für sich spricht. "Sandro hat ein gutes Spiel gemacht, auch in der Defensive fleißig gearbeitet", lobte der Trainer. Die Flaute seit dem Treffer am 21. Januar gegen Augsburg habe er im Vorfeld nicht mit Wagner thematisiert. Das Gleiche gilt für den erneuten Korb von Bundestrainer Joachim Löw, der den Hoffenheimer nicht für die Partien mit England und Aserbaidschan berücksichtigte. "Ich glaube, das wirft ihn nicht aus der Bahn, selbst wenn er bis zum Lebensende nicht Nationalstürmer werden sollte", meinte Nagelsmann mit einem Augenzwinkern. "Ich war das auch nicht - und bin trotzdem glücklich." Leipzigs Timo Werner habe zuletzt eben öfter getroffen.

Wagner, der 2009 U-21-Europameister geworden war, gab sich ebenfalls gelassen. "Ich mache mir nicht so viele Gedanken über die Nationalmannschaft. Löw hat anders entschieden", sagte er, ergänzte aber nach einer kurzen Pause: "Ich gebe weiter Gas. Eine Nominierung würde mich freuen." Abgeschrieben hat der bullige Angreifer seinen Traum vom ersten A-Länderspiel noch lange nicht.

Am 31. März geht es für die TSG in der Bundesliga weiter. Dann steht die schwere Aufgabe bei Hertha BSC Berlin an. "Wir wollen auch dort etwas holen", betonte Wagner. Vier Tage später folgt das ausverkaufte Heimmatch gegen Bayern München. Doch noch ist das Zukunftsmusik. Zunächst genossen die Hoffenheimer den wichtigen Dreier gegen Bayer in vollen Zügen, während die Anhänger Europapokal-Fangesänge anstimmten.

"Der erste Heimsieg in der Bundesliga gegen Leverkusen ist schon etwas Besonderes. Es war wirklich ein tolles Spiel", lobte Dietmar Hopp auf dem Weg in die Kabine. Wagner schilderte seine Eindrücke vom Besuch des Mäzens wie folgt: "Herr Hopp macht einen sehr gelösten Eindruck und wirkt wie ein glücklicher Mann." Das gilt auch für Wagner selbst, der das Stadion ganz entspannt gemeinsam mit seiner fünfjährigen Tochter verließ.