Wieslocher "Wohnoase"

Kurzzeitpflege Neckarhäuser Familie kämpft gegen Schließung der Wieslocher "Wohnoase" / Landratsamt und Politik suchen Lösung

Neue Hoffnung nach Hilferuf

Rhein-Neckar.Erholung finden, einmal kurz Kraft schöpfen, aber auch Abwechslung vom Alltag erfahren: Es ist für Außenstehende kaum vorstellbar, welch große Bedeutung Kurzzeitpflegeplätze für mehrfachbehinderte Menschen und vor allem deren Angehörige haben. "Es ist für uns die einzige Möglichkeit, ein paar Tage zu entspannen, zu verreisen oder auch nur mal aus- beziehungsweise durchschlafen zu können", sagen Peter und Sylvia Köth aus Neckarhausen. Die Aussage kommt indessen einem verzweifelten Hilferuf gleich: Die "Wohnoase" des Vereins Lebenshilfe in Wiesloch, eine der wenigen einschlägigen Einrichtungen zur Kurzzeitpflege für Kinder in der Region, soll Ende April ersatzlos geschlossen werden.

Diese Ankündigung trifft nicht nur das Ehepaar Köth und ihre Tochter Ronja hart: "Überrascht und schockiert" ist auch Gerd Ziegler vom Angehörigenbeirat der Kurpfalzwerkstatt jenes Wieslocher Lebenshilfevereins, die viele Behinderte der "Wohnoase" aus der ganzen Region besuchen. Betroffen sind auch Familien mit Kindern und Jugendlichen auf der Martinsschule in Ladenburg.

"Viele Jahre lang alles getan"

Ende März teilte die Lebenshilfe allen Mitgliedern mit, dass es nicht gelungen sei, die "Wohnoase" auf eine solide finanzielle und personelle Basis zu stellen. Ziegler legt in einem "Brandbrief" an Presse und Vereinsvorstand dar, dass alle für 2017 vereinbarten Aufenthalte entfallen. Anfragen bei anderen Anbietern hätten gezeigt, dass es sehr schwierig sei, die abgesagten Termine zu ersetzen. Dies liege auch daran, dass es viel zu wenige solcher Plätze gibt.

"Wir haben bei einem Treffen mit den Angehörigen versucht, darzulegen, dass uns die Schließung der Wohnoase sehr schwer gefallen ist und wir viele Jahre alles getan haben, um den Betrieb aufrecht zu erhalten, dass wir aber wegen der Personalsituation nun keine Möglichkeit der Weiterführung mehr gesehen haben." Dies teilt auf Anfrage dieser Zeitung Katharina Ebbecke mit, die Vorsitzende der Wieslocher Lebenshilfe. Ebbecke betont, dass man schon seit vielen Jahren immer wieder vor der Frage stand, ob ein Weiterbetrieb möglich sei. Stets habe der Verein aus Rücksicht auf die Familien, die dringend Entlastung bräuchten, alles ihm Mögliche getan, um die "Wohnoase" offen zu halten. "Zuletzt", so Ebbecke, "hat uns aber die Personalnot das Genick gebrochen".

Notstand kommt überraschend

Überrascht von der Schließung der "Wohnoase" ist indes die Sozialdezernentin des Rhein-Neckar-Kreises als einem der Kostenträger: "Wir sehen in diesem Angebot eine wichtige Einrichtung zur Entlastung von Angehörigen schwerstbehinderter Kinder und Jugendlicher. Mit der Schließung entsteht eine Versorgungslücke, die es schnellstmöglich zu füllen gilt", sagt Stefanie Jansen. "Der plötzliche Personalnotstand war so einfach nicht absehbar", sagt sie. Ihr Rat an die Betroffenen: "Da es im Rhein-Neckar-Kreis keine vergleichbaren Einrichtungen für Kinder mit Behinderung gibt, sollten die Eltern über die Kreisgrenzen hinaus nach Alternativen suchen." Eine Einrichtung, die ebenfalls eine entsprechende Kurzzeitpflege anbietet, ist beispielsweise die Johannes-Diakonie in Mosbach.

Aber für die Wohnoase besteht offenbar noch Hoffnung: Nachdem das Landratsamt von der Geschäftsführung der Lebenshilfe Wiesloch über die Schließung informiert worden sei, habe man eine Besprechung mit allen Einrichtungen der Behindertenhilfe am 11. Mai anberaumt. Dabei sollen sowohl Lösungen für konzeptionell tragfähige Angebote als auch kurzfristige Möglichkeiten für betroffene Eltern gefunden werden - spätestens für die Sommerferien, wie Jansen mitteilt.

Inzwischen hat auch der Ladenburger Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck (SPD) Kontakt zu Lebenshilfe und Landratsamt aufgenommen. "Ich kann die Verärgerung der Betroffenen nachvollziehen und gehe davon aus, dass kurzfristig eine zufriedenstellende Lösung gefunden wird", antwortet er der Familie Köth in einem Schreiben, das dieser Zeitung vorliegt. Darin heißt es auch, dass bei dem Treffen zu klären sei, ob die Schließung vorübergehend, bis zur Besetzung der freien Stellen, oder dauerhaft erfolgen soll. Auf Nachfrage erklärt Kleinböck: "Es muss in irgendeiner Form ein Angebot geben, weil es dringenden Bedarf gibt. Aber das wird nicht nahtlos gehen." In Stuttgart arbeite er daran, mit den Trägern der freien Wohlfahrtspflege für den Bereich Tagespflege Verbesserungen zu erzielen, was aber freilich viel Geld kosten würde.