Horn-Interview

Fußball Kölns Torhüter Timo Horn äußert sich im Interview über seine Beziehung zum Kultclub, das "Finale um Europa" gegen Mainz und die Eishockey-WM

"Für den FC zu spielen, ist ein Privileg"

Köln.Es kommt auf ihn an - wie in jedem Spiel. Wenn der 1. FC Köln am heutigen Samstag (15.30 Uhr) mit einem Heimsieg gegen Mainz 05 seinen Teil dazu beitragen will, dass der Kultclub nach 25 Jahren wieder europäisch spielt, richten sich die Blicke wieder auf den Torhüter. Wozu "Hexer Horn", wie der "Express" den 24-Jährigen bezeichnete, zu leisten im Stande ist, zeigte er zuletzt beim 2:2 im Derby gegen Bayer Leverkusen, als er den Punkt mit tollen Paraden festhielt. Dass Bundestrainer Joachim Löw ihn nicht in den Kader für den Confed Cup in Russland berief, kann Horn verschmerzen. "Ein bisschen Urlaub gerade nach meiner Verletzung würde mir auch ganz guttun", sagte der Olympiateilnehmer im Interview mit dieser Zeitung.

Herr Horn, wie groß ist die Anspannung vor dem wichtigen Spiel um den Einzug ins internationale Geschäft am Samstag?

Timo Horn: Wir haben nichts zu verlieren, haben das Ziel schon getoppt, das wir uns vor der Saison gesetzt haben. Selbst im schlimmsten Fall werden wir die Runde auf einem einstelligen Tabellenplatz abschließen. Die Möglichkeit zu haben, dass sich der Verein nach 25 Jahren wieder für einen europäischen Wettbewerb qualifiziert, ist für jeden Kölner ein Traum. Deswegen fiebern wir mit den Fans dem Spiel entgegen, aber wir haben eher eine Vorfreude als eine große Anspannung.

Wie wichtig wäre es für die Stadt, den Club und den Spieler Timo Horn, international zu spielen?

Horn: Für einen jungen Spieler ist es natürlich immer gut, sich auf hohem Niveau zeigen zu können. Bei mir kommt noch dazu, dass mein großes Ziel ist, auch in der Nationalmannschaft irgendwann zu spielen. Deswegen wäre internationaler Fußball sehr willkommen in Köln. Wir denken ja gerade auch darüber nach, das Stadion auszubauen. Wenn man europäisch spielt, gibt es da kein Halten mehr. Die Kölner sind fußballverrückt. Das wäre für die Stadt und alle Menschen hier das Größte.

Wie gefährlich ist der kommende Gegner, da Mainz nach dem Klassenerhalt befreit aufspielen kann?

Horn: Es ist manchmal besser für die Mannschaften, wenn sie nicht gehemmt sind. Wenn sie befreit aufspielen können, sind sie immer für eine Überraschung gut. Der eine oder andere Mainzer fehlt allerdings auch - zum Teil gelbgesperrt -, so dass wir im eigenen Stadion den Anspruch haben, das Spiel zu gewinnen. Wir sind zu Hause sehr stark. Wir müssen mit den Fans eine Einheit bilden, dann bin ich mir sicher, dass wir gewinnen werden. Aber wie schon gesagt: Mainz ist nicht zu unterschätzen, die haben schon einige gute Spieler dabei. Wir sind gewarnt, müssen von der ersten Minute an hellwach sein.

Wie ist es für Sie, für einen Kultclub wie den 1. FC Köln zu spielen?

Horn: Ich bin noch dazu in Köln aufgewachsen, als Neunjähriger zum FC gekommen, für den ich jetzt seit mittlerweile 15 Jahren spiele. Das ist schon etwas Besonderes, weil da ein Stück weit Herzblut dabei ist. Ich bin mit dem Verein groß geworden, war als Jugendlicher schon Fan des FC und stand hier selbst am Trainingsgelände, um den Profis zuzuschauen. Nun selbst ins Stadion einlaufen zu dürfen, ist für mich persönlich immer wieder ein Höhepunkt. Ich versuche das nicht als selbstverständlich anzusehen, sondern es zu genießen. Es ist ein Privileg, für den FC zu spielen.

Sie sind Botschafter der Eishockey-Weltmeisterschaft, haben Sie schon ein Spiel in der Kölner Arena besucht?

Horn: Wir waren beim 4:3-Sieg nach Penaltyschießen gegen Lettland in der Arena, haben uns also das richtige Spiel ausgesucht. Das war sensationell. Deutschland war schon fast raus aus dem Turnier, hat dann in der Schlussminute den Ausgleich geschafft. Die Verlängerung war eindrucksvoll. Wenn es Drei gegen Drei geht, hat man kaum Zeit zum Wechseln. Da hat man den Deutschen angemerkt, dass sie k.o. waren. Ihr Torhüter hat sie im Spiel gehalten und alle drei Penaltys pariert. Mit ein bisschen Glück ist der dritte deutsche Schuss reingerutscht, so muss das sein! Da stand die Halle kopf. Für uns war das ein Riesenerlebnis.

Schaut man als Torhüter auch beim Eishockey verstärkt auf die Jungs zwischen den Pfosten?

Horn: Ja, ich finde das faszinierend, wie beweglich sie in ihrer Ausrüstung sind, und welche Reaktionen sie teilweise zeigen, wenn der Puck mit 140 Stundenkilometern aufs Tor zufliegt. Natürlich schaue ich da als Torhüter genauer hin, kann aber nicht einschätzen, ob es bei einem Gegentor ein Fehler eines Goalies war. Beim Eishockey gibt es schließlich ganz andere Bewegungsabläufe, deswegen verlasse ich mich da ganz auf meinen Mitspieler Dominic Maroh, der viel Ahnung vom Eishockey hat.

Maroh ist ein guter Freund von Haie-Verteidiger und Nationalspieler Moritz Müller, richtig?

Horn: Genau. Er saß im Müller-Trikot und voller Montur auf der Tribüne und hat seinen Kollegen angefeuert.

Standen Sie selbst schon einmal auf Schlittschuhen?

Horn: Ein paar Mal. Es war schon mal angedacht, dass wir mit den Kölner Haien etwas zusammen machen, es ist bisher aber noch nicht zustande gekommen. Ich würde mich jedenfalls freuen, dass einmal auszuprobieren. Ich habe für mich aber die richtige Sportart gefunden.