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Fußball Dortmunds Trainer Thomas Tuchel stellt sich nach dem Champions-League-Aus gegen Monaco vor seine Mannschaft

In der Abwehr fehlt die Klasse

Monaco.BVB-Boss Hans-Joachim Watzke durchquerte die Mixed Zone des Stade Louis II in Monaco im Stechschritt. Mit versteinerter Mine, die Lippen fest zusammengepresst, nicht rechts und links schauend. Kein Wort zu den versammelten Journalisten. Sportdirektor Michael Zorc ging ebenfalls wort- und grußlos von dannen. Auch Thomas Tuchel wirkte reichlich mitgenommen von den Ereignissen des Abends.

Dortmunds Trainer war blass und in sich gekehrt, als er nach dem Ausscheiden aus der Champions League auf dem Podium des Presseraums Platz nahm, um vor den Medienvertretern die richtigen Worte zu finden. Es sind ereignisreiche Tage mit vielen Emotionen, die hinter Borussia Dortmund liegen. Acht Tage nach dem Sprengstoffanschlag auf den Mannschaftsbus fiel es immer noch immer schwer, den Fußball in den Fokus zu rücken.

Dramatische Rahmenbedingungen

Borussia Dortmund ist im Viertelfinale der Champions League gewogen und für zu leicht befunden worden. Ein wirklicher Maßstab seien die 180 Minuten gegen überlegene Monegassen allerdings nicht, befand Tuchel bei seiner Analyse der beiden mit 2:3 und 1:3 verlorenen Begegnungen. Der Trainer bat bei der Analyse seiner Mannschaft um Fairness, man müsse aufpassen, angesichts der traumatischen Ereignisse rund um den Anschlag "diese beiden Spiele zu hoch zu bewerten". Sein Team habe sich "bis vor acht Tagen bereit gefühlt, dieses Champions-League-Viertelfinale zu gewinnen. Danach haben sich die Rahmenbedingungen dramatisch verändert."

Der Plan, aus dem Anschlag auf das Leben Energie zu ziehen und eine Jetzt-erst-Recht-Mentalität zu entwickeln, funktionierte nicht. "Wir haben nicht so frei gespielt, wie wir uns das vorgenommen haben", sagte Mittelfeldspieler Julian Weigl. De facto hatte der BVB an diesem Abend in Monaco zu keinem Moment die Ausstrahlung, über sich hinauswachsen zu können, um das große Ziel mit einer Energieleistung doch noch zu verwirklichen. "Unglücklicherweise", so Tuchel, "hatten wir nicht die Qualität, die Energie und das Glück".

Stattdessen stand ein Abwehrverbund auf dem Platz, der für gehobene europäische Weihen nicht infrage kommt. Haarsträubende Schnitzer, die sich Lukasz Piszczek, der wieder einmal überforderte Matthias Ginter und auch Torhüter Roman Bürki vor dem ersten Gegnertor leisteten, sind als sichere Indizien zu werten, dass die Klasse dieses Ensembles nicht ausreicht, um den Besten der Zunft die Stirn bieten zu können.

"Wir haben sehr fehlerhaft begonnen, das hat sich durch das Spiel gezogen", sagte Tuchel. Und Marco Reus ergänzte: "Wir hatten die Zuordnung bei den Flanken nicht." Vielleicht sei es ja so gewesen, mutmaßte Bürki, "dass wir uns zu viel aufs Toreschießen konzentriert und dabei das Toreverhindern vergessen haben". Die Folge war, dass die Borussia schon nach einer Viertelstunde aussichtslos mit 0:2 zurücklag. "Für den Kopf war das natürlich schwierig, so zu starten", sagte Reus: "Danach fehlten Kraft und Willen, um das Ding noch umzubiegen."

Dazu kam, dass auch Tuchel in seinem 100. Pflichtspiel mit dem BVB nicht seinen glücklichsten Auftritt hatte. Zum Beispiel bei der Entscheidung, Erik Durm nach einmonatiger Verletzungspause direkt in die Startformation zu beordern. Ein offensichtlicher Fehler, denn der Weltmeister ohne Einsatzminute war komplett überfordert und wurde von seinem Trainer schon nach einer knappen halben Stunde erlöst. "Erik war der Leidtragende", sagte Tuchel, "das nehme ich auf mich. Aber er hat im Training einen sehr frischen Eindruck gemacht."

Fragwürdig war auch die Maßnahme, mit Nuri Sahin den besten Dortmunder aus taktischen Erwägungen in der Halbzeit aus dem Spiel zu nehmen. Schon vorher hatte Tuchel an der Mission gezweifelt und sich selbst gefragt: "Ist das der Abend, an dem wir es möglich machen können?" Die Antwort war ein klares "Nein".

Damit ist nach Bayern München auch der letzte deutsche Club in der Königsklasse gescheitert, was insofern bemerkenswert ist, weil die Bundesliga erstmals seit 2009 im Halbfinale außen vor ist. Sechs Mal schafften es die Bayern unter die letzten Vier, dazu der BVB (2013) und Schalke 04 (2011). Höhepunkt der Hausse war das rein deutsche Finale zwischen den Bayern und den Dortmundern 2013 in Wembley.

Nun ist die Liga des Weltmeisters in Europas Königsklasse nur noch Zaungast. Ist die Bundesliga, die sich gern für ihr Niveau und ihre Ausgeglichenheit feiert nur biederer Durchschnitt? Das soll nicht so bleiben. Zumindest, wenn man Marcel Schmelzer Glauben schenkt. Bevor er in den Mannschaftsbus stieg, betonte der Kapitän, für viele der jungen Spieler seien es die ersten Gehversuche auf diesem Niveau gewesen. Schritte, aus denen einige Lehren zu ziehen seien: "Jeder von uns hat den Anspruch, in der nächsten Saison wieder da zu spielen."

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