Gesundheit

Kardiologenkongress Mehr als 8500 Experten tauschen sich noch bis Samstag in Mannheim aus

Genforschung kommt in der Herzmedizin an

Mannheim.Eine schwere Herzkrankheit muss heute kein Todesurteil mehr sein. Das sei in erster Linie der modernen Medizin zu verdanken, die "zu Lebensqualität und Lebenserwartung beigetragen hat und weiter beiträgt", freut sich Hugo Katus, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, zum Auftakt der Jahrestagung im Mannheimer Rosengarten. So starben im Jahr 1990 noch 325 von 100 000 Einwohnern an Herzerkrankungen, 2014 waren es nur noch 256 - das entspricht einem Rückgang von mehr als 20 Prozent. Grund, sich zurückzulehnen, gibt es indes nicht. Trotz der Erfolge seien Herzkreislauferkrankungen weiterhin die Haupttodesursache in Deutschland, sagt Katus, der am Heidelberger Universitätsklinikum tätig ist. Wie sich Patienten noch besser helfen lässt, darüber tauschen sich mehr als 8500 Experten aus dem In- und Ausland noch bis Samstag in Mannheim aus.

Genetische Faktoren: Ein wichtiges Thema auf dem Kongress ist die Rolle des Erbgutes bei der Entstehung von Herzkrankheiten. Mittlerweile hat die Forschung zahlreiche den Genen zugrundeliegende Einflüsse identifizieren können. Immerhin rund fünf Prozent der plötzlichen Herztodesfälle gehen zum Beispiel auf eine genetisch bedingte Ionenkanal-Erkrankung zurück. "Wir müssen Risikopatienten identifizieren", fordert daher der Mannheimer Kardiologe und Tagungspräsident Martin Borggrefe. Schon jetzt rät er nahen Angehörigen von Menschen, die jung an einem plötzlichen Herztod gestorben sind, sich gründlich vom Kardiologen untersuchen zu lassen. Wichtig sei es zudem, neue Biomarker und oder Gendiagnostik zu entwickeln.

Soziale Faktoren: Hier sehen die Experten eine große Herausforderung für die Medizin. Die Daten aus dem neuen deutschen Herzbericht zeigen, dass Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck, Diabetes oder Übergewicht regional sehr unterschiedlich verteilt sind. Besonders schlecht steht beispielsweise Sachsen-Anhalt da, das zugleich eine besonders hohe Sterberate nach Herzinfarkt aufweist. Baden-Württemberg hingegen liegt bei der Mortalität deutlich unter dem Bundesschnitt. Es gibt Hinweise, dass sich auch sozioökonomische Faktoren wie Arbeitslosigkeit und ein schlechtes Ausbildungsniveau auf die Herzgesundheit auswirken.

Risikofaktor Cholesterin: Berichte über die vermeintliche "Cholesterin-Lüge" weist Kardiologe Katus vehement zurück. "Es ist vielfach durch Daten belegt, dass erhöhte Blutfettspiegel, besonders das LDL-Cholesterin, einen wichtigen Risikofaktor darstellen." Das bestätigt auch die gerade veröffentlichte Fourier-Studie, die ebenfalls in Mannheim diskutiert wird - und deren Erkenntnisse sicher bald in die Therapie Eingang finden werden.