Hirschberg

Hirschberg Die Gemeinde an der Badischen Bergstraße unterhält gleich zwei Partnerschaften mit französischen Orten - Brignais und Schweighouse

Motto: Doppelt genäht hält besser

Eine Jumelage mit einer französischen Partnerstadt haben fast alle Kommunen in der Region (nur Ladenburg bildet da übrigens eine Ausnahme). Doch gleich zwei Partnergemeinden auf französischem Boden - damit hat Hirschberg ohne Zweifel ein Alleinstellungsmerkmal.

Alles beginnt, als die Freien Wähler am 30. Oktober 1979 im Gemeinderat den Antrag auf Partnerschaft mit einer europäischen Gemeinde stellen. Motor dafür ist Peter Johe, der damit in etwa die gleiche Funktion hat wie Horst Schütze in Schriesheim. Auch der weitere Verlauf ist ähnlich: 1981 setzt der Gemeinderat eine Kommission ein, die die Rahmenbedingungen für eine solche Partnerschaft ausarbeiten soll.

Dabei wird - ebenfalls einmalig - die Bevölkerung mit einbezogen: In einer Fragebogenaktion können die Bürger kundtun, was sie von einer Städtepartnerschaft halten und welches Partnerland sie bevorzugen. Von 300 eingehenden Antworten sprechen sich nur sieben gegen eine Städtepartnerschaft aus. Von den Befürwortern wünschen sich 151 Frankreich, 134 ein deutschsprachiges Gebiet, darunter 95 Südtirol.

Gemeinderatsbeschluss von 1983

So beschließt der Gemeinderat 1983, eine Partnerschaft mit einer französischen Kommune anzustreben, die maximal 500 Kilometer entfernt ist. Klaus Reinhard, als Studiendirektor des Französischen mächtig, wird entsandt, um einen solchen Partner zu suchen. Er findet ihn in Brignais südwestlich von Lyon. Sogar in einer Stadtratssitzung darf Reinhard sein Anliegen vortragen, das dort denn auch auf fruchtbaren Boden fällt.

Ihm folgt eine offizielle Delegation aus Hirschberg. Längst legendär die Anekdote, als die Gemeinderäte nach ihrer politischen Couleur gefragt werden. Sozialdemokraten und Christdemokraten haben kein Problem, zu erklären, was sie sind, Peter Johe als Freier Wähler schon. "Sans etiquette" (ohne Angaben) machen daraus die Franzosen - eine Bezeichnung, mit der Johe nach Rückkehr in Hirschberg mal aufgezogen wird.

Im Dezember 1984 kommen die Franzosen unter Führung von Bürgermeister Michel Thiers zum Gegenbesuch. Zwei Jahre später, am 28. Juni 1986, wird in einer großen Feier in Hirschberg die Partnerschaft besiegelt, am 18. Oktober in Brignais. Über Brignais kommt Hirschberg in Kontakt zur Gemeinde Schweighouse im Elsass; sie ist seit der Wiederangliederung aus Deutschland nach Frankreich 1945 Patengemeinde von Brignais, das beim Wiederaufbau des im Krieg völlig zerstörten Ortes half. Die Integration von Schweighouse in die Partnerschaft mit Brignais ist für die Hirschberger daher auch ein Stück Bekenntnis zu historischer Verantwortung.

So entsteht eine einmalige Dreierverbindung von Hirschberg, Brignais und Schweighouse (zu der mit der Wiedervereinigung 1990 Nieder-au bei Meißen stößt). "Sie leisten einen kleinen Beitrag zum Zusammenwachsen Europas", macht der damalige Bürgermeister Werner Oeldorf das Ziel deutlich, das er mit dieser Verbindung verfolgt.

Dies zeigt sich auch im Ortsbild: In Brignais besteht eine "Place d'Hirschberg", in Hirschberg Brignais- und Schweighouse-Plätze. Doch noch wichtiger sind die vielen menschlichen Begegnungen. Institutionalisiert ist die Pflege der Jumelage im Partnerschaftsverein, dessen Bedeutung auch dadurch deutlich wird, dass Alt-Bürgermeister Werner Oeldorf lange als Vorsitzender wirkt.

Dessen Nachfolger im Rathaus, Manuel Just, ist die Jumelage ebenfalls Herzensanliegen. Und so hoffen viele Hirschberger, dass dieser Freundschaft zwischen den Gemeinden die Prüfung durch die Amtsübernahme einer antieuropäischen Politikerin an der Spitze des französischen Staates erspart bleibt.