Kommentar

Beschränkte Auswahl

Christian Rotter zur Arbeit von Marco Sturm

Die Zahlen sprechen für sich. Als Marco Sturm vor zwei Jahren die DEB-Auswahl übernahm, hatte sie den Anschluss an das Mittelfeld in der Top-Division verloren. Unter Pat Cortina war Deutschland nicht nur auf den 13. Platz in der Weltrangliste abgerutscht, sondern hatte auch noch das Olympia-Ticket für Sotschi leichtfertig verspielt.

Für den ganz großen Wurf hat es bei der Heim-WM zwar nicht gereicht, mit dem zweiten Viertelfinaleinzug in Folge in der Ära des neuen Bundestrainers schiebt sich das DEB-Team aber wieder auf Rang acht vor. Die großen Nationen Kanada, USA, Russland, Schweden und Finnland bleiben ein gutes Stück entfernt, auch die Schweiz hat noch die Nase vorne. Die Lücke zu Tschechien ist aber kleiner geworden.

Positiver Trend

Dieser positive Trend hat nichts mit strukturellen Veränderungen - oder gar Verbesserungen - im deutschen Eishockey zu tun. Nein, einen Großteil des Erfolgs darf sich Marco Sturm ans Revers heften. Mit seiner Aura, seinem Charisma und seiner Vita als langjähriger NHL-Profi hat er es geschafft, dass die besten deutschen Spieler wieder gerne zum DEB-Team stoßen.

Eines haben die Titelkämpfe gezeigt: Nur wenn die Spieler kommen, die in ihren NHL-Teams zu den Leistungsträgern zählen, ist Deutschland auf dem höchsten Niveau wettbewerbsfähig. Da die NHL nach aktuellem Stand für Olympia 2018 keine Pause einlegen wird, kann es für das DEB-Team in Pyeongchang wieder ganz anders aussehen: Während die Top-Nationen aus einem großen Reservoir schöpfen können, muss Deutschland vor allem auf die DEL-Profis setzen. Nur wenn auch die Qualität der heimischen Liga steigt und die neuen Nachwuchskonzepte greifen, kann es weiter nach oben gehen. Doch das kostet Zeit.

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