Kommentar

Blick nach vorne

Jan Kotulla befürwortet den geplanten Umbau der Odenwaldschule in eine Wohn- und Freizeitanlage

In den Räumen der Odenwaldschule sind jahrzehntelang furchtbare Dinge geschehen. Viel zu lange haben Verantwortliche weggeschaut und so die Opfer ein weiteres Mal zutiefst verletzt. Die Schließung der "Reformschule" war deshalb die logische und richtige Konsequenz - der geplante Neuanfang als Bildungseinrichtung hätte nicht gepasst.

Als vor einem Jahr bekannt wurde, dass der Mannheimer Unternehmer Dieter Schaller das Anwesen gekauft hat, war klar, dass dort etwas Neues entstehen wird. Der kreative Kopf, der seine Werbeagentur im südhessischen Lampertheim keine 30 Kilometer von Ober-Hambach entfernt gegründet hat, ist sich der Geschichte des Ortes sehr wohl bewusst. Der 67-Jährige hat ja selbst ein Museum ins Gespräch gebracht. Meiner Meinung nach wäre dies oder ein anderer frei zugänglicher Ort des Gedenkens der richtige Schritt - damit dieses dunkle Kapitel nicht in Vergessenheit gerät. Als Mann der Werbung dürfte es Dieter Schaller und seinem Team nicht schwerfallen, gemeinsam mit dem Opferverein Glasbrechen ein Konzept auf die Beine zu stellen, das allen Ansprüchen gerecht wird.

Und vielleicht gelingt es auf diese Weise ja sogar, dass die vor Jahren missbrauchten Kinder und Jugendlichen mit diesen für sie belastenden Erlebnissen abschließen können - weil das Gelände der Odenwaldschule nicht zu einem angestaubten Freilichtmuseum verkommt, sondern dank der neuen Bewohner mit Leben und Lachen erfüllt wird. Andere Orte wie der Obersalzberg in Berchtesgaden haben gezeigt, wie man das Gedenken und eine neue Nutzung in Einklang bringen kann.

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