Kommentar

Die ratlose SPD

Walter Serif über das Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz: Seitdem es keine Störmanöver aus München gibt, ist die Kanzlerin obenauf

Die Kanzlerin regiert, ihr Herausforderer dilettiert. Das klingt polemisch, ist deshalb aber nicht ganz falsch. Während Angela Merkel (CDU) viel in der Weltgeschichte herumreist und deshalb ständig in den Medien auftaucht, sucht der SPD-Herausforderer verzweifelt nach einem Thema, mit dem er wieder aus dem Umfrage-Tief kommen kann. Es reicht eben nicht aus, nur zu sagen: Ich heiße Martin Schulz, trete für mehr soziale Gerechtigkeit ein und will Bundeskanzler werden.

Offensichtlich haben Schulz und seine Genossen geglaubt, die Euphorie gehe einfach weiter, weil die Kanzlerin nicht mehr die Kraft für einen harten Wahlkampf habe. Nach den drei jüngsten Wahlklatschen verströmt das SPD-Lager gegenwärtig eher Ratlosigkeit. Da hilft der Hinweis darauf wenig, dass Landtagswahlen nur Landtagswahlen seien. Merkel hat genauso argumentiert - die überraschenden Erfolge ihrer Getreuen verleihen aber auch der Kanzlerin ein wenig Glanz. Und jetzt wissen auch ihre parteiinternen Kritiker, dass die CDU siegen kann, wenn sie geschlossen auftritt und es aus München nicht immer nur Störfeuer gibt.

Seitdem CSU-Chef Horst Seehofer Merkel in Ruhe lässt, kann sie wieder ihr eigenes Ding machen - Regieren. Das ist ihr Wahlkampfmodus. Der Einzige, der Merkel da noch Konkurrenz macht, will gar nicht Kanzler werden: SPD-Außenminister Sigmar Gabriel, der auch ständig in den Medien ist. Allerdings lässt er dadurch wiederum den Kanzlerkandidaten schlecht aussehen, der im Schatten steht. Natürlich kann sich bis zur Bundestagswahl noch alles drehen in diesen verrückten Zeiten. Nur, gegenwärtig ist Angela Merkel obenauf.