Kommentar

Durststrecke verlängert

Die Europäische Zentralbank (EZB) steht unerschütterlich fest zu ihrer ultralockeren Geldpolitik - mit allen negativen Folgen auch für die deutschen Sparer. EZB-Chefvolkswirt Peter Praet hat gestern noch einmal deutlich gemacht, dass die Notenbank nicht den geringsten Grund sieht, den Leitzins für die Eurozone anzuheben. Der Belgier kündigte an, dass die Zinsen für "längere Zeit" auch nach dem Auslaufen der EZB-Wertpapierkäufe niedrig bleiben. Nach heutigem Stand wird das Programm noch bis Ende dieses Jahres fortgesetzt. Im Moment spricht vieles dafür, dass die Zinsen im Euroraum frühestens in eineinhalb Jahren steigen - der Zeitpunkt könnte sich aber durchaus noch nach hinten verschieben.

Damit würde sich auch die Durststrecke für Sparer und Besitzer von Lebensversicherungen verlängern. Besonders dramatisch ist die Entwicklung auch deshalb, weil die Inflation zuletzt deutlich zugelegt hat. Das bedeutet, dass Erspartes nicht nur wenig bis gar keine Rendite abwirft, sondern faktisch an Wert verliert. Das Horrorszenario der Sparer besteht derzeit in einer weiterhin lahmenden Eurozonen-Konjunktur gepaart mit einer Inflation von knapp unter zwei Prozent. Dann würde die EZB wohl noch länger unerschütterlich an ihrer Geldpolitik festhalten - und genauso stur Verluste der Sparer in Kauf nehmen.