Kommentar

Falscher Bildungsweg

Michael Schwarz über die Verlängerung des G9-Schulmodells

Die Verlängerung des G9-Modellversuchs zementiert einen bildungspolitischen Weg, der in die falsche Richtung führt. Was soll es bringen, wenn an 44 Standorten im Land noch länger das neunjährige Gymnasium angeboten wird, während andere Schulen, an denen ebenfalls eine große Nachfrage nach G9 besteht, außen vor bleiben? Das ist ungerecht und sorgt für Unruhe unter den Eltern, die ihr Kind gerne auf ein neunjähriges Gymnasium schicken würden, dies aber wegen des fehlenden Angebots nicht können. Dabei liegt die Lösung nahe.

In Baden-Württemberg gibt es 299 Gemeinschaftsschulen - ein nahezu flächendeckendes Netz. Hier sollte Grün-Schwarz mutiger sein und die Einführung der gymnasialen Oberstufe entschlossener angehen. Daneben besteht auch an den vielen beruflichen Gymnasien die Möglichkeit, das Abitur nach neun Jahren zu machen. G8 an den Gymnasien, G9 an den Gemeinschaftsschulen und beruflichen Gymnasien - das wäre eine sinnvolle Lösung. Anstatt eine klare Trennung zwischen den beiden Geschwindigkeiten zum Abitur herbeizuführen, wird jetzt der G9-Modellversuch mit Zusatzkosten in Höhe von rund 50 Millionen Euro verlängert. Das Problem liegt vor allem bei der CDU, die sich in der Koalition mit den Grünen nicht von ihren ideologischen Vorbehalten gegen die Gemeinschaftsschule lösen will. Dies wäre jedoch dringend nötig.

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