Kommentar

Kein guter Stil

Archivartikel

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Kommunalpolitiker einen lukrativen Chefposten bei der städtischen Immobiliengesellschaft GAG übernimmt. Wolfgang van Vliet (SPD) ist der Dritte - nach dem früheren Kämmerer Knut Weber (SPD) und Baudezernenten Ernst Merkel (CDU). Dass der Wechsel van Vliets ohne vorherige Ausschreibung der Stelle erfolgt, ist rechtlich zweifellos möglich, aber sicher kein guter Stil. Sollte hier eine bestimmte Person gemäß einer Absprache der beiden großen Parteien zum Zuge kommen? Ob diese bisweilen in der Stadt gehegte Vermutung stimmt, ist als Außenstehender schwer zu beurteilen. Aber ein solcher Eindruck wäre bei einer Ausschreibung, die den Kreis potenzieller Bewerber von vorneherein weiter gefasst hätte, vermieden worden. Gerade bei der Spitzenposition einer wichtigen städtischen Tochtergesellschaft ist mehr Offenheit angebracht.

Gleichwohl sind van Vliets Qualifikationen für den GAG-Chefposten nicht zu bestreiten. Er kennt das Unternehmen seit langem - auch die Herausforderungen der nächsten Jahre. Er muss den großen Bestand an Häusern weiter sanieren und vor allem mehr bezahlbare Wohnungen schaffen. Denn dieses Problem wird sich durch die Flüchtlinge verschärfen. Die Forderung nach preisgünstigen Wohnungen hatte seine Partei immer wieder erhoben. Man darf gespannt sein, ob van Vliet sie erfüllen kann.