Kommentar

Zukunft und Vergangenheit

Alexander Müller zum deutschen Aus in der Königsklasse

Die Gründe könnten unterschiedlicher kaum sein, das Fazit bleibt einhellig trist: Zum ersten Mal seit 2009 hat sich die Fußball-Bundesliga schon vor dem Halbfinale aus der Champions League verabschiedet. Während das Ausscheiden von Borussia Dortmund gegen den AS Monaco durch die Auswirkungen des Bombenanschlags vor dem Hinspiel sportlich im Grunde aus der Wertung fällt, hat das Scheitern des FC Bayern gegen Real Madrid Ursachen, die tiefer liegen als einige unglaubliche Fehlentscheidungen des Schiedsrichters.

Die deutsche Eliteklasse, dieser Eindruck drängt sich mehr und mehr auf, hat generell ein Qualitätsproblem bekommen: Denn obwohl der Zyklus der Generation Lahm, die bei den Finalteilnahmen 2012 und 2013 im Zenit stand, nach vier Jahren ohne Titel in der Königsklasse unwiderruflich zu Ende gegangen ist, fordert die Münchner in der Liga weiterhin kein ernstzunehmender Rivale heraus. Zu gut für Deutschland, aber nicht gut genug für Europa? Das klingt wie eine äußerst ungesunde Mixtur.

Bayerns große Probleme

Dortmund muss man - die mental nicht abschätzbaren Konsequenzen des Angriffs auf den Mannschaftsbus einmal außen vor gelassen - zumindest zugute halten, dass diese Mannschaft eine Zukunft besitzt. Obwohl der BVB mit Götze, Lewandowski, Gündogan, Mkhitaryan und Hummels in den vergangenen Jahren einen Großteil seiner wichtigsten Spieler abgeben musste, kann man sich ohne große Fantasie vorstellen, wie Trainer Thomas Tuchel aus Rohdiamanten wie Ousmane Dembele oder Christian Pulisic bald richtige Weltklasse-Spieler formt - mit einer Abwehr, die ihren Namen verdient, könnte die Borussia sogar schon halbwegs zeitnah wieder die Bayern ärgern.

Womit wir in München wären. Der anstehende Generationswechsel wurde zu lange nur verwaltet - und trifft den Rekordmeister gerade deshalb jetzt mit voller Wucht. Philipp Lahm und Xabi Alonso hören auf, Franck Ribery und Arjen Robben können auch nicht mehr so wie noch mit 28. Aber all das war absehbar, und die Kaderplaner haben darauf gar nicht oder schlecht reagiert. Douglas Costa oder Kingsley Coman sind auf Top-Niveau nur Ergänzungsspieler, und es soll nicht wenige FCB-Fans geben, die bei Thiagos hasenfüßigem Auftritt im Bernabéu neidisch auf diesen Ausnahme-Spielgestalter im weißen Trikot geblickt haben, den ihr Verein 2014 so leidenschaftslos ziehen ließ: Toni Kroos.

Wie diese Probleme mittelfristig zu beheben sind? Wahrscheinlich nur mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich. Denn Trainer Carlo Ancelotti zeigte bisher wenig Interesse daran, den eigenen Nachwuchs zu fördern. Im Zweifel einfach mal Joshua Kimmich fragen.