Heidelberg

Pop Hoch gehandelte Pfälzer Indie-Band Drangsal erlebt in der Heidelberger Halle 02 einen rabenschwarzen Abend

Die Stimme streikt - und das Publikum

So wie es Tage gibt, an denen man besser im Bett geblieben wäre, so gibt es auch Konzertabende, die ziemlich in die Hose gehen. Dabei fragt man sich, woran es eigentlich gelegen hat.

Nehmen wir den Sonntag und den Auftritt der Pop-Formation Drangsal in der Halle 02 in Heidelberg. Da fängt der Abend mit dem Tag an: Sonntag. Es gibt bessere Wochentage zum Feiern, nämlich ungefähr sechs, wobei der Montag sein Schicksal akzeptiert hat und in der Regel auf Konzerte verzichtet.

Verheißungsvoller Auftakt

Den Sonntag nehmen wir als eine Art höherer Gewalt noch hin. Die Vorband macht dann auch wieder Mut. Die Selektion beeindruckt mit einer mutigen Mischung aus Elektro-Rave-Beats und New-Wave-Sound plus Echo-Gesang und reichlichem Trompeten-Einsatz. Dazu meist düstere, zumindest nachdenkliche deutsche Texte: Die drei Stuttgarter trumpfen ganz schön auf. Als dann noch Max Gruber alias Drangsal auf die Bühne kommt und mit Selektion-Sänger Luca Gillian ein mitreißendes Duett der Dunkelmänner hinlegt, scheint alles gut zu werden.

Die Ernüchterung folgt auf dem Fuße. Schon die Eröffnung von Drangsal mit dem Stück "Ingrimm" gerät weit weniger drängend, als es der bitterkalte Song mit der genialischen Basslinie eigentlich hergibt. Gruber hat offenbar ein Stimmproblem, das er zunächst noch zu verschleiern versucht. Nach der dritten halbherzigen Nummer bittet er dann, seine Heiserkeit zu entschuldigen. Das ist noch untertrieben. Zwar gibt das vielleicht aufregendste Versprechen der Indie-Pop-Musik alles, spür- und sehbar über die Schmerzgrenze hinaus. Doch es wird schnell klar: Hier läuft es nicht nach Plan und die Drangsal-Dringlichkeit, die Gruber und seine Band auszeichnet, bleibt leider größtenteils völlig auf der Strecke.

Dabei bemühen sich die Herrschaften redlich, bauen Instrumental-Teile ein oder lassen Strophen weg, man hört, wie sie generell in den vergangenen Tour-Monaten an den Live-Versionen der Songs vom grandiosen Debütalbum "Harieschaim" gefeilt haben.

Auch die B-Seite "Blaue Stunde" sowie zwei Stücke, die es auf das noch einzuspielende zweite Album geschafft haben, überzeugen musikalisch. Doch ohne Grubers stimmliche Aggressivität und körperliche Autorität kann der Abend nicht halten, was er versprochen hat.

Knappe Stunde Spielzeit

Nach 40 Minuten geht es von der Bühne, mit Zugaben kommen die aus dem pfälzischen Herxheim stammenden Drangsal auf eine knappe Stunde. Die im Publikum mitfiebernde Verwandtschaft dürfte ordentlich mitgelitten haben. Zumal es das letzte Konzert der Tour in Deutschland war - und ein für gestern geplanter Auftritt in London deren Höhepunkt darstellen sollte.

Was Gruber und Co. genauso wenig wie solches Stimmpech verdient haben, war das Heidelberger Publikum: In mehr als 15 Jahren haben wir in dieser Stadt kein schlechteres, weil desinteressiertes Publikum erlebt. Da bleibt einem neben der Stimme sogar noch die Spucke weg.