Kultur

Pop Mit Seemannsliedern, irischen Folksongs und Schlager haben Santiano ihr Publikum in der Ebert-Halle begeistert

Stimmungswogen schlagen hoch

Ob Schicksal von einsamen Matrosen auf hoher See oder hübsche Seemannsbräute: Wenn die Band Santiano auf der Bühne steht, scheint das Publikum die frische Meeresbrise zu spüren. Auf ihrer "Die Ruhe vor dem Sturm"-Tour haben die Shanty-Rocker in der ausverkauften Friedrich-Ebert-Halle in Ludwigshafen gastiert.

Leisere Töne wolle man an diesem Abend anschlagen, kündigen die Musiker aus dem Norden an. Schließlich präsentiert sich Santiano mit Akustikkonzerten - und sorgt mit dem ursprünglichen Klangerlebnis für begeisterte Zuhörer.

Band mag Ludwigshafen

"Das Schöne an Ludwigshafen ist, dass das Wort "Hafen" drin steckt", sagt Sänger und Gitarrist Björn Both und lächelt. Das Schiff hat also in der Chemiestadt den Anker geworfen und die Crew verzaubert mit ihrem rauen Seebären-Charme und ihrer Melange aus Volksliedern, Irish Folk, Schlagern und Seemannsliedern die rund 2700 Besucher.

Musikalisch geben die Schleswig-Holsteiner alles, um ihrem Ruf als Shanty-Rocker gerecht zu werden. Bereits bei ihrem Eröffnungslied "Santiano" reißt die Gruppe die Zuschauer mit ihrem Elan mit: Im Stehen tanzen die Besucher zu den nostalgischen Seemannsklängen im flotten Tempokostüm, bei dem das Fagott eine prominente Rolle spielt. Das heitere Gitarrenspiel verbreitet rasch gute Laune und bricht damit das Eis in wenigen Augenblicken.

Beim Song "Der Alte und das Meer" mischt sich leicht melancholische Stimmung in die harmonischen Klänge, was nicht zuletzt dem Geigenspiel von Peter David Sage geschuldet ist. Ebenfalls sentimental mutet "Weh mir" an. Um dem "Haus der Traurigkeit" wieder zu entfliehen, wie Both betont, geht es im Anschluss wieder deutlich heiterer zu. Das entspannt-fröhliche "Land Of Green" klingt nach Spaziergängen in den Highlands und grünen Wiesen in Irland. Der Song "Marie" erzählt die Geschichte eines Mannes, dessen bester Freund ihm seine schöne Braut ausspannt. Mit der eingängigen Ballade "Tri Martolod" begeben sich die Barden auf die Spuren des traditionellen bretonischen Lieds. Auch das englische Volkslied "Scarborough Fair", das in der Santiano-Version "Garden Eden" heißt und von Axel Stosberg mit viel Gefühl interpretiert wird, sorgt für Gänsehautstimmung.

Die Band setzt sich noch immer für Freiheit ein, die sie keinesfalls als Selbstverständlichkeit ansieht. Sie setzen ein politisches Zeichen und kritisieren in diesem Zusammenhang die Wahl von Staatsmännern wie Donald Trump und Co. Bei ihrem Hit "Lieder der Freiheit", ein Cover von Mike Oldfields "Get To France", singen die Zuschauer ausgelassen mit. Nach mehreren Zugaben, darunter das plattdeutsche "Hoch im Norden", heißt es für die Shanty-Rocker unter viel Applaus wieder "Leinen los".