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Gymnasium Landesregierung fördert Erweiterungsprojekt zum neunjährigen Abitur mit zusätzlichen 50 Millionen Euro

G9-Modell wird verlängert

Stuttgart.Die grün-schwarze Landesregierung wird das neunjährige Gymnasium an den 44 Modelstandorten in Baden-Württemberg fortführen. Der Modellversuch soll um fünf Jahre verlängert werden. Damit werden bis zum Schuljahr 2024/2025 fünfte Klassen an Gymnasien eingerichtet, die erst nach neun Jahren das Abitur machen. Grün-Schwarz plant für die Verlängerung des Schulversuchs insgesamt rund 50 Millionen Euro zusätzlich ein. Dies geht aus der Kabinettsvorlage hervor, die der Ministerrat bei seiner nächsten Sitzung am kommenden Dienstag verabschieden will. Das Papier liegt dieser Zeitung vor.

"Ziel des bestehenden Modellversuchs ist die Erprobung unterschiedlicher, den individuellen Lernbedürfnissen angepassten Lerngeschwindigkeiten zum Abitur und deren Auswirkungen auf den Schulerfolg, auf das Selbstkonzept der Schüler, auf die Zufriedenheit der Eltern und die Wahrnehmung der Lehrkräfte", begründet Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) die Verlängerung des Modellversuchs. Neben dem achtjährigen Gymnasium wird im Südwesten das Abitur nach neun Jahren an 44 Schulen erprobt. Die erste Tranche mit 22 Gymnasien ging zum Schuljahr 2012/2013 an den Start. Weitere 22 Modellschulen kamen ab dem Schuljahr 2013/2014 dazu.

Stand heute hätten die G9-Gymnasien der ersten Tranche im Herbst 2018 letztmals fünfte Klassen bilden können. Für die zweite Hälfte wäre dies nur noch bis zum Schuljahr 2019/2020 möglich gewesen.

130 zusätzliche Lehrstellen

Durch die Verlängerung können die ersten 22 G9-Gymnasien jetzt bis zum Schuljahr 2023/2024 fünfte Klassen bilden, die zweite Welle bis zum Schuljahr 2024/2025. Insgesamt sieht das Kultusministerium den Einsatz von 130 Lehrerstellen zusätzlich vor.

Diese müssen zumindest in Teilen bis zum Jahr 2033 eingeplant werden, weil dann die letzten Abiturienten der neunjährigen Modell-Gymnasien abgehen werden. Wegen der zusätzlichen Lehrerstellen, die für die Verlängerung des Modellversuchs nötig sind, plant das Kultusministerium in den Jahren 2027 bis 2033 mit jährlichen Zusatzkosten in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro. Wollen die 44 Schulstandorte den Modellversuch verlängern, müssen sie dies bis zum 1. Januar 2018 beantragen.

"Der Antrag für eine Verlängerung des Schulversuchs kann nur von denjenigen öffentlichen und privaten Gymnasien gestellt werden, die im Genehmigungszeitraum der ersten und zweiten Tranche in den Schulversuch aufgenommen wurden", erklärt Eisenmann. Das heißt: Neue Schulen können an dem Modellversuch nicht teilnehmen. Insgesamt besuchten im vergangenen Schuljahr in Baden-Württemberg über 307 000 Schüler ein allgemein bildendes Gymnasium. Davon wurden etwa 21 200 in einem neunjährigen Gymnasium unterrichtet.

Für die Grünen ist die Verlängerung des G9-Modellversuchs ein Kompromiss. "Solange es bei den 44 Standorten bleibt, ist es für uns in Ordnung", sagt die bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, Sandra Boser. Deswegen hätte die Partei auch im Koalitionsvertrag mit der CDU zugestimmt, dass der Versuch fortgesetzt werde. Im Gegenzug konnten die Grünen durchsetzen, dass an den Gemeinschaftsschulen eine gymnasiale Oberstufe eingeführt wird. Allerdings beharrte die CDU gleich auf einer Beschränkung. "Die Koalitionspartner gehen davon aus, dass bis zum Ende dieser Legislaturperiode an nicht mehr als 10 Standorten Schüler an den Oberstufen der Gemeinschaftsschule unterrichtet werden", heißt es im grün-schwarzen Kontrakt. Doro Moritz, Landeschefin der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, übt Kritik. "Wir wollen keine Ausweitung der G9-Modelle. Das ist das falsche Signal", so Moritz. Sie setze hingegen auf eine Weiterentwicklung des achtjährigen Gymnasiums.

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