Naturschutz

Naturschutz Opel-Zoo züchtet Mesopotamische Damhirsche / Exporte bis nach Neuseeland und Jerusalem

Unterschätzte Exoten

Kronberg/Taunus.Bei einem Besuch des Opel-Zoos in Kronberg beachtet so mancher Besucher die größte zoologische Kostbarkeit dort kaum: Die weißgesprenkelten "Mesos", wie Zoo-Mitarbeiter die Mesopotamischen Damhirsche liebevoll nennen, wirken nun mal nicht so exotisch wie Elefanten oder Giraffen.

Dabei handelt es sich bei den Tieren nicht um heimische Waldbewohner, die auch in jedem beliebigen Wildpark oder in freier Wildbahn betrachtet werden können. Der Mesopotamische Damhirsch ist eine stark gefährdete Tierart, für deren Erhalt der Zoo im Taunus seit Jahren eine international wichtige Adresse ist.

"Größte Herde in Europa"

Der Mesopotamische Damhirsch ist etwas größer und kräftiger als der Europäische Damhirsch - und vor allem sehr viel seltener. Kaum ein anderes Tier sei so eng mit Zoogründer Georg von Opel und der Geschichte des Zoos verbunden, sagt Zoosprecherin Margarete Hermann.

Von Opel finanzierte in den 1950er Jahren mehrere Expeditionen in das damalige Persien, wo es noch letzte Exemplare der bereits als ausgestorben geltenden Mesopotamischen Damhirsche geben sollte. Im Jahr 1957 kam so der junge Hirsch "Scheich" nach Kronberg, ein Jahr später wurde das Weibchen "Siba" gefangen und in den Taunus gebracht. Als 1960 das erste Jungtier im Kronberger Zoo geboren wurde, war das der Beginn einer erfolgreichen Zucht, aus der bislang etwa 260 "Mesos" hervorgingen.

"Wir haben die größte Herde in Europa", sagt Zoo-Mitarbeiter Jörg Beckmann stolz. Und nicht nur das: Fast jeder Mesopotamische Damhirsch in europäischen oder nordamerikanischen Zoos geht auf Nachwuchs aus dem Taunus zurück. Sogar nach Neuseeland verschlug es schon einige der Zöglinge.

Wildlebende Tiere im Iran

Lediglich im Iran gibt es derzeit noch auf die ursprüngliche Population zurückgehende wildlebende Tiere. Die intensivierte Landwirtschaft im Gebiet der westiranischen Zagros-Berge bedroht nach Angaben der Naturschutzorganisation WWF aber ihren Lebensraum zunehmend. Seit 40 Jahren werden Mesopotamische Damhirsche daher in einem Europäischen Erhaltungszuchtprogramm der Zoos gezüchtet. Im Opel-Zoo wird seit einigen Jahren das Internationale Zuchtbuch für die Tiere geführt.

"Wir geben jedes Jahr Tiere ab", sagt Beckmann. In diesem Jahr zog es Beckmann beispielsweise schon mit zwei Junghirschen nach Jerusalem. Im dortigen Zoo sollen die im vergangenen Jahr geborenen Tiere in die vorhandene Herde integriert werden. Nach Möglichkeit sollen sie einmal selbst für Nachwuchs sorgen, der dann in israelischen Naturschutzgebieten ausgewildert werden kann - zwei größere Populationen ausgewilderter Tiere gibt es im Land bereits.

Doch wie sieht es mit gesundheitlichen, auf ein verarmtes Erbgut zurückgehenden Schäden angesichts der sehr überschaubaren Zahl von Vorfahren aus? Immerhin gehen die aus Kronberg stammenden Hirsche alle auf drei Tiere zurück, basieren also auf extremer Inzucht. Die genetische Vielfalt sei nicht sehr ausgeprägt, räumt Beckmann ein. "Aber anscheinend sind sie nicht sehr inzuchtempfindlich." Bisher habe es jedenfalls keine gesundheitlichen Auffälligkeiten bei den Hirschen aus seinem Zoo gegeben.