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Bildung Rheinland-pfälzische Schulen müssen als einzige in Deutschland weiter auf landesweit einheitliche Prüfungsaufgaben verzichten / Lehrerverband begrüßt Regelung

Zentral läuft beim Abitur gar nichts

Archivartikel

Mainz.Rheinland-Pfalz will weiter eine Insel in der deutschen Schullandschaft bleiben: Die rot-gelb-grüne Landesregierung hält an ihren dezentralen Abiturprüfungen fest, und das obwohl in den anderen Ländern die Aufgaben längst zentral erarbeitet und gestellt werden. Doch ein klein bisschen lenkt das Mainzer SPD-geführte Bildungsministerium ein - zum ersten Mal werden in diesem Jahr in einigen Fächern Tests aus dem bundesweiten Prüfungspool bestückt.

Aber während etwa im benachbarten Hessen gerade zehn Jahre Landeszentralabitur gefeiert wird, bleibt die Ampelkoalition in Mainz grundsätzlich bei ihrer Linie. "Wir fahren sehr gut mit unserem rheinland-pfälzischen Weg", betont die Sprecherin des Bildungsministeriums, Sabine Schmidt. Auch künftig sollen die Gymnasiallehrer im Land ihre Prüfungsaufgaben selbst bestimmen und jeweils vorher einer Fachkommission des Ministeriums zur Kontrolle und Überprüfung vorlegen. "Das lässt auch mehr Spielraum für individuelle Gestaltungsmöglichkeiten der Lehrer", fügt die Sprecherin von Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zur Begründung hinzu.

Kein Zweifel an Standards

Dass die Abiturprüfungen in Rheinland-Pfalz deshalb leichter wären, schließt das Ministerium aus. "Es gibt keine Abweichungen nach unten oder oben bei den Standards", versichert Schmidt. Und auch die Landesvorsitzende des Philologenverbands, Cornelia Schwartz, sieht bei aller Kritik am bildungspolitischen Kurs der Regierung in Mainz kein "Abitur light". Allemal liege in Rheinland-Pfalz der Anspruch bei den Reifeprüfungen über dem in Norddeutschland. Die von den Lehrern selbst gestellten Aufgaben könnten durchaus anspruchsvoller sein als zentrale für das ganze Land. "Wir wollen den hohen Standard erhalten. Dazu brauchen wir nicht unbedingt ein Zentralabitur", betont die Mathematik- und Englischlehrerin. Ein Zugeständnis an Einheitlichkeit mit den anderen Bundesländern hat die Mainzer Landesregierung aber in diesem Jahr gemacht: Bei den schriftlichen Abiturprüfungen in Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch mussten die Gymnasiasten je eine Aufgabe lösen, die aus dem bundesweiten Aufgabenpool stammte.

Diskussion über Deutsch-Thema

Die Bildungsstandards dafür hatte die Kultusministerkonferenz 2012 beschlossen, um die Anforderungen im Abitur bundesweit transparenter und vergleichbarer zu machen. Das sei auch der Grund, dass sich Rheinland-Pfalz in diesem Jahr erstmals aus dem zentralen Aufgabenpool bediene, sagt Ministerin Hubig, die nach der Landtagswahl 2016 an die Spitze des für die Schulen zuständigen Ministeriums rückte. Schließlich hätten sich an der Erstellung des Abituraufgabenpools auch rheinland-pfälzische Lehrer beteiligt.

Ausgerechnet diese auf stärkere Vergleichbarkeit abzielende Neuerung hat aber auch eine öffentliche Diskussion über vorab bekannte Abiturfragen ausgelöst. Schon seit zwei Jahren war nämlich das übergeordnete Thema des Deutsch-Aufsatzes bekannt: Medien. Das ist auch kein rheinland-pfälzisches Spezifikum, wie Ministeriumssprecherin Schmidt versichert, sondern bei solchen Fragen aus dem zentralen Prüfungspool generell üblich. Schon gar nicht bedeute es, dass sich die Schüler jahrelang gezielt nur auf die Prüfung vorbereiten könnten und sonst nichts mehr lernen müssten. Schließlich sei ja nicht vorab bekannt, welcher Text zu dem Überthema drankomme, in dem Fall war es ein Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" über "Die Verbindlichkeit des Geschriebenen".

Philologenverbandschefin Schwartz bestätigt die Einschätzung des Ministeriums, hält es aber für problematisch, dass ein Abiturthema so weit im Voraus bekannt ist. Ein anderer Kritikpunkt ist für sie der Verzicht auf den Fehlerquotienten bei der Rechtschreibung für Klassenarbeiten im Fach Englisch. Stattdessen gilt jetzt ein Bewertungsraster, bei dem Flüchtigkeitsfehler eine geringere Rolle spielen als etwa schwere Grammatikfehler.