Leserbrief

Erdogans Äußerungen sind unerträglich

Zum Artikel "Erdogan greift zu Nazi-Vergleich" vom 6. März:

Ich kann nicht nachvollziehen, dass Herr Erdogan, der in seinem Land keine andere Meinung als seine gelten lässt, mit einem Nazi-Vergleich über Deutschland zu seinem Volk spricht. Wie viele Bürger seines Landes sitzen hinter Gitter, wegen kritischen Berichterstattungen. In unserem Land können Demonstrationen stattfinden, wenn wir Bürger nicht mit den Meinungen der Politiker einverstanden sind. Das ist in der Türkei derzeit nicht möglich. Herr Erdogan spaltet mit seinen Reden auch hier in Mannheim die bürgerliche Gesellschaft.

Freiheiten schätzen

Wir leben seit langer Zeit mit vielen Bürgern mit ausländischem Hintergrund friedlich zusammen, das sollte auch so bleiben. In dieser schwierigen politischen Zeit bitte ich die Bürger mit türkischen Wurzeln, die vielen Freiheiten auch zu schätzen, welche die deutsche Politik gewährt, im Gegensatz zu der derzeitigen Lage in der Türkei. Die Äußerungen in den letzten Tagen von türkischen Politikern ist für mich unerträglich. Ich fühle mich persönlich als deutscher Bürger beleidigt und finde die Reden sehr respektlos.

Meine Ehre - die auch wir Deutsche haben - wird mit "Füßen" getreten. Wir Bürger in Deutschland haben Familie, Kinder und Enkel, die diese Reden der türkischen Politiker auch hören und diese Tatsache beschämt mich. Wir können andere Meinungen haben und dennoch mit Respekt umgehen und die Ehre der Mitmenschen nicht angreifen. (Lilly Roth, Mannheim)

Es ist für mich verblüffend, dass es anscheinend auf der Welt immer, wenn es mit dem Staat Deutschland beziehungsweise mit deren Vertretern etwas zu diskutieren gibt, ein Nazivergleich als absolutes Argument herangezogen wird.

Es gibt für mich hier ein ganz probates Mittel, dem zu entgegnen: keinen Urlaub in Ländern, die uns immer noch als Nazis bezeichnen und aus unserer Geschichte seit 1945 nichts zur Kenntnis nehmen wollen oder gelernt haben. Keinen Urlaub dort.

Für den Euro gibt es genügend Urlaubsländer, die wir bereisen können und wo wir als Gäste willkommen sind. Ich bin weder Anhänger noch Wähler der CDU, aber wir dürfen nicht zulassen, dass unsere Volksvertreter verunglimpft werden. Weiter würde ich mich freuen, wenn die Tageszeitungen dem Thema Erdogan nicht so viel Raum einräumen würden und auch kein Bild von ihm mehr auf der Titelseite platzieren würden. (Herbert Knörzer, Mannheim)

Da steht ein Staatspräsident in Istanbul mit "Schaum vor dem Mund" vor ausgewählten Zuhörern und beschuldigt ausgerechnet einen Staat der Nazi-Methoden, von dem dieser Staatspräsident wirtschaftliche Hilfe erwartet. Wenn es nicht so ernst wäre, müsste man sich auf die Schenkel schlagen und einen Lachanfall bekommen.

Herr Erdogan reiht sich lückenlos in die Diktatoren ein, die diese Welt hat ertragen müssen. Wenn die Argumente fehlen, dann werden Drohungen und Verleumdungen hervorgeholt. Deutschland tut gut daran, auf Demokratiedefizite hinzuweisen. Wir sind das einzige Land in Europa, das erfahren musste, wie ein Massenmörder auf demokratischem Weg zur Macht kam. Wir haben in über 60 Jahren bewiesen, was Demokratie heißt und wie diese zu leben ist.

Alle deutschen Regierungen ab 1949 haben wesentlich daran mitgearbeitet, ein vereintes Europa zu schaffen, mit allen seinen Fehlern, aber in Frieden. Wir haben es nicht nötig, von einem dahergelaufenen Staatspräsidenten, in dessen Land die Freiheitsrechte mit den Stiefeln der Polizei getreten werden, Belehrungen über Demokratie zu erhalten. Den schreienden Befürwortern Erdogans in Deutschland sei gesagt, dass diese ihrem Idol wirkungsvoll, in dessen Land dienen können.

Bei uns hat jeder die Freiheit, in jedes Land seiner Wahl zu gehen, im Gegensatz zu Herrn Erdogan, wo nicht mehr alle das Land verlassen dürfen! (Günter Ruhm, Mannheim)

Erdogan ist jedes Mittel Recht, den bis zur Ausrufung des Ausnahmezustandes demokratisch verfassten türkischen Staat zum Schaden seiner Bürger zu entrechten. Sein fadenscheiniges Vorgehen, diese Allmacht samt Zusage zur Wiedereinführung der Todesstrafe durch ein Volksbegehren - als so vom Volke gewollt - legitimieren zu lassen, ist einfach infam. Ich bin mir sicher, dass ein großer Teil der türkischen Bürger überhaupt nicht versteht, worum es in Wahrheit geht. Zu groß ist die Erdogan'sche Desinformationskampagne, die er nun auch auf Deutschland ausweiten will.

Unanständige Pöbelei

Für mich geht es absolut in Ordnung, dass Kommunen und private Betreiber von Versammlungsmöglichkeiten keinen Bock darauf haben, sich von der Regierungsriege Erdogans für einseitige Wahlkampfpropaganda missbrauchen zu lassen. Erdogans Behauptungen sind weiterhin nur unanständige Pöbelei und schlechtes Benehmen. (Helga Rinecker, Mannheim)

Nach den Nazivorwürfen eines Präsidenten Erdogan kann ich nur allen Deutschen raten, die Türkei nicht mehr als Urlaubsland zu besuchen. Ich verwahre mich und die von mir gewählte Regierung davor, in die Nazi-Ecke gestellt zu sehen. Ich selbst bin mit einem Türken seit 50 Jahren zusammen und seit vierzig Jahren verheiratet (meine Schwester ist mit einem Inder verheiratet), also über jeden nazinahen Verdacht erhaben.

Ich bin gefühlte 100 Mal in der Türkei gewesen und habe mich dort immer sehr wohl gefühlt, aber unter diesen neuen Voraussetzungen werde ich das Land nicht mehr besuchen, solange es einen Präsidenten Erdogan gibt. (Monika Müller-Aydin, Mannheim)