Leserbrief

Zum Thema Faustschlag bei der AfD / Polizeibericht vom 2.10.

Nur Episode am Rand

Am 25. September wurde im Mannheimer Morgen eine Veranstaltung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) zum Thema "Einheitspolitik oder AfD" mit ihrem Bundesvorsitzenden, Prof. Jörg Meuthen als Referenten in der Lanz-Kapelle auf dem Lindenhof angekündigt. Die Veranstaltung fand auch wie angekündigt statt. Wer allerdings wie ich, als langjähriger Abonnent des MM, im Anschluss auch eine angemessene Berichterstattung über die Veranstaltung erwartete, suchte vergeblich.

Souveräne Reaktion

Erst am Freitag erfuhr man im Lokalteil in einer äußerst schrägen Präsentation des Polizeiberichts, dass da etwas stattgefunden hatte. Berichtet wurde natürlich nicht über den Inhalt und den Verlauf der ca. zweistündigen Veranstaltung; stattdessen setzte der MM eine unschöne Randepisode in Szene, die sich nach zehn Minuten erledigt hatte, vor allem auch durch die souveräne Reaktion des Referenten, Herrn Prof. Meuthen: Nämlich den Auftritt eines Krawallmachers aus der linksautonomen bzw. "Antifa"- Ecke, der mit erheblicher Lautstärke ununterbrochen "Nationalismus raus" grölte, nach Eingreifen des Ordnungsdienstes gewalttätig wurde und auch noch einen Teilnehmer aus dem Publikum attackierte, der anschließend ins Krankenhaus gebracht werden musste. Allem Anschein nach versucht der Mannheimer Morgen jetzt, die Berichterstattung über Inhalt und Verlauf des Vortrags und der anschließenden ausführlichen Diskussion unter den Teppich zu kehren, indem er mit der reißerischen Überschrift "Faustschlag bei der AfD", die AfD als Partei mit der Gewalttätigkeit in Verruf bringt, die allein der linke Krawallmacher zu verantworten hat.

Ich selbst bin bisher weder Mitglied noch Sympathisant der AfD, nahm aber an der Veranstaltung teil, weil ich mich dafür interessierte, wie diese Partei die Abspaltung einer Minderheit unter Führung ihres bisherigen Vorsitzenden verkraftet hat und welche Alternativen die AfD nach dieser Bereinigung zum allseits bekannten politisch-ideologischen Einheitsbrei der etablierten Parteien, der alltäglich auch den MM von vorn bis hinten füllt, insbesondere zum derzeit alles andere überlagernden Asyl- und Asylanten-Thema zu bieten hat. Offensichtlich interessierte das auch viele andere Bürger, denn die Lanz-Kapelle war an diesem Abend brechend voll; die Veranstaltung hatte über 120 Teilnehmer und mindestens weitere 30 Interessenten mussten wegen Überfüllung abgewiesen werden.

Wenn der Bundesvorsitzende einer Partei, die inzwischen in fünf deutschen Landesparlamenten mit insgesamt 41 Abgeordneten vertreten ist, in Mannheim einen Vortrag hält und damit für die AfD den baden-württembergischen Landtagswahlkampf 2016 eröffnet, muss man über das gesteigerte öffentliche Interesse einer solchen Veranstaltung nicht erst nachdenken.

Der große Besucherandrang bestätigte dies nochmals deutlich. Als langjähriger Abonnent des MM frage ich mich allerdings, was die Redaktion dieser Zeitung sich eigentlich einbildet, wenn sie meint, ihre Leser mit Ignoranz strafen und selbstherrlich entscheiden zu können, dass diese Veranstaltung die Mannheimer nichts angehe.

Ist das der "professionelle Journalismus" der sich durch "Objektivität" und "Überparteilichkeit" in der Berichterstattung auszeichnet, Attribute, die sich die MM- Redaktion jederzeit gerne ans Revers heftet