Ludwigshafen

Soziales Evangelische Suchtberatungsstelle Ludwigshafen feiert 60-jähriges Bestehen / Einst für das ganze Bundesland zuständig

Als "Ein-Mann-Betrieb" gestartet

Ludwigshafen."Kein Einziger soll verloren gehen, deshalb werden wir uns immer dafür einsetzen, dass Menschen in suchtbelasteten Situationen Hilfe bekommen." Besser hätte der Landespfarrer der Diakonie Rheinland Pfalz, Albrecht Bähr, die Situation anlässlich des 60-jährigen Jubiläums der evangelischen Suchtberatung nicht umschreiben können. "Es geht darum, Hilfe zu geben, damit das Leben wieder eigenständig regulierbar wird. Das war damals und das ist auch heute - 60 Jahren nach der Gründung der Suchtberatung - der Grund unserer Arbeit", sagte Bähr bei einer kleinen Feierstunde vor Mitarbeitern und Vertretern befreundeter Organisationen anlässlich des Jubiläums.

"Ganz klein begonnen"

Den Weg von der Trinkerfürsorge zur Fachstelle Sucht zeigte Annette Schilling, Fachreferentin der Suchtkrankenhilfe beim DiakonischenWerk Pfalz auf. "Wir haben 1957 ganz klein begonnen", berichtete sie. Als "Ein-Mann-Beratungsstelle" für ganz Rheinland Pfalz sei es gestartet. Von Hausbesuchen, Stigmatisierung, vom Zwang und Druck sich behandeln zu lassen bis zur stationären Einweisung berichtete sie. Ein langer Weg sei es zur Anerkennung als Krankheit 1968 gewesen. In den Anfangsjahren waren nur Männer betroffen, heute sind es gleichwohl Frauen und Jugendliche, die Hilfe benötigen. Die Arbeit habe sich verändert, hin zu einer Komm-Struktur auf freiwilliger Basis.

"Es gibt viele Optionen zur Abstinenz", so Schilling. Dazu gehörten auch die Gruppenarbeiten, die ab den 1980er Jahren aufgebaut wurden. Schuldnerberatung, ambulante Reha, Wohnangebote und Programme zu Glücksspielsucht seien dann über die Jahre hinzugekommen.

"Es gibt noch immer Vorurteile, Süchtige hätten sich eine Schuld aufgeladen", zeigte Sozialdezernent Wolfgang van Vliet (SPD) viel Respekt vor allen Helfern und auch den vielen ehrenamtlich Tätigen. "Wir als Stadt helfen bei der Koordination, doch das reicht eigentlich nicht aus", gab er zu. Die Finanzmittel seien viel zu gering. Daher seien Rufe nach Steuersenkungen in Verbindung mit Einnahmeüberschüssen von Bund und Land der falsche Weg, empörte er sich.

"Es ist nicht verständlich, dass wir immer noch in einer Zeit leben, in der die Finanzierung einer solch wichtigen Aufgabe nicht gesichert ist, meinte auch Diakoniepfarrer Albrecht Bähr. Sein Dank galt allen voran dem Team des Blauen Kreuz für die Unterstützung, das als Suchtberatungsstelle ebenfalls wertvolle Arbeit leiste.