Ludwigshafen

Verkehr VCD will sicheren Radverkehr als Alternative zum Auto stärken / Wahlprüfsteine für OB-Wahlkampf in Vorbereitung

Hoffnung ruht auf neuem Parkkonzept

Ludwigshafen.Eine Verbesserung der Parksituation in der Innenstadt, aber auch in den Stadtteilen Nord und Hemshof, erhofft sich der Verkehrsclub Deutschland (VCD) durch das neue Parkkonzept. Dieses hat die Stadt an ein Expertenbüro vergeben; Stichtag zur Vorstellung der Details ist der 1. September. Wahrscheinlich werden darin erstmals Carsharing-Parkplätze ausgewiesen, so Dieter Netter, der den VCD-Stammtisch organisiert.

Netter plädiert für eine Bewirtschaftung bisher kostenloser Stellplätze, um die angespannte Parksituation zu entschärfen. So könne man mittelfristig die Lebensqualität insgesamt verbessern, auch für die, die gar kein Auto haben. Das seien knapp die Hälfte der Haushalte in der Innenstadt, Nord und Hemshof.

Für eine Öffnung der Bismarckstraße für den Autoverkehr, wie von Teilen der CDU und Unternehmern gefordert, hat der VCD nur Spott übrig: "Das wird sicher genauso ein durchschlagender Erfolg wie die Öffnung der Ludwigstraße", scherzt Helmut van der Buchholz. Der Trend gehe doch europaweit in eine andere Richtung, nämlich den automobilen Verkehr aus den Innenstädten herauszubekommen - vielleicht von E-Fahrzeugen abgesehen. "Zeitgemäßer" sei doch zu schauen, wie man die Alternativen zum Auto stärken könne, so van der Buchholz. Ein Umsteigen auf den ÖPNV und kurze Strecken zu Fuß oder mit dem Rad müsse man attraktiver gestalten.

Machbar sei etwa eine Umwidmung der Maxstraße zur Fahrradstraße vom Rathauscenter bis zur Kaiser-Wilhelm-Straße. Ohne Ampel könne man dort nämlich "ziemlich durchradeln", so Netter. Denkbar sei dies auch für die Berliner Straße, auch wenn der Verkehr dort stärker sei.

Zu diesem Thema werde man Fragen an die OB-Kandidaten vorbereiten, kündigte VCD-Kreisverbandsvorsitzender Klaus Ulshöfer an. Weitere "Wahlprüfsteine" werden etwa die Kapazität des Berliner Platzes nach dem Abriss der Hochstraße Nord und die Ausweisung von Fahrradschnellstraßen sein.

In Arbeit ist zudem ein Zehn-Punkte-Programm zur Stärkung des Fahrradverkehrs nach Berliner Vorbild. Angeregt werden darin unter anderem "140 Kilometer sichere Fahrradstraßen auch für Kinder". Bis 2025 sollen jedes Jahr mindestens 20 Kilometer neue Fahrradstraßen ausgewiesen werden, um Lücken zu schließen und neue Verbindungen zu schaffen. Die Fahrradstraßen und das Netz seien so umzusetzen, dass besonders Einrichtungen für Kinder und Jugendliche wie Schulen und Sportplätze sicher und komfortabel erreichbar sind. Die Fahrradstraßen sollen mindestens fünf Meter breit sein und bei reduziertem Autoverkehr Vorfahrt haben.

Zudem sollen gefährliche Kreuzungen sicher gemacht werden. Diese seien innerorts die "Unfallquelle Nummer eins" für Radfahrer. Nach jedem schweren Unfall mit Radbeteiligung müsse geprüft werden, ob die Verkehrsführung zu den Ursachen zählt. Auch Wurzelschäden oder unzureichend abgesenkte Bordsteine müssten schnell und nachhaltig beseitigt werden, und an Bahnstationen sollen sichere Abstellmöglichkeiten mit angeschlossenen Fahrradstationen entstehen. Vorgeschlagen werden zudem "grüne Wellen fürs Fahrrad". hbg