Hack-Museumsgarten erfreut sich großer Beliebtheit (Mit Fotostrecke)

Gesellschaft Hack-Museumsgarten erfreut sich großer Beliebtheit / Neues Programm

Vielfalt der Kulturen blüht im Beet bunt auf

Ludwigshafen.Aus einer Jeans sprießt zartes Grün. Eine Blume streckt ihren Kopf aus einem Schuh. In einem Einkaufswagen wächst ein kleiner Strauch. Ilona Schäfer gießt mit einer Kanne ihr Hundertwasser-Beet, dessen Gestaltung an den Künstler erinnert. Hier wachsen Tulpen, Hornveilchen und Vergissmeinnicht. "Ich bin von Anfang an aktiv hier", sagt die Hobbygärtnerin. Von Anfang an ist seit gut fünf Jahren. So lange gibt es den Hack-Garten auf dem Hans-Klüber-Platz.

Ursprünglich als temporäres Projekt geplant, hat das Urban Gardening, das gemeinschaftliche Gärtnern auf städtischer Fläche, im Hack-Museumsgarten prächtige Blüten getrieben. Mittlerweile kümmern sich rund 200 aktive Gärtner wie Ilona Schäfer aus Edigheim um ihr ganz individuell erstelltes Beet. "Es ist eine tolle interkulturelle Plattform, auf der sich Menschen untereinander austauschen", erklärt Schäfer.

Gemeinschaft im Vordergrund

Vom thailändischen Spinat bis zum Apfelbaum werden sowohl Nutzpflanzen als auch Zierpflanzen von Privatpersonen und Institutionen angepflanzt. "Es geht hier nicht nur ums Gärtnern, sondern darum, dass Menschen aus verschiedenen Schichten und Kulturen einen Lebensraum gestalten", erklärt Museumsdirektor René Zechlin. Das ist bisher gut gelungen. Aus der "grauen Betonwüste" auf dem Hans-Klüber-Platz wurde ein grünes Fleckchen Vielfalt. "Im Vordergrund steht nicht das Ernten, sondern die Kreativität und die Gemeinschaft", sagt Kuratorin Theresia Kiefer. Und diese Gemeinschaft wird bei zahlreichen Festen und Veranstaltungen gepflegt. "In unserem Gartentreff, der einmal in der Woche stattfindet, geben wir uns Tipps, besprechen aber auch Probleme", erklärt Schäfer. So habe es Vandalismus gegeben. Jetzt wird der Garten abends mit einem Zahlenschloss gesichert, dessen Code nur die Gärtner kennen.

Ganz frisch dabei ist auch eine Ludwigshafener Studentin. Mit ihrer Freundin hat sie ein Beet übernommen. "Ich habe weder Garten noch Balkon, da kommt der Hack-Garten wie gerufen", sagt die 18-Jährige. Mit Botanik kenne sie sich bisher nicht aus, aber beim Gartentreff, zu dem an schönen Tagen bis zu 25 Leute kommen, habe sie schon viele Ratschläge und sogar ein kleines Pflänzchen zum Einstand bekommen. Am Hack-Garten gefällt ihr der fruchtbare Austausch und dass immer jemand vor Ort ist.

Auch Helga Michel schätzt ihre regelmäßigen Spaziergänge durch den Garten. "Ich wohne ganz in der Nähe und komme gerne hierher", erzählt sie. Gerne besucht sie auch die vielen Veranstaltungen.

Feste und Workshops

Und davon hat das Programm für die sechste Saison einige zu bieten. Neu ist beispielsweise der Heil- und Wildkräuter-Workshop von Najeha Abid von der Anstiftung (13. Mai, 14 bis 16 Uhr). Zum Backen im Steinofen lädt der Internationale Frauentreff am Freitag, 9. Juni, ab 16 Uhr, ein. Ebenfalls im Juni (17., ab 16 Uhr) findet ein litauischer Abend mit kulinarischen Köstlichkeiten, Kunst und Konzert statt. Beim Internatio-nalen Straßentheaterfestival (20. bis 23. Juli) verwandelt sich der Platz in eine große Spielwiese für Kinder. Einen kleinen Vorgeschmack auf die Ausstellung "Stimme des Lichts" Delaunay, Apollinaire und Orphismus im Museum liefert das hinduistische Lichterfest Diwali (19. Oktober). Für Kinder öffnet der Bauwagen der Stadtteilforscher zweimal wöchentlich seine Türen.

Die bereits mehr als 300 Veranstaltungen, die Entwicklung und Merkmale des Projektes hat das Museum jetzt in einem Buch mit vielen Bildern und Texten zusammengefasst. "Urban Gardening-Projekte gibt es viele, aber nicht unbedingt im Zusammenhang mit einem Museum", erklärt René Zechlin. "Das Museum wurzelt dadurch in der Gesellschaft." Die Nähe zum Museum gefällt auch Ilona Schäfer. "Unser Gartentreff hat viele Berührungspunkte mit dem Museum. Wir nehmen an Führungen teil und feiern unsere Weihnachtsfeier zusammen mit den Museumsangestellten."