Ludwigshafen

Friesenheim Ortsvorsteher Günther Henkel gibt Einblicke in die Vergangenheit des Stadtteils

Zeitreise durch Spatenstraße

Ludwigshafen.Vor langer Zeit, etwa 100 Jahren, fuhr man noch nicht in die Innenstadt oder ins Einkaufszentrum, sondern hatte die Geschäfte in der Nachbarschaft. So auch in Friesenheim. "In welches Spezereiengeschäft gehe ich heute?", wird sich wohl die eine oder andere Bürgersfrau gefragt haben, denn solche Läden gab es dort auffällig viele.

Günther Henkel führte im Rahmen des Programms "Ortsvorsteher zeigen ihren Stadtteil" eine Gruppe von 15 Interessierten durch die Spatenstraße im Ortskern - eine Straße, über die es viel zu berichten gibt. Vom Mini-Häuschen aus dem Jahre 1835, über Jugendstilbauten bis hin zum Nachkriegsstil (siehe Stadtteilbibliothek) findet sich hier alles. Bis ins Jahr 1892 war die Spatenstraße noch ein Ortsrandweg und hieß "Hinter den Gärten", während der Arno-Reinfrank-Weg, ein schmaler Pfad, der direkt zum Rathaus führt, früher einmal den Namen "Schulgässel" trug.

Henkel hatte zu fast jedem Haus in der Spatenstraße einen Blick in die Vergangenheit vorbereitet. Die Geschichte des Hauses mit der Nummer eins etwa ließ sich bis 1820 zurückverfolgen. Vor 200 Jahren, als Friesenheim noch ein Dorf war, lebte ein "Ackersmann" darin, später hatte der Krämer Franz Hoecker dort seinen Laden, Anfang des 20. Jahrhunderts eröffnete Ernst Regner eine Spenglerei - die Namen sind bis heute in Friesenheim vertreten.

Eine Kneipe pro 100 Einwohner

Alles fand man in der belebten Spatenstraße: Krämer, Schuhmachereien, Gipsergeschäfte, Kolonialwarenläden und vor allem Wirtschaften - wie das Lokal "Stadtteil Friesenheim", das von 1892 bis 1940 existierte. Andere Wirte hatten weniger Glück, in manchen Kneipen wechselten die Besitzer alle vier Monate. Noch heute erkennt man an zugemauerten Eingängen, wo sich Eckkneipen befanden. "Um 1900 gab es pro 100 Einwohner, ob Kind oder Erwachsenen, eine Wirtschaft. Das erklärt die vielen Wechsel", so der Ortsvorsteher.

Quellen für das Zeitgeschehen gibt es zuhauf. "Im Rathaus-Museum ist einiges zu finden, dort prüfen wir Unterlagen und Fotos. Man erfährt viel aus alten Zeitungen, da die Geschäfte Werbeanzeigen geschaltet hatten", sagte Henkel. "Einmal drückte mir eine ältere Dame ein Foto von einem ehemaligen Kolonialwarenladen in die Hand und erklärte, wem er gehörte." Über eine Berufsgruppe habe man besonders genaue Angaben gefunden: Hebammen. Zu jeder Tages- und Nachtzeit wurden sie gebraucht.