Porträt

Porträt Sören Runke ist Fanbeauftragter beim SVW und hält dem Verein seit 245 Spielen die Treue / Relegation für die Dritte Liga könnte Jubiläumspartie werden

Ein Leben für den SV Waldhof

Mannheim.Er ist einer derjenigen, die dem SV Waldhof stets treu geblieben sind - auch nach Insolvenz und Zwangsabstieg in die Oberliga. Nach dem zweiten Lizenzentzug war er einer, der trotzdem mit angepackt hat. Inzwischen legt Sören Runke seine Termine, Urlaube, Fußballreisen und Kurztrips so, dass er keine Sekunde von einem Waldhof-Spiel verpasst - ob im Carl-Benz-Stadion oder auswärts. Im vergangenen Sommer landete Sören Runke nach einer Spanien-Reise mit dem Flugzeug zeitlich gerade so, dass er es fast schon penibel genau zum Pokalspiel der Waldhöfer nach Obergimpern (5:0) geschafft hatte. Für den eingefleischten Fan wäre es eine Enttäuschung gewesen, wenn es eine Flugzeitverschiebung gegeben hätte. Es ist ein Leben für den Fußball.

In der Saison 1991/92 landete Sören Runke beim SV Waldhof, die Nähe zu einem Verein, der gerade erst Bundesligafußball geboten hatte, veranlasste ihn dazu, den Klub vor seiner Haustür zu unterstützen. "1994 kam das erste Auswärtsspiel dazu und die Intervalle der Spielbesuche wurden immer kürzer", erzählt der 36-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung.

In der Phase der Fusionsgedanken Anfang der 2000er Jahre wurde Sören Runke auch Gründungsmitglied von PRO Waldhof, in dieser Zeit trat er den Ultras Mannheim bei, wo er zwischenzeitlich mal für ein paar wenige Auftritte als "Capo" in Erscheinung trat. So stand er dann während der gesamten 90 Minuten mit dem Rücken zum Spielfeld und peitschte die Ultras per Megafon an. Nach dem zweiten Lizenzentzug 2010 bekam er dann eine neue Rolle zugewiesen. "Als sich PRO Waldhof neu aufgestellt hat, habe ich erfahren, dass ich beim DFB als Fanbeauftragter als zweiter Mann eingetragen wurde", berichtet er.

Immer Ansprechpartner

Aus dieser Ersatzspielerrolle wurde schnell ernst und nun befindet sich Runke bereits im siebten Jahr in dieser Funktion. Inzwischen ist er an Spieltagen Ansprechpartner für fast alle Fanbelange, ein Bindeglied und Puffer zwischen der sehr durchwachsenen Fanstruktur des SV Waldhof und dem gegnerischen Verein, dessen Sicherheitsdienst und Stadionordnungen. Besondere Ereignisse als Waldhof-Fan waren für ihn vor allem Auswärtsfahrten. "Das waren zu Zweitligazeiten die Derbys in Karlsruhe, aber auch das dortige Pokalspiel 1994/95, als man gegen die damaligen Eurofighter direkt in der ersten Minute in Führung ging und erst im Elfmeterschießen scheiterte", erinnert er sich.

Sören Runke erzählt: "In jüngster Vergangenheit waren es eher unbedeutende Spiele, wo hingegen das Drumherum gepasst hat, wie die Rückfahrt 2009/10 von Fortuna Düsseldorf II. Aber auch in der Saison 2008/09 das Auswärtsspiel bei Greuther Fürth II, als bei einer Anstoßzeit am Wochentag um 18 Uhr die Anzahl der Gästefans mehr als überschaubar war, sich dann aber dank der Akustik im fast komplett leeren Stadion eine sehr nette Stimmung entwickelte. Und für Runke ist auch das 4:0 in Offenbach nicht zu vergessen, das nach Jahren verlorener Derbys aller Art "einfach nur Balsam für die Seele war". Doch auch negative Erlebnisse prägten und prägen das Fan-Dasein: Unzählige Spiele, die entweder sportlich oder aus prestigeträchtigen Gründen wichtig waren und gefühlt alle in den Sand gesetzt wurden. Sören Runke wird konkreter: "Beispielhaft war das Stadtderby gegen den VfR im Frühjahr 2007 zum 100-jährigen Bestehen des SVW. Wir haben eine Riesen-Choreografie erstellt und am Ende stand eine 0:1-Niederlage." Da war auch "der darauffolgende 6:0-Erfolg im Herbst desselben Jahres nur eine kleine Wiedergutmachung".

Hoffnung auf Aufstieg

Die spannendste Frage bleibt allerdings nun, aus welchem Grund Sören Runke seine Serie, jedes Spiel des SV Waldhof zu sehen, irgendwann einmal reißen lassen muss. Doch daran möchte der SVW-Fanbeauftragte nicht denken. Er hat stattdessen die Aufstiegsspiele seines Vereins ins Auge gefasst. Die Hoffnung auf die Rückkehr in die Drittklassigkeit ist das Eine - aber mit dem Relegationshinspiel würde er selbst ein kleines Jubiläum feiern: Es wäre dann das 250. Ligaspiel in Folge des SV Waldhof, das er sehen würde.