Neckarstadt-West

Neckarstadt-West Quartiermanagement legt umfangreichen Katalog vor / Stadt schickt Konrad Hummel ins Problemviertel

Kinder, Jogger, Ruhesuchende - am Neckar haben alle Platz

Spielende Kinder, grillende Jugendliche, ruhebedürftige Senioren: Das Neckarvorland bietet genügend Raum, um vielen Erholungssuchenden und Interessengruppen am Fluss gerecht zu werden. Das meint das Quartiermanagement in der Neckarstadt-West und hat mit vielen Anliegern ein Konzept erarbeitet - auch, um ein erneutes Ausbreiten der Drogenszene dort zu verhindern. Was konkret im Sommer passieren wird, ist allerdings offen.

Zudem schickt die Stadt den ehemaligen Konversionsbeauftragen Konrad Hummel in das Problemviertel. Er soll Potenziale über die Aufwertung am Neckar hinaus ausloten. In einem ersten Schritt seien für die Neckarstadt-West im Zusammenhang mit dem Projekt zur "Lokalen Stadterneuerung" (siehe Info-Kasten) fünf Handlungsfelder definiert worden, heißt es auf "MM"-Anfrage aus dem Rathaus.

Mittelstraße ein Thema

Neben der Planung und Gestaltung des Neckarvorlandes soll ein Bündnis für Wohnen entstehen, die Struktur der Mittelstraße verändert sowie die Aufenthaltsqualität rund um den Neumarkt verbessert werden. Außerdem wird geprüft, inwieweit das Straßenbild rund um das neue Stadtarchiv "Marchivum" aufgewertet werden kann. Erste Umsetzungen werde es noch in diesem Jahr geben. Was genau geplant, und ob überhaupt Geld dafür vorhanden ist, wollte die Stadt nicht sagen.

Fest steht: Konrad Hummel arbeitet im Rahmen einer neu gebildeten Steuerungsgruppe unter der Leitung des OB-Dezernats und der Geschäftsführung der städtischen Entwicklungsgesellschaft MWSP zusammen mit den Leitern der städtischen Fachbereiche (Soziales, Baurecht, Sicherheit und Ordnung, Immobilienmanagement, Stadtplanung, Wirtschaftsförderung, Grünflächen und Umwelt). Partner sind darüber hinaus der Integrationsbeauftragte, die Geschäftsführung der Wohnungsbaugesellschaft GBG sowie das Quartiermanagement. Für drei Jahre stellt die MWSP 280 000 Euro zur Verfügung. "Angestoßene Projekte, Bürgerbeteiligungen oder aktuelle Veränderungen wie Umbauten sollen dabei zügig auf ihre Umsetzung oder Folgenabschätzung geprüft und entschieden werden", so eine Rathaus-Sprecherin. Zudem gehöre "der Aufbau eines zivilgesellschaftlichen Netzwerkes und die Gewinnung von neuen Partnern mit dem Ziel, die Neckarstadt-West als Quartier zu entwickeln und langfristig sozial zu stabilisieren" zum Auftrag. Dazu werde sich die Steuerungsgruppe ebenfalls mit dem Jungbusch beschäftigen. "Die Erfahrung der Konversionsentwicklung ist für die MWSP eine gute Grundlage, um Strategien für eine positive und nachhaltige Entwicklung der Neckarstadt-West zu erarbeiten", sagt MWSP-Geschäftsführer Achim Judt.

In Zonen unterteilt

Für die Neckarstadt-West begrüßt Maik Rügemer, Sprecher des Netzwerks Wohnumfeld im Quartiermanagement, die Initiative aus dem Rathaus: "Gut, dass endlich was passiert", sagt er und fordert: "Die Stadt muss dann aber Dinge auch umsetzten". Jahrelang sei dies nicht geschehen. Vieles, was nun auf der Agenda stehe, habe man schon vor langer Zeit mit Bewohnern erarbeitet.

Die Konzeption sieht vor, dass das Neckarvorland in Zonen unterteilt wird, um ein friedliches Miteinander zu gewährleisten und um ein erneutes Ausbreiten der Drogenszene zu verhindern. Neben einer Liegewiese sind Bereiche für Kinder, Sportler, Ruhe-Suchende und Hundehalter geplant. Das umstrittene Grillen könnte dann nur noch an der Jungbuschbrücke stattfinden. Auch Musikkonzerte, Kochkurse und Ausstellungen wären dort möglich.

Die Angebotspalette umfasst zahlreiche Aktivitäten (Sport, Lesungen, Theater, Spiel) aber auch Verbesserungen der Infrastruktur - wie eine mobile Bar, mehr Bäume oder einen Schotterweg am Ufer. Vor allem wichtig, so Maik Rügemer, sei eine gescheite Beleuchtung in den Abendstunden und zusätzliche Bänke. Darauf hätten sowohl Jugendliche als auch Senioren immer wieder hingewiesen. Ein Fußballturnier mit Jugendlichen aus dem Stadtteil und der Polizei ist bereits geplant. Von den Bürgern errechneter Finanzbedarf für die Umsetzung all dieser Vorschläge: mindestens 40 000 Euro.

Maik Rügemer hofft, dass dies die Drogenszene, die, so sagt er, nach wie vor da sei und sich sogar in den Stadtteil ausgebreitet habe, vertreibe. Klar sei aber auch: "Ohne Budget können wir hier gar nichts machen".

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