"MM"-Kantine (Mit Fotostrecke und Video)

Gesprächsrunde Mehr als 200 Gäste bekommen in der "MM"-Kantine Tipps für eine gute Beziehung

"Reden, Zuhören und Kompromisse schließen"

Mannheim.Die Frau will Blumen, möchte es ihrem Mann aber nicht sagen müssen. Wenn es dann keine Blumen gibt, ist sie enttäuscht - und er verwundert. Woher sollte er wissen, dass sie sich einen Blumenstrauß wünscht? "Das nenne ich: den ,ewigen Valentinstag'", sagt der Kabarettist und Autor Florian Schroeder, der ein Beispiel für Missverständnisse gibt, die in einer Partnerschaft auftauchen können. Die mehr als 200 Gäste in der Kantine des "Mannheimer Morgen" lachen, der ein oder andere fühlt sich ertappt. "Wie geht Beziehung?" Das war die Frage, die die Chefredakteurin von "Psychologie Heute", Ursula Nuber, zusammen mit der Psychologin Stefanie Stahl und Florian Schroeder diskutiert hat. "MM"-Projektredakteur Stephan Eisner führte durch die etwa zweistündige Veranstaltung, die vom "MM" und dem Weinheimer Beltz-Verlag organisiert wurde.

Bedürfnisse klar formulieren

Die Lösung aller Probleme lautet: Kommunikation. In diesem Punkt sind sich die Experten einig: "Es ist wichtig, dass man seine Bedürfnisse klar formulieren kann, sich auf den Partner einlässt und zuhört", sagt Stahl. Ein Aspekt, bei dem die Meinungen auf dem Podium auseinandergehen, ist das Leben in einer Beziehung. "Wenn man sich etwas fremd bleibt, bleibt man für den Partner interessant", sagt Nuber. Schroeder findet: "Ich muss die Unterschiede akzeptieren. Will sie in den Bergen Urlaub machen, dann gehe ich eben mit meinen Freunden an den Strand. Es muss nicht immer alles passen." Einen anderen Ansatz vertritt Stahl: "Die Verliebtheit geht irgendwann vorbei, und dann bleibt Freundschaft - das ist das Fundament einer gut funktionierenden Beziehung." Aber auch äußere Einflüsse würden enorm zu den zwischenmenschlichen Problemen beitragen.

Beziehungen hätten sich in den vergangenen Jahren drastisch verändert. Früher seien die Paare eher zusammen geblieben, heute sei Trennung normal. Besonders die Emanzipation der Frau wurde bei der Veranstaltung häufig als Grund genannt. Durch die vielen Möglichkeiten der Partnerwahl steige dabei aber auch die Erwartungshaltung ins Unermessliche. "Der Partner soll perfekt aussehen, erfolgreich sein, aber auch Kinder wollen. Das sind so viele Dinge auf einmal. Eigentlich verlangt man den perfekten Mann oder die perfekte Frau", sagt Schroeder. Früher habe es ausgereicht, einen stabilen Rahmen zu haben. "Da stand die Liebe nicht so sehr im Vordergrund, sondern ein gemeinsamer Besitz und Kinder", erklärt Nuber. Obwohl die Scheidungsrate in den vergangenen Jahren gestiegen sei, heiße das aber noch lange nicht, dass die Menschen früher bindungsfähiger - oder die Menschen heute bindungsunfähiger seien, weiß Stahl. Wichtig sei, sich bewusst zu machen, "wie wir gestrickt sind". Also: Welche Erfahrungen wurden im Elternhaus gemacht? Wie war die Beziehung zur Mutter? Sind die Eltern geschieden? "All das trägt dazu bei, wie wir uns in unserer Beziehung verhalten. Man kann es aber nur wissen, wenn man sich damit auseinandersetzt", sagt Nuber. "Wenn zum Beispiel die Mutter überfürsorglich war, will der Mann bei der Partnerin jetzt mehr Freiraum," erklärt sie weiter. Die Eltern-Kind-Beziehung trage zur späteren Beziehung unserer Partner bei.

Hinzu kommt, dass wir enorm hohe Erwartungen an uns selbst stellten und jeder einzelne Angst habe, zu versagen. Schroeder kennt dafür eine Lösung: "Niemand ist perfekt - wir müssen den Menschen finden, dessen Macken zu unseren passen." Außerdem sei es wichtig, die Situation aus einer anderen Perspektive zu sehen. "Wenn ich immer der Meinung bin, dass ich zu kurz komme, dann wird sich an meiner Situation auch nichts ändern", sagt Stahl. Sie vergleicht es mit einem Besuch im vierdimensionalen Kinosaal: "Tatsächlich fühlt sich alles so an, als würde man das erleben, was der Film auf der Leinwand zeigt. Betrachtet man es aber von außen, sitzt man einfach nur in einem sicheren Kinositz."

Hohe Ansprüche senken

Gegen Ende der Veranstaltung macht Nuber klar, dass eine gute Beziehung nichts ist, was man einfach so geschenkt bekommt. "Wir müssen Kompromisse schließen und uns vielleicht auch nicht so ernst nehmen. Humor ist ein wichtiger Aspekt in einer Partnerschaft." Auch Schroeder appelliert an die Menschen, die eine einfache Anleitung wollen: "Die Ansprüche zu senken, die wir sowieso nicht einhalten können, ist mein Rat."

Diese Anregungen nimmt Yvonne Wagner mit nach Hause. "Außerdem lohnt es sich, immer an sich und an der Beziehung zu arbeiten. Das ist mir heute bewusstgeworden", sagt die Leserin. Wolfgang Serr ist ohne Erwartungen in die "MM"-Kantine gekommen und findet: "Es war sehr kurzweilig, und ich habe mich oft wiedererkannt und weiß jetzt, wie ich mit manchen Situationen besser umgehen kann."

Auch noch bei Getränken und Brezeln im Foyer des "MM"-Verlagsgebäudes wurde bis in die späten Abendstunden weiter diskutiert. Das bestätigt die These von Nuber: "Wir wären eigentlich alle gerne Beziehungsexperten - aber niemand weiß so richtig, wie es geht."

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