Nach Gespräch am Montagabend

Stadt begrüßt Erklärung der Söhne Mannheims

Mannheim.Nach dem gestrigen Gespräch mit den Söhnen Mannheims begrüßt die Stadt die Erklärung der Band zu ihrem kritisierten Lied "Marionetten". Diese verdeutliche, dass "die Söhne der Inanspruchnahme durch demokratiefeindliche Rechtspopulisten widersprechen und sich zum Grundgesetz und zur Mannheimer Erklärung bekennen", teilte die Stadt mit.  Die Gespächsatmosphäre sei offen, intensiv und von großer Ernsthaftigkeit geprägt gewesen. 

Die Söhne Mannheims veröffentlichten am Dienstag eine Stellungnahme auf ihrer Homepage: "Seit jeher verstehen sich die Söhne Mannheims als multikulturelles Ensemble der 'Einheit in Vielfalt', in der auch in der Gruppe Meinungsvielfalt gelebt wird", teilte die Band mit. Dialog und Toleranz seien ihr Leitmotiv. "Nach wie vor teilen wir das gemeinsame Grundverständnis für eine offene, freiheitliche, liberale und demokratische Gesellschaft auf Basis unseres Grundgesetzes. Das ist uns wichtig und dafür lohnt es sich einzustehen. Jegliche Aufrufe zu Gewalt lehnen wir ab." Die Band sei traurig über die entstandenen Irritationen: "Wir verurteilen insbesondere die Vereinnahmung unserer Musik durch Feinde der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit und bekräftigen die Freiheit der Kunst und Meinungsäußerung."  

Mit "Marionetten" (für den Liedtext hier klicken) sei nach Angaben der Stadt ein Song veröffentlicht worden, dessen Inhalt in den Medien wie in dem gesamten politischen Spektrum inklusive der Rechtsextremen nahezu einheitlich bewertet und verstanden wurde, hieß es in einer Pressemitteilung. Das Lied werde "in Anspruch genommen von Bewegungen wie den Reichsbürgern, die die Existenz unseres Staates verneinen oder solchen, die sich gegen die Werte des Grundgesetzes stellen". Die Stadt Mannheim stehe gegen solche Bewegungen, darauf verweise die Mannheimer Erklärung. Mehr als 200 Institutionen in der Quadratestadt würden diese Erklärung tragen, die auf die Grenzen der Toleranz verweise, wenn sich "einzelne Gruppen, Institutionen und Strukturen in ihrer Handlung und ihrem Handeln gegen die Werte unseres Grundgesetzes richten". Das gestrige Gespräch sei ein Beleg, dass die Söhne Mannheims diese Überzeugung teilen.  

Die Stadt hatte die Söhne nach der Veröffentlichung des aktuellen Albums zu einer Erklärung aufgefordert. Diese Aufforderung sei notwendig gewesen, da die Band mit der Stadt Mannheim verbunden wird, das Album mit dem "hochkontroversen Texten 'MannHeim' heißt und nicht zuletzt vielfältige Verbindungen zwischen Stadt und Band bestanden". Hier sei gemeinsam viel erreicht worden, als Beispiel nennt die Stadt die Ansiedlung der Popakademie im Jungbusch. Auf mögliche Konsequenzen für die Zusammenarbeit der Söhne mit der Stadt ging die Erklärung nicht ein.   

Das Gespräch am Montagabend hatte dreieinhalb Stunden gedauert - erst um 23 Uhr verließ Oberbürgermeister Kurz das Rathaus, ohne weitere Details zu dem Treffen zu nennen und verwies auf eine Erklärung, die am Dienstag veröffentlicht werden sollte.

Textzeilen aus dem  Lied „Marionetten“ auf dem neuen Söhne Album "MannHeim" hatten zuvor bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Der Band - vor allem Sänger Xavier Naidoo - wurden rechtspopulistische Ansichten unterstellt. Mehrere Politiker verschiedener Parteien kritisierten die Liedzeilen der Mannheimer Gruppe. Satiriker Jan Böhmermann veröffentlichte ein Video in der ZDF-Sendung "Neo Magazin Royale" mit dem Titel „Hurensöhne Mannheims“. Die Stadt Mannheim hatte verlauten lassen, dass Konsequenzen folgen werden, falls die Söhne ihren Songtext nicht konkret einordnen und verlangten eine Stellungnahme der Band. Im Verlauf des Konflikts hatte die Band dem Oberbürgermeister ein Gespräch angeboten. Jedoch erst einen Tag nach dem Tourauftakt der Söhne im Capitol. 

Frontsänger Xavier Naidoo äußerte sich am Dienstagmorgen auf seiner Facebookseite zu den Vorwürfen.  Er betonte, dass die Musikgruppe "jeglicher Instrumentalisierung der Musik und Texte durch entsprechende politische Gruppierungen" widerspreche . Bei dem Lied „Marionetten“ handele es sich um eine "zugespitzte Zustandsbeschreibung gesellschaftlicher Strömungen, also um die Beobachtung bestimmter Stimmungen, Auffassungen und Entwicklungen, dies im Rahmen einer künstlerischen Auseinandersetzung bewusst überzeichnet." Weiter schreibt der Künstler: "Das mag missverständlich gewesen sein". (Mehr dazu hier) (onja/dls/dk) 

 

 

 

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