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Parteien Martin Schulz und die SPD haben sich in einen Rausch gesteigert / Noch spart die Union mit Merkel-Kritik

Angst bei der CDU/CSU

Berlin.Martin Schulz ist nicht zu fassen: Nichts hatten die politischen Gegner von der Union mehr gehofft, als dass die neue Lichtgestalt der SPD sich mit ihrer Kür zum Parteivorsitzenden und Kanzlerkandidaten endlich inhaltlich aus der Deckung wagt. Denn dann hätten sie beginnen können, eine Forderung nach der anderen zu zerpflücken. Doch Martin Schulz tut ihnen den Gefallen nicht, bleibt weiter so vage, dass er auf der Sachebene kaum Angriffsflächen bietet.

Auf der Ebene der Gefühle hat ihm die Union derzeit ohnehin nichts entgegenzusetzen. Bei CDU und CSU sind sich viele längst nicht mehr sicher, ob die demonstrative Gelassenheit, die Kanzlerin Angela Merkel zur Schau trägt, nun souverän und staatsmännisch wirkt - oder nicht doch einfach nur amtsmüde. Nichts fürchten sie in der Union mehr als das Phänomen Wechselstimmung, das auch Regenten aus dem Amt fegen kann, die fast alles richtig gemacht haben. Und sehen mit Entsetzen, wie Schulz und die SPD sich in einen wahren Rausch gesteigert haben.

In der Union dagegen ist das Murren über die Kanzlerin, fast ausschließlich geht es um ihre zeitweilige Flüchtlingspolitik, allenfalls unterdrückt. Mit Blick auf die Wahl hält zwar sogar die CSU still, doch der alte Groll schwelt weiter. Begeisterung geht anders. Wie, das zeigt Martin Schulz. Ihm laufen die Menschen in Scharen zu, weil er weniger auf ihren Verstand, sondern vielmehr auf ihr Gefühl zielt. Kämpferisch und hochemotional spricht er unermüdlich von dem Mehr an Gerechtigkeit, Würde und Respekt, das die kleinen, hart arbeitenden Leute verdient hätten. Was Schulz fordert, das wünschen sich alle Menschen - doch wie er es in konkrete Politik gießen will, erklärt er allenfalls vage.

Doch irgendwann, dass wissen sie auch bei den Sozialdemokraten, wird der Wähler wissen wollen, welche Positionen Schulz am Ende wirklich vertritt. Im Moment aber hat das Verharren im Nebulösen für die SPD den Charme, dass sie ihren neu entdeckten Willen zur Machtübernahme nicht gleich wieder in lästigen Sachfragen zerreden muss. Und die Union schlichtweg keine Ahnung hat, wo sie den unerwartet gefährlichen Herausforderer treffen kann. Weil sie immer noch nicht weiß, wofür er steht.

Jetzt, da Schulz als Parteichef mit in der Regierungsverantwortung steht, hätten sie ihn packen wollen. Denn im Koalitionsausschuss müsse er zu strittigen Fragen Farbe bekennen, heißt es bei erfahrenen Strategen der Union. Doch den Gefallen tut ihnen Schulz keineswegs und hat den Koalitionsgipfel am 29. März schon abgesagt. Vizekanzler Sigmar Gabriel und Fraktionschef Thomas Oppermann sollen ihn vertreten. Er selbst feiert lieber mit der SPD im Bundestag ein Fest. Die Botschaft ist klar: Aus der lästigen Regierungsarbeit hält er sich heraus, mit der großen Koalition hat er nichts zu tun. Da können sie ihn bei der Union noch so sehr der Drückebergerei zeihen.

Ratlosigkeit wächst

Mit dem Ärger darüber, dass Herausforderer Schulz den Fallstricken der politischen Realität ein ums andere Mal geschickt ausweicht, wächst im konservativen Lager die Ratlosigkeit. Wie nur umgehen mit einem Gegner, der inhaltlich wenig verspricht, was er auch halten muss? Den Schulz-Zug erst einmal fahren lassen und hoffen, dass ihm der bisher so reichlich vorhandene Treibstoff Begeisterung bald ausgeht? Auf diese Strategie setzen bislang Angela Merkel und ihr Wahlkampfmanager Peter Tauber. Doch die Kritik am Stillhalten wächst. In der Union kursiert derzeit ein Spruch, der an ein Motto der Friedensbewegung erinnert: ,,Stell Dir vor, es ist Wahlkampf, und keiner geht hin." Die Konservativen fürchten: Je länger ihre kühl wirkende Kanzlerin bei dieser Devise bleibt, desto größer wird die Gefahr, dass sie gegen den heißblütigen Herausforderer am Ende ein Debakel erlebt.

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