Politik

Assanges Pyrrhussieg

Thomas Spang glaubt nicht, dass das eingestellte Verfahren gegen Wikileaks-Gründer Julian Assange diesem Vorteile bringt

Ein "totaler Sieg" sieht anders aus. Wäre es so, wie Julian Assanges Anwalt behauptet, könnte der Wikileaks-Gründer unbesorgt aus seinem selbstgewählten Exil in London spazieren. Tatsächlich muss Assange befürchten, auf der Stelle festgenommen zu werden. Vieles spricht dafür, dass in der amerikanischen Botschaft in London bereits ein geheimes Rechtshilfegesuch vorliegt.

US-Justizminister Jeff Sessions erklärte die Strafverfolgung Assanges unter dem Spionagegesetz erst kürzlich zu einer Priorität der Regierung. Auch die Vergewaltigungsvorwürfe in Schweden sind damit in der Sache nicht endgültig vom Tisch. Aus rein pragmatischen Gründen besteht bloß kein europäischer Haftbefehl mehr gegen Assange.

In Wirklichkeit gestaltet sich die Lage für den Wikileaks-Gründer schwieriger denn je. Wächst nun doch der Druck auf seine Gastgeber in der Botschaft von Ecuador, den langjährigen Mitbewohner an die frische Luft zu setzen. Damit befindet sich Assange umgekehrt noch längst nicht in den Fängen der Amerikaner. Ein Auslieferungsverfahren vor britischen Gerichten kann sich über Jahre hinziehen.

Und der Ausgang ist keineswegs gewiss. Denn die Vorwürfe in den USA sind eher politischer Natur. Was auch immer Assange nun zu tun gedenkt, wird von Ungewissheit begleitet. Das war für ihn in seinem sonnenlosen Asyl bisher einfacher. Er hat viele Gründe, zu versuchen, seine Herberge für ein paar Monate zu verlängern. Die schwedische Entscheidung entpuppt sich so als Pyrrhussieg.

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