Politik

Deutschlandreise Staatsoberhaupt Frank-Walter Steinmeier weitet übliche Antrittsbesuche aus / Erste Station in Bayern

Präsident auf Werbetour für Demokratie

Berlin.Zur guten Tradition gehört, dass das neue Staatsoberhaupt allen Bundesländern seine Aufwartung macht. Doch Frank-Walter Steinmeier reicht das nicht: Aus den Höflichkeitsbesuchen will der vor fünf Wochen gestartete Bundespräsident eine "Deutschlandreise" machen. Steinmeier plant, ein Jahr lang durch die Republik zu touren und Orte der Demokratie zu besuchen.

Es könnte mitunter eine heikle Mission werden. Die Planungen laufen bereits auf Hochtouren. Erste Etappe wird in der kommenden Woche Bayern sein. Warum ausgerechnet der Freistaat? Bayern habe frühzeitig auf eine Visite des Bundespräsidenten gedrängt, hieß es gestern aus dem Präsidialamt. Zwei Tage wird Steinmeier mit Ehefrau Elke Büdenbender im Seehofer-Land verbringen, es wird Gespräche mit Schülern und Studenten zum Thema Demokratie geben. Auch steht der Besuch der Gedenkstätte für die NS-Widerstandskämpfer der Weißen Rose sowie von Herrenchiemsee auf dem Programm, wo 1948 der Verfassungskonvent zur Vorbereitung des Grundgesetzes stattfand.

"First Lady" mit dabei

In seiner ersten Rede als Bundespräsident hatte Steinmeier die Demokratie schon zu seinem Thema gemacht. Sie sei weder selbstverständlich noch habe sie eine Ewigkeitsgarantie, meinte er im März im Bundestag. Aus seinem Umfeld verlautete, nun wolle er auch dorthin, wo Demokratie sichtbar und erlebbar sei. Steinmeier will sich die persönlichen Geschichten der Menschen anhören, die sich engagieren. Dazu gehören neben dem Besuch von historisch bedeutsamen Orten wie der Frankfurter Paulskirche auch Begegnungen mit Studentenparlamenten, Vereinen oder Gemeinderäten. So weit wie möglich will auch die "First Lady" teilnehmen. Nach Bayern steht als nächstes Bundesland Niedersachsen auf dem Programm. Dort sind unter anderem ein Treffen mit Vertretern eines Bündnisses zur Integration von Flüchtlingen geplant sowie der Besuch der Universität Göttingen. Weiter geht es nach Hessen (12. und 13. Juni), Brandenburg (22. und 23. Juni), Baden-Württemberg (3. und 4. Juli) sowie Thüringen (18. und 19. Juli).

Dass die Reise nicht nur angenehm werden wird, dessen ist man sich im Bundespräsidialamt durchaus bewusst. Zum einen, weil es bei manchen Bürgern so etwas wie Demokratieverdruss zu geben scheint. Zum anderen, weil auch der Bundespräsident zuletzt nicht überall freundlich empfangen worden ist. So war Steinmeiers Vorgänger Joachim Gauck im März vergangenen Jahres in Bautzen angepöbelt und als "Volksverräter" beschimpft worden.