Kohlbacher-Transfer

Handball HSG-Trainer Kai Wandschneider missfällt Kohlbacher-Präsentation des Meisters - Jennifer Kettemann reagiert schlagfertig

Löwen kontern Kritik aus Wetzlar

Archivartikel

Mannheim.Kai Wandschneider ist ein besonnener Mensch. Ein bescheidener und intelligenter Mann, dem man gerne zuhört, weil der Trainer der HSG Wetzlar mehr als das Übliche zu sagen hat und sich nicht nur über Handball Gedanken macht. Deshalb - und auch wegen seiner herausragenden Arbeit beim mittelhessischen Bundesligisten - wird er so geschätzt.

Wandschneider ist kein Lautsprecher, aber wenn ihm etwas nicht gefällt, wenn ihn bestimmte Entwicklungen stören, dann sagt es der 57-Jährige auch. Nun hat der Trainer die Rhein-Neckar Löwen für ihr Vorgehen beim Transfer des Wetzlarer Handball-Nationalspielers Jannik Kohlbacher kritisiert.

"Wie dieser Wechsel abgelaufen ist, gefällt mir nicht. Jannik hat sich korrekt verhalten. Aber ich finde es nicht gut von den Löwen, einen Spieler eineinhalb Jahre vorher bereits in ihrem Trikot zu präsentieren. Das ist schlechter Stil. Da verhalten sich Kiel oder Berlin professioneller", sagte Wandschneider der "Oberhessischen Zeitung" und meinte damit das Foto, das die Badener bei der Bekanntgabe des Wechsels im Februar veröffentlichen. Auf diesem Bild ist Kohlbacher mit Löwen-Geschäftsführerin Jennifer Kettemann zu sehen. Zusammen halten sie Kohlbachers Trikot mit der Nummer 80 in ihren Händen.

Die Managerin des deutschen Meisters wollte die verbale Attacke Wandschneiders auf Anfrage dieser Zeitung nicht weiter kommentieren. konnte sich eine kleine Spitze aber nicht verkneifen: "Wenn wir ein Problem mit einem anderen Bundesligisten haben, klären wir das schnell und direkt über das Telefon - und nicht über die Medien. Andere Vereine gehen da professioneller vor als Kai Wandschneider in diesem Fall. Eigentlich pflegen wir mit der HSG über Björn Seipp (Geschäftsführer: Anmerkung der Redaktion) ein gutes Arbeitsverhältnis."

Wandschneider gefallen vor allem die immer früher vollzogenen Wechsel nicht. So unterschrieb der jetzige Wetzlarer Kohlbacher schon einen Vertrag beim deutschen Meister, dem er sich erst im Juli 2018 anschließt. Allerdings kennen auch die Badener die andere Seite dieses Geschäftsgebarens: Löwen-Star Hendrik Pekeler gab schon jetzt seinen Wechsel zum THW Kiel bekannt. Den Kreisläufer zieht es in eineinhalb Jahren zurück zum deutschen Rekordmeister, der seit langer Zeit so auf dem Transfermarkt agiert: Im Februar und November 2015 gaben die Norddeutschen bekannt, dass Nikola Bilyk und Andreas Wolff 2017 zum THW wechseln, beide Spieler kamen dann ein Jahr früher. Ebenfalls eineinhalb Jahre vorher gaben die Löwen die Verpflichtung von Steffen Fäth bekannt, der 2018 kommt. Das mag man gut oder schlecht finden - die Regularien lassen dieses Agieren auf dem Transfermarkt zu, was Wandschneider - durchaus nachvollziehbar - stört: "Insgesamt ist schon ein Verfall der Sitten im Handball erkennbar. Im Fußball dürfen Spieler, die einen Vertrag haben, nur innerhalb bestimmter Fristen angesprochen werden. Über so etwas sollte auch die Handball-Bundesliga nachdenken."

Dass im Fußball allerdings auch nicht immer alles glatt läuft, ist spätestens seit dem Fall Anthony Ujah bekannt. Mit dem 1. FC Köln kämpfte der Angreifer im Mai 2015 noch um den Klassenerhalt, als er bei Werder Bremen unterschrieb und sogleich für ein Fotoshooting bei seinem neuen Verein parat stand. "100 Prozent Werder" stand da auf einer grün-weißen Bande - davor posierte der Noch-Kölner Ujah.