Handball-Bundesliga

Handball Löwen schließen vorzeitige Transfers von Jannik Kohlbacher, Steffen Fäth und Hendrik Pekeler aus / Samstag gegen Coburg

Nur puzzeln, nicht pokern

Mannheim.Vom ultimativen Duell um die Schale spricht noch niemand bei den Rhein-Neckar Löwen. Zumindest nicht offiziell. Dabei deutet viel, eigentlich sogar alles darauf hin, dass am 28. Mai vielleicht eine Vorentscheidung um die deutsche Handball-Meisterschaft fallen wird. Dann tritt der Spitzenreiter aus Nordbaden beim Tabellenzweiten SG Flensburg-Handewitt an, beide Mannschaften sind momentan nur durch einen Punkt voneinander getrennt. Angesichts der lösbaren Aufgaben für die zwei Teams in den nächsten Wochen ist es wahrscheinlich, dass sich an dieser Konstellation bis zum Gipfeltreffen nichts mehr ändert. Sollten die Löwen dann auch noch an der Förde triumphieren, könnten sie sich drei Tage später im nächsten Topspiel gegen den THW Kiel sogar eine Niederlage erlauben und wären immer noch Erster. Keine Frage: Plötzlich und unerwartet sind die Aussichten verlockend.

Berlin verlangt zu viel Ablöse

"Man konnte nicht davon ausgehen, dass wir auch in dieser Saison wieder ganz oben mitspielen. Wenn man die wirtschaftlichen Voraussetzungen vom THW Kiel oder von Flensburg mit unseren finanziellen Möglichkeiten vergleicht, besteht da ein Unterschied", sagt Geschäftsführerin Jennifer Kettemann vor dem Heimspiel am Samstag (19 Uhr) gegen Schlusslicht HSC Coburg.

In der Tat war es nicht unbedingt zu erwarten, dass die Löwen auch 2017 wieder bis zum Schluss um die begehrte Trophäe kämpfen. Denn beim Titelverteidiger sind praktisch sieben, acht Feldspieler im Dauereinsatz, weil es seltener als erhofft Entlastung von der Ersatzbank gibt. Das ist anstrengend - und war in der vergangenen Saison ein bisschen anders. Kettemann: "Wir haben leider nicht die Breite im Kader wie die zwei Clubs aus dem Norden." Das galt schon immer für die Quantität, seit längerer Zeit aber auch mit Blick auf die Qualität. Das Formtief einiger Spieler macht den Löwen zu schaffen. "Trotzdem haben wir aber wieder die Chance, Meister zu werden", sagt die Geschäftsführerin: "Das ist bemerkenswert - und darauf können wir stolz sein."

Ob das allerdings in der kommenden Saison erneut so kommen wird, ist eine spannende Frage. Das wissen auch die Löwen, die ihre Kaderplanung abgeschlossen haben. Kein Spieler wird den Verein mehr verlassen und kein Neuzugang mehr vorgestellt. Steffen Fäth und Jannik Kohlbacher kommen also tatsächlich erst 2018 zu den Badenern und Hendrik Pekeler wird auch erst nach der nächsten Runde zum THW Kiel gehen. Kurzum: In einem Jahr wechseln alle Spieler ablösefrei, aus dem Personalpuzzle wird jetzt kein Pokerspiel. "Mal abgesehen davon, dass uns kein Angebot des THW Kiel vorliegt, werden wir Hendrik ohnehin nicht vorzeitig abgeben", stellt Kettemann klar: "Das ist auch so zwischen unserem Trainer Nikolaj Jacobsen, unserem Sportlichen Leiter Oliver Roggisch, Hendrik Pekeler und mir besprochen - und daran gibt es auch nichts zu rütteln."

Über einen vorzeitigen Transfer von Fäth habe man "intern diskutiert", wie die Geschäftsführerin verrät: "Es ging darum, ob wir Filip Taleski früher holen oder Steffen Fäth. Wir hätten es Steffen gerne ermöglicht, schon ab Sommer 2017 für uns zu spielen. Aber im Endeffekt war es wirtschaftlich nicht möglich, Steffen vorzeitig aus seinem Vertrag in Berlin herauszukaufen." Bei Taleski habe sich diese Chance jedoch ergeben: "Wir haben ihn deswegen schon im Winter von Metalurg Skopje geholt, damit er ein halbes Jahr Zeit hat, sich an alles zu gewöhnen. Denn nach dem Abschied von Kim Ekdahl du Rietz im Sommer werden wir ihn brauchen."

Übergangslösung Rnic

Das Karriereende des konstant überragend spielenden Schweden trifft die Löwen zweifelsohne hart. "In sportlicher Hinsicht ist sein Verlust dramatisch", sagt Kettemann: "Er fehlt uns in der Abwehr, im Angriff - aber auch als Persönlichkeit. Die nächste Saison könnte schwierig für uns werden, aber trotzdem sollte es unser Anspruch sein, dauerhaft in der Champions League vertreten zu sein."

Mads Mensah Larsen, Taleski und Neuzugang Momir Rnic (MT Melsungen) sollen den eigentlich nicht zu kompensierenden Verlust von Ekdahl du Rietz auffangen, die Spielzeit 2017/18 könnte aber auch zu einer Übergangssaison werden. Denn die Löwen planen nur ein Jahr mit Rnic, der Serbe ist der Platzhalter für Fäth.

Offen ist derzeit noch, wie 2018 die Zukunft von Kreisläufer Rafael Baena aussieht. Der Spanier ist ebenso wie Neuzugang Kohlbacher kein Mann für das Deckungszentrum, doch nach Pekelers Abschied brauchen die Löwen einen Mann für die Defensivzentrale. Es könnte also eng für Baena werden. "Wir sind zufrieden mit seinen Leistungen. Aber was ihn angeht, steht eine Entscheidung noch aus", sagt Ketteman: "Wir suchen für 2018 auf jeden Fall noch jemanden, der im Mittelblock decken kann. Mehr steht aber noch nicht fest."