Das ist mein Laden um die Ecke (18)

Das ist mein Laden um die Ecke (18) Schreinerei Keller in Sandhofen / 1992 die Montagefirma Kirchner übernommen / "Tierische" Reklamationsabteilung

Im Familienbetrieb packt jeder mit an

Archivartikel

"Holz arbeitet" - diese Weisheit gilt auch im Büro der Schreinerei Keller im Viernheimer Weg in Sandhofen. Melanie Keller empfängt die Besucher hier ganz besonders freundlich und lässt sie an einem Tisch aus sehr alter, massiver Eiche Platz nehmen. Dieser weist einige für diese Holzart charakteristischen Risse auf.

Melanie Keller, geprüfte Betriebswirtin des Handwerks, serviert den Kaffee: "Für den Tisch, den mein Vater gemacht hat, haben wir viel Geld geboten bekommen. Aber er gibt ihn nicht her. Der gehört einfach hierher." 1992, also vor genau 25 Jahren, hat Helmut Keller die Montagefirma Arnold Kirchner übernommen, in der er schon viele Jahre zuvor angestellt war, und sich selbstständig gemacht. Der Vorbesitzer hatte aus Altersgründen aufgehört. Da gab es nur zwei Möglichkeiten: entweder als Selbstständiger in die Firma einzusteigen oder sich eine andere Arbeitsstelle zu suchen. Keller entschied sich für die Selbstständigkeit.

"Das war damals gar nicht so einfach in Sandhofen als Nichteinheimischer", weiß Melanie. Der Vater stammt aus der Gartenstadt, also gar nicht so weit weg. "Wir könnten noch viel mehr schaffen, wenn wir noch mehr geeignetes Fachpersonal hätten", so die Juniorchefin. Aber daran hapere es ein wenig. Der Beruf des Schreiners habe heute nicht mehr den besten Ruf. Damals hieß es "Handwerk hat goldenen Boden". Heute dagegen sei es schwierig, gut geeignete Bewerber zu finden. "Wer Interesse hat, kann sich bei uns bewerben", so Keller. "Wir sind ein Familienbetrieb. Da muss jeder mithelfen, wenn Not am Mann ist." Das hat sich bis heute nicht geändert.

1996 zog die Firma mit Büro und Werkstatt auf das Gelände der Firma Diehl im Viernheimer Weg, wo sie auch heute noch beheimatet ist. Im Jahre 2002 wurde das Büros durch einen Wintergarten erweitert, in dem der schon erwähnte uralte Eichentisch steht. Im vergangenen Jahr habe es einige personelle Veränderungen gegeben. Ein Familienunternehmen schmerze dies besonders, da die Mitarbeiter in aller Regel sehr lange bleiben. Immer wieder wurden die Werkstätten und Hallen vergrößert. Eine moderne CNC-Fräsmaschine wurde 2008 angeschafft. 2016 bestand der Geselle Tobias Herbel, der bei Kellers seine Ausbildung absolviert hat, seine Meisterprüfung. Gerade bringt er mit einem Gabelstapler schwere Spanplatten unters Dach, weil es zu regnen beginnt. "Es gibt wohl kaum einen Beruf, der mehr in Maschinen verliebt ist, wie den Schreiner", erzählt Keller lachend.

Für fast alles rund um das Thema Innenausbau und Holz findet der Betrieb eine Lösung. Ganz individuelle Lösungen für den Kunden sind eine Spezialität. Sollte dabei letztlich doch einmal etwas schief gehen, fehlt nur noch der kleine Hinweis auf die Reklamationsabteilung der Firma: Die wird von Hund Henry geleitet. Aber wirklich gefährlich schaut der nicht drein.