Schriesheim

Schriesheim Schlagabtausch zwischen den örtlichen Verfechtern unterschiedlicher Energiepolitik

Gegenwind contra Ökostromer

Die einen wollen Ökostrom, die anderen den Ausbau von Windkraft verhindern: In Sachen Energieversorgung an der Bergstraße könnten die Positionen der "Schriesheimer Ökostromer" und des Vereins "Gegenwind" unterschiedlicher kaum sein. Derzeit liefern sich die beiden einen heftigen öffentlichen Schlagabtausch, der in der Weinstadt für reichlich Gesprächsstoff sorgt.

Auslöser der aktuellen Diskussion ist ein Artikel der Schriesheimer Ökostromer im Amtlichen Mitteilungsblatt der Stadt. Er beschäftigte sich mit den energiepolitischen Forderungen im kürzlich verabschiedeten Wahlprogramm der "Alternative für Deutschland" (AfD).

"Ökostrom ist Strom minderer Qualität" und "Strom aus Kernkraftwerken ist mit 4 Ct/kWh der preiswerteste Strom überhaupt", schreibt Andreas Geisenheimer im Namen der "Freunde der AfD in Schriesheim" in einem Beitrag für das Amtliche Mitteilungsblatt der Stadt - Positionen, die den Ökostromern die Zornesröte ins Gesicht treiben.

"Das Problem dabei ist, dass in der Stromrechnung für die Verbraucher nur die Ökostrom-Umlage drin steht, die Förderung der konventionellen Energie aber nicht", entgegnet Stadtrat Wolfgang Fremgen, der Sprecher der Ökostromer: "Diese Kosten sind auf der Stromrechnung nicht enthalten, sondern werden von der Gesellschaft zum Beispiel über Steuern bezahlt."

"Es kann einem schlecht werden"

"Wenn man rechtspopulistische Positionen zum Thema Klimaschutz und Energiewende liest, kann einem vor lauter Fake-Argumenten und offensichtlicher Lobbypolitik zu Gunsten der Öl- und Kohleindustrie nur schlecht werden", schreibt Fremgen und setzt hinzu: "Und als ideologische Brüder und Schwestern sammeln sich auch in unserer Region Gegner der Energiewende, die unter dem Deckmantel der Wahrung des Naturschutzes gegen die sauberen Energien kämpfen."

Dies wiederum bringt die Bürgerinitiative Gegenwind auf die Barrikade, die gerade eben erst in der jüngsten Sitzung des Schriesheimer Gemeinderates - mit den Stimmen der Grünen Liste - ins Vereinsregister der Stadt aufgenommen wurde.

"Erwähnt man den kommerziellen Charakter des Geschäftsmodells Ökostrom, reagieren die Betreiber sofort mit Beleidigung und Denunziation", empört sich Sabine Schönfelder von Gegenwind e. V. in ihrer Erwiderung unter dem Titel "Wenn der Ökopopulist zum Verschwörungstheoretiker wird".

"Die Moralpächter der Ökostromer sind die einzig Guten, dann müssen Kritiker und Andersdenkende schlecht sein", schreibt Schönfelder: "Ergo hat der Kritiker sicher dubiose Verbindungen zu Trump, dem Brexit und der AfD." - Fortsetzung des Streits bis zur Bundestagswahl nicht ausgeschlossen. -tin