Vermischtes

Dortmund-Anschlag Verdächtiger Sergej W. hat angeblich auf Aktiengewinne spekuliert

BVB-Bombenattentäter handelt aus Geldgier

Berlin.Hinter dem Sprengstoffanschlag auf die Mannschaft des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund steckt nach Erkenntnissen der Ermittler mutmaßlich ein Aktienspekulant, der Kursverläufe beeinflussen wollte. Die Polizei nahm am Morgen im Raum Tübingen einen Deutsch-Russen fest, der auf einen durch die Tat ausgelösten Kursverlust der BVB-Papiere gesetzt haben soll, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Der Mann wollte sich an dem durch das Bomben-Attentat beeinflussten Aktienkursverlauf bereichern.

Im Ulmer Lazarettregiment gedient

Der Verdächtige war seit Mitte 2016 als Elektriker in einem Tübinger Heizwerk tätig - einem Tochterunternehmen des Mannheimer Energieversorgers MVV. Zuvor soll der heute 28-Jährige einem "Spiegel"-Bericht zufolge Soldat gewesen sein: Sergej W. leistete von April bis Dezember 2008 seinen Grundwehrdienst beim Lazarettregiment in Dornstadt bei Ulm ab. Während seiner dreimonatigen Grundausbildung wurde er auch - wie üblich - im Umgang mit Waffen geschult.

Der Sprecherin der Bundesanwaltschaft Frauke Köhler zufolge behalte die Ermittlungsbehörde das Thema mögliche Mittäter und Gehilfen im Auge, wenngleich es dafür zunächst noch keinerlei Anhaltspunkte gab.

Erkenntnissen der Ermittler zufolge habe der Täter aus Geldgier gehandelt: Mit so genannten Put-Optionen spekulierte er auf hohe Gewinne (siehe Infobox).

Die "Bild"-Zeitung hatte kurz nach Bekanntwerden des Falls berichtet, dass Comdirect-Mitarbeiter gegenüber der Polizei einen Anfangsverdacht auf Geldwäsche geäußert hätten. Banken sind verpflichtet, verdächtige Geschäfte zu melden. Offiziell äußerte sich Comdirect nicht dazu.

Der Kauf von drei Derivaten wurde den Angaben zufolge über einen Online-Anschluss des Mannschaftshotels abgewickelt, in dem der Tatverdächtige bereits am 9. April zwei Tage vor der Tat ein Zimmer im Dachgeschoss bezogen habe - mit Blick auf den späteren Anschlagsort.

Art des Sprengstoffs wird geprüft

Herkunft und Art des beim Anschlag verwendeten Sprengstoffs sind nach den Angaben der Bundesanwaltschaft noch nicht ermittelt. Da bei der Explosion der gesamte Sprengstoff umgesetzt worden sei, müssten die Kriminaltechniker Bodenproben untersuchen, so Köhler.

Am Dienstag vergangener Woche hatten vor dem Champions-League-Spiel der Dortmunder gegen den AS Monaco drei Sprengsätze nahe dem Hotel gezündet. Die Ermittler hatten unterschiedliche Bekennerschreiben untersucht. Sie hatten zunächst versucht, Schlüsse aus drei gleichlautenden Bekennerschreiben zu ziehen, in denen ein radikal-islamistisches Motiv für den Anschlag behauptet wird.

Die Schreiben waren am Tatort gefunden worden. Nach Prüfung hatte die Bundesanwaltschaft an einem radikal-islamistischen Hintergrund erhebliche Zweifel.

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