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Sicherheit In den französischen Partnerstädten und -gemeinden der Metropolregion werden am Sonntag alle Einsatzkräfte mobilisiert

"Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen"

Montpellier/Toulon/Brignais/Ormesson-sur-Marne. "In den größeren Städten sind alle irgendwie in Alarmbereitschaft." Virginie B., die ihren echten Namen nicht in den Medien lesen möchte, klingt beunruhigt. Kein Monat vergehe mehr ohne einen Anschlag in Europa, es könne jederzeit jeden treffen, klagt die 47-Jährige, die in einem großen Büro in Heidelbergs Partnerstadt Montpellier arbeitet. Neulich sei sie am Wochenende auf einem Flohmarkt unterwegs gewesen. "Und auf einmal habe ich mich gefragt: Was, wenn jetzt hier ein Attentat geschieht?" Die Französin macht eine Pause. Doch dann scheint sie sich innerlich einen Ruck zu geben, lacht kurz und sagt: "Aber das Leben geht weiter. Wir dürfen uns nicht einschüchtern lassen."

Besonderer Schutz am Wahltag

Kurz vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahl scheint die Nervosität in Frankreich zu steigen - vor allem wegen der jüngsten Attacke auf eine Gruppe Polizisten auf der Pariser Prachtstraße Champs-Élysées. Dieses Attentat sei angesichts des besonderen Ortes sowie des Zeitpunkts "nur wenige Stunden vor der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen, die für unsere Demokratie so bedeutend sind, besonders abstoßend", sagte Hubert Falco, Bürgermeister in Mannheims Partnerstadt Toulon, auf Anfrage dieser Zeitung. Um eine sichere Abstimmung zu gewährleisten, würden Wahllokale und ihre Umgebung besonders geschützt.

Kevin Mazoyer, Büroleiter des Polizeipräfekten des Departement Var mit Sitz in Toulon, bestätigt: "Die Sicherheitsvorkehrungen werden am Sonntag noch einmal erhöht." Ein großes Aufgebot aus Polizei, Gendarmerie und Militär solle dafür sorgen, dass sich die Menschen am Wahltag sicher fühlten. Auch Kathy Bannico, Sprecherin des Polizeipräfekten des Departement Hérault in Montpellier, beruhigt: "Alle unsere Sicherheitskräfte sind am Sonntag mobilisiert."

Ob die Franzosen dennoch Angst vor möglichen Anschlägen am Wahltag haben - darüber gehen die Ansichten auseinander. Kurz vor dem Pariser Attentat sagte beispielsweise Philippe Blain, Verwaltungschef in der Hirschberger Partnergemeinde Brignais: "Es herrscht Angst, zu wählen." Jean-Maurice Gardey, Generalsekretär des Partnerschaftskomitees Ormesson-Brühl, widersprach dem allerdings: "Nein, so wie ich das sehe, gibt es keine Angst, die Stimme abzugeben." Allerdings herrsche angesichts der Wahlen eine große Ungewissheit. "Die vier Hauptkandidaten liegen nahe beieinander, alles ist sehr eng, man weiß nicht, was herauskommt. 30 Prozent der Wähler sind ja noch unentschlossen." Der Franzose ist sich sicher, dass die Kandidatin des rechtspopulistischen Front National, Marine Le Pen, bei aller Diskussion um die Sicherheitslage nicht gewinnen wird. "Ich halte es allenfalls für möglich, dass sie den Einzug in die Stichwahl schafft."

Direkte Auswirkungen

Das kann sich auch Virginie B. aus Montpellier gut vorstellen. Sie geht davon aus, dass das jüngste Attentat direkte Auswirkungen auf den ersten Wahlgang morgen haben wird. "Es gibt noch so viele unentschlossene Wähler. Ich denke schon, dass der Anschlag vom Donnerstagabend das Lager des Front National stärken wird."