Zeitzeichen

Suche nach Wahrheit

Heike Kiefner-Jesatko erzählt vom Reformator

Die Energie ist es, die mich an Martin Luther fasziniert. Sie treibt ihn voran, oft ist er gejagt von der Angst vor dem strafenden Gott, der ihn seit Kindertagen verfolgt, nicht einmal das Mönchsein schafft ihm Erleichterung, aber die Energie, das innere Brennen nach der Wahrheit schleudert ihn durch die Jahre. Beim Lesen des Paulusbriefes an die Römer entdeckt er den liebenden Gott und findet für sich Erlösung und seinen Weg zum wahren Glauben. Die Wahrheit, die suchende Energie, sie sind bei ihm untrennbar miteinander verbunden.

Die Musik war Luther lebenswichtig und das Singen sowieso. Er schrieb viele Kirchenlieder, die uns bis heute begleiten (unter anderem "Ein feste Burg ist unser Gott", " Vom Himmel hoch", "Aus tiefer Not schrei ich zu dir"), und für mich als Kirchenmusikerin ist es spannend zu sehen, dass Komponisten wie zum Beispiel Johann Sebastian Bach diese aufgreifen, in ihre Werke einbauen und die reformatorische Botschaft Luthers so über die Jahrhunderte weitertragen. Bach war sowieso ein Lutherverehrer, wie dieser tiefgläubig und durch seine musikalische Energie in der Lage, wie dieser die christliche Botschaft so zu übermitteln, dass sie uns/mich bis heute tief bewegt.

Außerdem ist es auch Luthers Mut, Dinge zu sagen, die nicht konform und oft unbequem sind, der mich beeindruckt. Das sind Qualitäten, die heute nicht mehr gewünscht sind. In den Zeiten der Konformität, des Gehetztseins, der Mutlosigkeit und des Ausgebranntseins tut uns Luther mit seiner Energie, seinem Mut und seiner lebenslangen Suche nach Wahrheit gut.

Heike Kiefner-Jesatko lehrt an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg Musik und leitet die Konkordienkantorei Mannheim.