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Leserreise ins klassische Griechenland

Von unserm Mitarbeiter Edgar Kramm

Fein säuberlich liegen sie am Boden der Akropolis aufgereiht: Imposante Marmorblöcke fürdie Restaurierung der antiken Monumente. Zwischen den zum Teil stark verwitterten und beschädigten Originalen liegen unverkennbar brandneue Teile, frisch aus der Werkstatt. Es sind Kopien von noch vorhandenen, aber ausgelagerten Originalen, versichert unsere griechische Reiseführerin, die auf hochmodischen Lackstiefelchen über die antiken Trümmer der Akropolis balanciert. Sie ist eine äußerst gepflegte und elegante Erscheinung, lebte einige Zeit in Deutschland und wird uns im Verlauf dieser Reise jeden Tag mit einem neuen eleganten Outfit überraschen um uns charmant und fachkundig die historischen Stätten ihrer Heimat zu präsentieren.
Die Akropolis ist trotz Beeinträchtigung durch die Bauarbeiten der ideale Start für unsere Reise in das „klassische Griechenland“. Denn von antiker Zeit an bis zum heutigen Tag ist die Akropolis der Touristenmagnet schlechthin und ist seit jeher von Besuchern belagert.

Mit dem Ausspruch: „Eulen nach Athen tragen“ waren ursprünglich die griechischen Münzen gemeint, die auf einer Seite das Abbild einer Eule trugen. Tatsächlich hatte Athen nach der Zerstörung der Akropolis durch die Perser den notwendigen Wiederaufbau mit Hilfe der Kasse das attischen Seebundes der griechischen Stadtstaaten finanziert. Unsere Interpretation des Spruches, wonach man die Weisheit (Eule) nicht nach Athen zu tragen brauchte, wo sie zu hause war, ist nicht überliefert. Sie passt jedoch viel mehr zu unserem Bild und unserer Erwartung an diese Reise.
Auch wir tragen also Eulen nach Athen und nehmen dafür beeindruckende Bilder mit nach Hause. Über die Straße von Korinth geht es nach Mykene, wo Heinrich Schliemann die goldene Totenmaske des Agamemnon ausgrub und bewundern das weltberühmte Löwentor. In Epidaurus erleben wir die „heilende Aura“ des Heilgottes Asklepius. Im Museum berichten Zeitzeugen in Form von Weihgeschenken von den wundersamen Heilungen, die Pilger während ihres Aufenthalts in diesem Kulturzentrum erfahren durften. Sie kamen aus allen Teilen der antiken Welt und spendeten für die Linderung ihrer Leiden. Von diesen Spenden wurde auch eines der besterhaltenen Theater Griechenlands finanziert.Die Akustik in diesem Theater ist weltberühmt. Da eine Mitglied unserer Gruppe gerade Geburtstag hat stellen wir uns im Auditorium auf und stimmen „Happy Birthday“ an. Der Sound ist wirklich gewaltig. Man hat den Eindruck mit Hilfe von Mikrofonen und Verstärkeranlage gesungen zu haben.

Delphi und die Phythischen Spiele
Die berühmteste Stätte des klassischen Griechenlands ist zweifellos Delphi. Die beeindruckenden Ruinen dieser Stätte schmiegen sich an die Hänge des Parnass in einer unvergleichlich schönen Umgebung. Tausend Jahre war das Heiligtum Anlaufstelle für Ratsuchende. Könige und einfache Bürger kamen zum „Nabel der Welt“ um die Pythia um ein Orakel zu bitten.
Vom Tempel des Apoll sind noch einige Säulen und die massiven Fundamente vorhanden. Hier saß die „Pythia“ in Rauch umhüllt, der von „Kat“ (Chatinon) stammte. Ein natürliches Rauschmittel, über das im Augenblick gerade in einer weltweiten Diskussion stattfindet, da es in Form einer Kaudroge einen weltweiten Siegeszug hält. Über England, wo „Kat“ nicht verboten ist, findet der Vertrieb statt. In London existieren mittlerweile Hunderte von sogenannten Kat-Stuben.
Damals wie heute versetzt „Kat“ die Menschen in einen Rauschzustand. In Delphi stammelte die Pythia unverständliche Worte, die von der Priesterschaft gedeutet wurden. Eine beliebte Frage der einfachen Menschen war: „Wird es ein Junge oder ein Mädchen?“. Die Antwort des Orakels: „Ein Junge nicht ein Mädchen“. Das Komma musste der Fragende selbst setzen.Überliefert ist die Antwort auf die Frage der Athener, wie sie der Kriegsgefahr begegnen können. „Hölzerne Mauern retten Athen“ war die Antwort. Die Athener interpretierten dies mit der Aufforderung zum Bau einer starken Flotte, die letztlich auch den Sieg über die Perser ermöglichte.
Die Athener spendeten als Weihgabe ein Schatzhaus, das restauriert heute wieder das Heiligtum schmückt. Auch einen Säulengang hat man wieder aufgestellt. Im angeschlossenen Museum sind einige der gefundenen Exponate zu bewundern und vermitteln eine Ahnung von der Pracht die von den Schatzhäusern mit ihren unzähligen Weihgaben einmal ausging. Griechische Statuen (keine römischen Kopien, wie in vielen Museen der Welt stehen) finden wir hier. Allen voran der lebensgroße bronzene Wagenlenker, die Auriga.
Oberhalb des Heiligtums liegt ein noch relativ unzerstörtes Theater, in dem 5000 Zuschauer die Phytischen Spiele verfolgen konnten. Neben den Olympischen Spielen waren sie die wichtigsten hellenistischen Spiele. Anfangs ein Musikwettstreit wurden die Spiele um den Kampfsport zu Ehren des Apollon erweitert. Später kamen weiter Sportarten hinzu. Wagenrennen fanden im Stadion statt, das von den Römern oberhalb der Anlage errichtet wurde. Der Aufstieg dorthin lohnt sich. Das Stadion ist noch in relativ gutem Zustand und von hier oben bietet sich ein unvergesslicher Panoramablick über das Theater, die Reste des Heiligtums bis zum tiefblauen Wasser der Bucht von Itea.

Olymp, Dion und Alexander der Große
Nur wenige Kilometer vom Meer entfernt ragt der „Sitz der Götter“ und „Thron des Zeus“ in der Ebene auf. Mit dem Bus fahren wir hoch bis zum Ende der Fahrstraße. Aber der Gipfel ist noch weit entfern und (wie meistens um diese Jahreszeit) von Nebel umhüllt. Das passt zu dem mythologischen Spuren, die wir in Dion, dem Eingangstor und alten Hauptstadt Makedoniens vorfinden.
In der heiligen Stadt Dion wurde den olympischen Göttern und vor allem Zeus besondere Verehrung entgegengebracht. Neben den Fundamenten des „Tempels für den olympischen Zeus“ verläuft die Hauptstraße, die über eine beachtliche Strecke noch im Original vorhanden ist. Von hier aus startete Alexander der Große seinen legendären Eroberungsfeldzug.Ein Weihrelief, heute als Kopie einer römischen Kopie des makedonischen Originals an der Straße angebracht, ist ein beliebtes Fotomotiv. Wurde Alexander doch sogar zu Lebzeiten und auch nach seinem Tode als ein Sohn des Zeus betrachtet.
Der eigentliche Höhepunkt unseres Dion-Besuchs ist der erst kürzlich entdeckte Zeustempel im Flussbett des Vafyras. Er wirft ein neues Licht auf den Zeuskult in Makedonien und gilt als archäologische Sensation. Der Fluss, der durch Hochwasser erst kürzlich das antike Dion verwüstete sollte ausgebaut werden und gab dabei den „Tempel des allerhöchsten Zeus“ frei. Die in diesem Tempel dokumentierte Erhebung des Zeus über alle griechischen Götter ist eine Entwicklung hin zum Monotheismus. Und Alexander, der sich schon zu Lebzeiten als Sohn des Zeus auftrat verbreitete diese Lehre auf seinen Eroberungszügen bis nach Indien. Die vielen von ihm gegründeten Tempel auf seiner Reise gen Osten sind allesamt Kopien des jetzt in Dion gefundenen Zeustempel. Auch die Römer übernahmen diesen Zeuskult.

Meteora-Klöster und Thessaloniki
Wir machen einen Sprung in die byzantische Zeit um 14000. Die Fahrt ins Herz des Landes durch das Tempi-Tal nach Larissa und weiter nach Kalambaka ist ein weiterer Höhepunkt der Reise, der vom Anblick der Meteora-Klöster gekrönt wird. Noch in Sichtweite des Olymp erheben sich diese außergewöhnlichsten Bauten Griechenlands, die „schwebenden Klöster“. Früher nur mit Strickleitern zu erklimmen, wurden sie mittlerweile dem Tourismus bequem zugänglich gemacht. Großartige Kunstschätze erwarten uns im Inneren und eine unglaubliche Aussicht von dort auf die gigantischen Felsen und die wie als Vogelnester darauf sitzenden Klöster.
Die letzte Station unsrer Reise ist Thessaloniki. Auch sie hatte ihre Blütezeit in byzantinischer Zeit und konnte sich sogar Aufgrund seiner strategischen Lage mit Konstantinopel messen. Heute ist sie die zweitgrößte Stadt Athens und bietet eine Vielzahl an Sehenswürdigkeiten aus der griechischen Geschichte, einschließlich der 400-jährigen Türkenherrschaft.

Thessaloniki bildet auch den perfekten Abschluss unserer Leserreise in das klassische Griechenland, dem unsere Kultur so viel zu verdanken hat. Wie überhaupt ein solch kreatives Staatswesen entstehen konnte, erklärt uns unsere unverändert elegante und gepflegte Reiseführerin mit den Worten des griechischen Heimatdichters Kazantzakis (Alexis Sorbas):„Es ist das Licht. Lieblich – voll von orientalischer Sehnsucht und voller Geist hilft es demMenschen klar zu sehen und Ordnung in das Chaos zu bringen“.

Klicken Sie auf ein Bild, um die Großansicht zu erhalten.

Fotos: Edgar Kramm

19. Mai 2009

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