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Krankenkassen: Ermittlungsgruppe deckt Tricksereien auf

Betrugs-Detektive fahnden im Gesundheitswesen

Archiv-Artikel vom Samstag, den 14.07.2012

Frankfurt. Manche Betrüger sind einfach zu doof, um durchzukommen: Wer ein Abrechnungsformular fälscht und dabei zehn Rechtschreibfehler in den Vordruck schmuggelt, darf sich nicht wundern, wenn die Krankenkasse nicht darauf reinfällt. Aber nicht immer sind die Abzock-Versuche so leicht zu durchschauen. Daher gibt es bei allen Krankenkassen Betrugs-Detektive. Manche sind sogar ehemalige Polizisten wie Frank Keller (52), der Leiter der "Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen" bei der Techniker-Krankenkasse.

Nach 17 Jahren beim Grenzschutz und sieben Jahren als Ausbilder von Sicherheitsfachleuten wechselte der Lüneburger 1999 ins Gesundheitswesen. Er baute eine "Ermittlungsgruppe Abrechnungsmanipulation" auf, die heute 18 Leute beschäftigt - vom Juristen über den Datenbank-Analysten bis zu Fachleuten für die einzelnen Bereiche im Gesundheitswesen. Einmal im Monat trifft er sich mit seinen Kollegen von anderen Kassen, um gemeinsam aktuelle Fälle durchzusprechen. "Wer betrügt, der betrügt ja nicht nur eine Kasse", erklärt Keller.

Ein Zahnarzt kauft billigen Zahnersatz in China und stellt den teueren in Rechnung; eine Hebamme schreibt eine nächtliche Beratung auf, die es nicht gab; eine Klinik berechnet Röntgen als ambulante Leistung, obwohl es in der Fall-Pauschale bereits enthalten ist; Drogensüchtige fälschen Rezepte. Manchmal geht das jahrelang gut - wie bei einem Heilpraktiker aus Bayern, der 20 Jahre abrechnete als wäre er ein Allgemeinarzt.

Entdeckt werden Tricksereien zum Beispiel, weil jemand einen Verdacht meldet. "Wir bekommen etwa vier Meldungen am Tag", sagt Keller, "1700 Fälle haben wir in der laufenden Bearbeitung". Die Tipps kommen aus ganz unterschiedlichen Ecken. Meist sind es Versicherte, "aber das kann auch die entlassene Zahnarzthelferin sein oder die betrogene Zahnarztgattin."

"Die sterben doch eh"

Kellers größter Fall kam durch Selbstanzeige ans Licht: Ein Pharmagroßhändler aus Dänemark verkaufte geschmuggelte und in Deutschland nicht zugelassene Krebsmedikamente an deutsche Apotheken. Normalpreis 2000 Euro pro Einmaldosis Chemotherapie, Einkaufspreis in Asien ein paar hundert Euro. Die Apotheken kauften nicht nur billig ein und bekamen von den Kassen den vollen Preis erstattet, sie spielten auch mit dem Leben der Patienten. Keller und seine Kollegen zeigten 80 Apotheken an. Eine der Reaktionen: "Die sterben doch eh."

"Meine Erfahrung sagt mir, dass in jedem Leistungsgebiet betrogen wird", glaubt Keller, der von sich selbst sagt, er sei "im 53. Ausbildungsjahr". Zahlen will er dennoch nicht nennen: "Es gibt keine verlässlichen Zahlen im Gesundheitswesen." dpa

© Südhessen Morgen, Samstag, 14.07.2012
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