DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR

 

Samstag, 29.11.2014

Suchformular
 
 

Lieber Leser, bitte aktivieren sie Cookies, um in den vollen Genuss unseres Angebotes zu kommen.

  • Drucken
  • Senden

Krankenkassen: Ermittlungsgruppe deckt Tricksereien auf

Betrugs-Detektive fahnden im Gesundheitswesen

Frankfurt. Manche Betrüger sind einfach zu doof, um durchzukommen: Wer ein Abrechnungsformular fälscht und dabei zehn Rechtschreibfehler in den Vordruck schmuggelt, darf sich nicht wundern, wenn die Krankenkasse nicht darauf reinfällt. Aber nicht immer sind die Abzock-Versuche so leicht zu durchschauen. Daher gibt es bei allen Krankenkassen Betrugs-Detektive. Manche sind sogar ehemalige Polizisten wie Frank Keller (52), der Leiter der "Stelle zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen" bei der Techniker-Krankenkasse.

Nach 17 Jahren beim Grenzschutz und sieben Jahren als Ausbilder von Sicherheitsfachleuten wechselte der Lüneburger 1999 ins Gesundheitswesen. Er baute eine "Ermittlungsgruppe Abrechnungsmanipulation" auf, die heute 18 Leute beschäftigt - vom Juristen über den Datenbank-Analysten bis zu Fachleuten für die einzelnen Bereiche im Gesundheitswesen. Einmal im Monat trifft er sich mit seinen Kollegen von anderen Kassen, um gemeinsam aktuelle Fälle durchzusprechen. "Wer betrügt, der betrügt ja nicht nur eine Kasse", erklärt Keller.

Ein Zahnarzt kauft billigen Zahnersatz in China und stellt den teueren in Rechnung; eine Hebamme schreibt eine nächtliche Beratung auf, die es nicht gab; eine Klinik berechnet Röntgen als ambulante Leistung, obwohl es in der Fall-Pauschale bereits enthalten ist; Drogensüchtige fälschen Rezepte. Manchmal geht das jahrelang gut - wie bei einem Heilpraktiker aus Bayern, der 20 Jahre abrechnete als wäre er ein Allgemeinarzt.

Entdeckt werden Tricksereien zum Beispiel, weil jemand einen Verdacht meldet. "Wir bekommen etwa vier Meldungen am Tag", sagt Keller, "1700 Fälle haben wir in der laufenden Bearbeitung". Die Tipps kommen aus ganz unterschiedlichen Ecken. Meist sind es Versicherte, "aber das kann auch die entlassene Zahnarzthelferin sein oder die betrogene Zahnarztgattin."

"Die sterben doch eh"

Kellers größter Fall kam durch Selbstanzeige ans Licht: Ein Pharmagroßhändler aus Dänemark verkaufte geschmuggelte und in Deutschland nicht zugelassene Krebsmedikamente an deutsche Apotheken. Normalpreis 2000 Euro pro Einmaldosis Chemotherapie, Einkaufspreis in Asien ein paar hundert Euro. Die Apotheken kauften nicht nur billig ein und bekamen von den Kassen den vollen Preis erstattet, sie spielten auch mit dem Leben der Patienten. Keller und seine Kollegen zeigten 80 Apotheken an. Eine der Reaktionen: "Die sterben doch eh."

"Meine Erfahrung sagt mir, dass in jedem Leistungsgebiet betrogen wird", glaubt Keller, der von sich selbst sagt, er sei "im 53. Ausbildungsjahr". Zahlen will er dennoch nicht nennen: "Es gibt keine verlässlichen Zahlen im Gesundheitswesen." dpa

© Südhessen Morgen, Samstag, 14.07.2012
  • Drucken
  • Senden
 
 
TICKER

Das Wetter in der Metropolregion

Mannheim - Prognose für 3 Uhr

Das Wetter am 29.11.2014 in Mannheim: leicht bewölkt
MIN. 0°
MAX. 6°
 

AKW-Rückbau

Ministerium beendet Erörterung

Biblis. Für das hessische Umweltministerium ist der Erörterungstermin zum Rückbau des AKW Biblis verwaltungsrechtlich abgeschlossen. Laut Pressesprecher Mischa Brüssel de Laskay gebe es keinen Grund, einen Wiederholungstermin anzusetzen. Wie bereits berichtet hatten die meisten Einwender in der… [mehr]

Politbarometer

Sorgenfalten wegen Putin

Mannheim. Nicht genug damit, dass die Ostukraine nicht zur Ruhe kommt. Seit Wochen lässt Russland auch noch Langstreckenbomber Manöver abhalten oder seine Kriegsmarine auf den Weltmeeren kreuzen - erst vor Australien, jetzt auch im Ärmelkanal, also vor Westeuropas Küste. [mehr]

Europäische Union

Juncker gibt sich nachsichtig

Brüssel. Der große Knall kam, noch bevor die Kommission gestern Stellung zu den eingereichten Haushaltsentwürfen der 18 Euromitgliedsstaaten bezog. Schon am Morgen ließ Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker die Bombe platzen: Frankreich, Italien und Belgien müssen wegen ihrer hohen… [mehr]

Verfassungsschutz

Von Stuttgart nach Syrien

Stuttgart. Es ist ein ruhiger Morgen in Stuttgart-Botnang. Von der U-Bahn-Haltestelle Millöckerstraße aus führt eine Fußgängerbrücke zur Regerstraße 60. Ein riesiger Betonklotz mit neun Stockwerken und mehr als 80 Wohnungen. Im Erdgeschoss mit separatem Eingang befindet sich das Islamische Bildungs… [mehr]

 

DAS NACHRICHTENPORTAL RHEIN-NECKAR