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Architektur: In Bad Orb steht Hessens schmalstes Fachwerkhaus / Alle Möbel sind Maßanfertigungen

Ein 1,58 Meter breites Gebäude

Archiv-Artikel vom Dienstag, den 04.02.2014

Von dpa-Korrespondent Jörn Perske

Das Haus in der Bad Orber Kirchgasse gilt als Touristenmagnet.

© dpa

Bad Orb. Das Haus ist eine in Hessen wohl weitgehend unbekannte Sehenswürdigkeit. Viele Touristen, die daran vorbeikommen, zücken jedoch schnell den Fotoapparat oder das Handy, um ein Bild zu knipsen. Das Haus, das dort in der Kirchgasse in Bad Orb steht, sieht einfach kurios aus. Es ist "Hessens schmalstes Fachwerkhaus" - das steht jedenfalls auf dem gusseisernen Schild, das an der Fassade prangt. An einer Wand misst es den Angaben zufolge nur eine mickrige Breite von 1,58 Meter.

Bis zu seinem Tod wohnte der Künstler Helmut Jahn in dem Haus. Seine Schwester Helga Schoenewolf-Jahn will als neue Nachmieterin daraus ein Museum und eine kulturelle Begegnungsstätte machen. Am 16. März soll es zum ersten Todestag des Malers eröffnet werden. "Im Gedenken an ihn und sein Wirken will ich das Haus fortführen", sagt die 74 Jahre alte Ballettmeisterin aus Mainz, die in Bad Orb nun ihren Zweitwohnsitz hat.

Sowohl die Erscheinung ihres Bruders Helmut, der im vergangenen Jahr im Alter von 76 Jahren einem Schlaganfall erlag, als auch seine Kunst waren imposant. Der beleibte Maler mit dem Rauschebart liebte es großformatige, meterhohe Bilder zu kreieren. "Er war dann wie im Farbrausch. Er tobte sich wie ein moderner Barockmaler in Farborgien aus", beschreibt Schoenewolf-Jahn. Seine abstrakten Bilder malte er aber nicht in seinem kleinen Häuschen, sondern in seinen Riesen-Ateliers in den Räumen einer ehemaligen Kinderklinik.

84 Quadratmeter Wohnfläche

Der Multikünstler Jahn schrieb aber auch und schuf Plastiken. Ein Teil seiner Kunst soll nun bald in dem schmalen Fachwerkhaus der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Das Haus solle aber auch für Lesungen, Malkurse oder Musikveranstaltungen genutzt werden können, sagt die Schwester. So wird das "Kleinste Haus", wie es auch auf dem Schild als Station eines Historischen Stadtrundgangs steht, vielleicht noch etwas bekannter.

"Ständig stehen Passanten und Touristen vor dem Haus, um es zu fotografieren", so Schonewolf-Jahn. "Es ist vielleicht eines der meistfotografierten Häusern Hessens." Die neue Mieterin ist stolz auf ihr kleines "Knusperhäuschen", wie sie es nennt. "Es hat einfach so viel Liebreiz." Doch das Gebäude mit der ungewöhnlichen Architektur hat auch seine Tücken. "Hier ist alles krumm und schief", sagt Schoenewolf-Jahn. "Es ist sehr unpraktisch, zum Möblieren wahnsinnig schwer. Man braucht lauter Maßanfertigungen - und das kostet eine Menge Geld." Auch die Sandstein-Fassade des denkmalgeschützten Hauses "bröselt etwas weg".

Das Haus ist eben uralt. "Es stammt aus dem Jahr 1634. Ein Holzbalken im Haus trägt diese Zahl", so Stadtführer Stefan Schreiber. Den inoffiziellen Titel als Hessens schmalstes Fachwerkhaus trage es, seit es beim Wettbewerb einer Bauzeitschrift so genannt worden sei.

Schreiber freut sich, wenn er bei seinen Rundgängen Fremden das schmale Haus in der Fachwerkgasse unterhalb einer Kirche zeigen kann. "Häufig hört man dann die Reaktion: ,Oje, wie kann man in solch einem Puppenhaus nur wohnen´."

Wer an der langgezogenen Fassade entlang geht, sieht aber schnell, dass es nach hinten wesentlich breiter wird. Laut Schoenewolf-Jahn hat das zweigeschossige Haus eine Wohnfläche von 84 Quadratmetern plus einen 64 Quadratmeter großen Dachboden.

© Südhessen Morgen, Dienstag, 04.02.2014
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