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Tradition: Traditionsreiche Hut-Manufaktur Wegener fertigt stilvolle Kopfbedeckungen

Seit 1816 niemals „oben ohne“

Die Hut-Manufaktur Wegener in Lauterbach (hier Inhaber Hans Theodor Wegener) ist Deutschlands größter Lieferant für Zylinder.

© dpa

Lauterbach. Eröffnungsfeiern von Olympischen Sommerspielen und Fernsehübertragungen aus dem britischen Ascot treiben Hans Theodor Wegener wohlige Schauer über den Rücken. Wenn deutsche Athleten in ein Stadion einmarschieren oder betuchte Briten den Galopprennen zuschauen, tragen sie nicht selten seine Hüte. Denn Wegener ist Chef der gleichnamigen Hutfabrik im osthessischen Lauterbach.

Der 62-Jährige führt den Betrieb in der sechsten Generation. Damals wie heute ist die Herstellung von Hüten vor allem Handarbeit. Sie entstehen in einer geradezu anachronistischen Art: Hinter den roten Backsteinmauern des dreigeschossigen Gebäudes stehen Maschinen, die zum Teil aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen, und für die es keine Ersatzteile mehr gibt. "Das Handwerk hat sich in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert", sagt Wegener. Sein Familienunternehmen, dessen Historie bis ins Jahr 1816 reicht, ist eines von rund einem halben Dutzend industriellen Fertigern in Deutschland.

Den Wandel verpasst hat die Firma aber nicht: Nur hochwertige Modelle kommen noch aus der Fabrik in Lauterbach. In ihr arbeiten heute 58 Beschäftigte. Die Massenware vom Basecap (Schirmmütze) über Wintermützen bis hin zu Strohhüten entwirft Wegener zwar selbst, lässt sie aber in China fertigen.

Die Osthessen bringen jährlich rund 1,5 Millionen Kopfbedeckungen auf den Weltmarkt, davon rund 40 000 Hüte und Zylinder. Damit erreichen sie nach eigenen Angaben einen Marktanteil von 20 bis 25 Prozent. Der Jahresumsatz des Unternehmens liegt laut Wegener bei rund elf Millionen Euro. Produziert wird unter anderem in Lizenz für begehrte Modemarken wie Bugatti, Bruno Banani und Baldessarini und als Lohnfertiger für den Bekleidungshersteller Schöffel. Dieser Umsatzanteil mache rund 50 Prozent aus, sei jedoch profitabler als das übrige Geschäft, weil höhere Preise erreicht werden können. "Markennamen ziehen bei den Kunden."

Manfred Flunkert, bei Bugatti zuständig für Lizenzen, bestätigt: Wegener-Hüte gehörten zu den vier erfolgreichsten der insgesamt 14 Lizenzen seines Unternehmens. Die Zuwächse erreichten zweistellige Pluszahlen. Die Kopfbedeckungen seien beliebt vor allem bei Kunden in Russland, Italien, Frankreich sowie China und im Mittleren Osten. Das zweite Standbein für Wegener ist der Vertrieb unter eigener Marke: Das Unternehmen schmückt die Köpfe von Polizisten in mehreren Bundesländern, der Schweiz und Dänemark und die deutscher Förster. Seine Hüte trugen Jugendliche beim Weltjugendtag in Sydney, Teilnehmer von sechs Olympischen Spielen, Stewardessen und Sportreiter.

Das Traditionshandwerk in Lauterbach hat nach Auskunft von Andreas Voigtländer, Vorsitzender der Gemeinschaft Deutscher Hutfachgeschäfte, noch aus einem weiteren Grund überlebt: "Unternehmen wie Wegener haben sich über mehrere Generationen auf ihre Kernkompetenz konzentriert und sind mit der Zeit gegangen", sagt er. lhe

© Südhessen Morgen, Mittwoch, 06.06.2012
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