direkt zum Inhalt

Morgenweb Das Nachrichtenportal Rhein-Neckar
Morgenweb Das Nachrichtenportal RheinNeckar

Suche:

  • Artikel versenden Artikel versenden

Kunst-Stück des Monats: De Vlaminck ließen die unwirtlichen Tage nicht kalt - er nutzte sie als künstlerische Herausforderung.

Maurice de Vlaminck: Dorf im Schnee (1920)

Von unserem Redaktionsmitglied Annika Wind

"Der Winter ist keine Jahreszeit, sondern eine Aufgabe", beschrieb Sinclair Lewis die Nachteile des kalten Wetters. Auch Maurice de Vlaminck (1876-1958) ließen die unwirtlichen Tage nicht kalt - er nutzte sie als künstlerische Herausforderung. 1920 malte er eine Landschaft in Öl, die geradezu frösteln lässt: eine von Matsch und Schnee bedeckte Dorfstraße aus weißen, grauen und schwarzen Partien, die sich vom vorderen Rand wie ein Dreieckskeil zur Bildmitte schiebt. Eingerahmt von schmutzigen Häuserfassaden und verschlossenen Fensterläden in Grau-Braun, schlurfen zwei schwarze, konturenhafte Gestalten umher. Und über all dem hängt eine schwere Kälte: eine flächige Wolkendecke in asphaltfarbenen Farben, die sich spiegelbildlich zur Dorfstraße erhebt - und alles zu erdrücken scheint.

Fünf Jahre, nachdem das Bild entstand, kam es nach Mannheim: Die Kunsthalle kaufte es 1925 bei der Pariser Galerie Bernheim Jeune, die den Werdegang des ehrgeizigen Autodidakten beeinflusste - nicht nur, weil sie seine Bilder weltweit vermittelte: 1901 war hier eine Retrospektive mit Bildern Vincent van Goghs präsentiert worden, die auch der Maler aus Le Vésinet bei Paris sah: "Ich verließ diese Retrospektive mit aufgewühlter Seele", erinnerte sich de Vlaminck später.

Mit seinem Freund André Derain und Künstlern wie Henri Matisse suchte er nach neuen Ausdrucksmitteln - und wurde Teil der "Fauves"-Gruppe (zu deutsch: die wilden Bestien). De Vlaminck malte grell-leuchtende Darstellungen mit dynamischer Linienführung und pastoser, oft ungemischter Farbe, die er - wie Vincent van Gogh - direkt auf die Leinwand drückte. Das Ziel: Die Fauves malten bevorzugt Szenen so, wie sie sie empfanden, und nicht, wie sie objektiv aussahen. Doch 1920, als sein "Dorf im Schnee" entstand, ging es de Vlaminck offensichtlich längst nicht mehr um solche poetischen Bildräume - dazu gestaltete er seine Straßenszene viel zu nüchtern, ja ungeschönt. In gewisser Weise legte de Vlaminck die ungestüme Fröhlichkeit aus der "Fauves"-Zeit ab. Vielmehr schien ihn die Darstellung einer geradezu apokalyptischen Stimmung mit den Mitteln flämischer Landschaftsmaler zu interessieren: "Aus Instinkt bete ich das Licht des Nordens an, das Licht, das Flandern erhellt und in dem das Wasser der Kanäle kalt und unbeweglich steht. Das Licht, das nichts schminkt", schrieb er 1929 in seinen "Aufzeichnungen eines Malers".

Statt greller Farbigkeit sollten bleierne Töne dominieren. Dafür gab er seiner Szene einen eindeutigen Fluchtpunkt in der Mitte, an dem sich die Komposition orientierte - aber keine eindeutige Lichtquelle. De Vlaminck komponierte sein Bild sorgfältig, aber er konzentrierte sich auch auf die eigenwillige Stimmung der Szene, in die sich durchaus ein zivilisationskritischer Anspruch hineindeuten ließe. Rein formell testete er für ihn neue malerische Mittel und wandte sich von den Stilen ab, die er selbst lange vertrat - vom Expressionismus, Impressionismus oder gar Fauvismus. Zeit seines Lebens blieb de Vlaminck ein Suchender, der sich und seine Arbeit immer wieder hinterfragte, Neues ausprobierte und erst im hohen Alter wieder so malte, wie einst als junger Mann, im Stil der Fauves: "Instinkt und Begabung sind die einzigen Faktoren, auf die ein Künstler zählen darf, die einzigen, auf die er sich stützen soll", beschrieb es de Vlaminck. "Es gibt keine Schule. Es gibt nur Maler."

07. Januar 2010

» Seitenanfang

Immomorgen - Das Immobilienportal der Region
Anzeige:
Anzeige:

Movie-Finder

xm_moviefinder

Welcher Film wo in der Rhein-Neckar-Region läuft , sagt Ihnen unser "Movie-Finder". » mehr

- Anzeige -

Adresse der Seite: http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/Kunsthalle/20100107_devlaminck.html