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Von unserem Mitarbeiter Hans-Günter Fischer
Spätestens im dritten Lied wird Christoph Prégardien von Sehnsucht übermannt: "Da kam das alte Träumen", singt er. Der Tenor - und Robert Schumann - zeigen, dass der große Spötter Heinrich Heine auch ein großes Herz besessen hat, bringen Sarkasmus, Ironie und tiefere Bedeutung erst recht eigentlich ins Gleichgewicht. Ein bisschen wird hier Heine von sich selbst erlöst am Schumann-Tag der Rundfunkanstalten Europas, der dank eines inspirierten Prégardien zum Feiertag des Liedgesanges wird.
Für die Verzauberung reicht manchmal eine winzige Verzögerung. Aber es ist beileibe nicht nur so, dass Prégardien das große Schmachten inszenieren würde, das also, wozu sein butterweicher lyrischer Tenor das anschmiegsamste Material bereitstellt.
Häufig wechseln Artikulation und Stimmfarbe, der Sänger bringt auch pralle, sogar harsche Bühnentöne ein. "Ich grolle nicht" aus Schumanns "Dichterliebe" ist die blanke Ironie. Während "Die alten, bösen Lieder" ohne einen echten Schlusspunkt ausklingen, wie eine Frage.
Auch das Klavier interpretiert hier mit, Michael Gees hat ein Gefühl dafür, wie es sich anhört, wenn ein Herz zerrissen ist. Wie er in seinen kurzen Nachspielen zu kommentieren, auch zu karikieren weiß, ist eine Kunst, die auch in Mahlers Liedern noch Ungesagtes, Ungesungenes hervorkitzelt. Und da auch der Tenor der stets bedrohten Welt des nahezu perfekten Liedgesanges nicht abhandenkommt, ist die Begeisterung im Mozartsaal des Schlosses groß. Die erste Zugabe, "Mit Myrten und Rosen" aus dem Heine-Liederkreis, enthält den Vers: "Die blassen Buchstaben schauen dich an." Doch Schumann, Prégardien und Gees schauen zurück. Und dann kommt noch, das muss so sein, die "Mondnacht". "Bitte bringen Sie an diesem hellen Nachmittag ein bisschen Fantasie auf", wünscht sich Gees vom Publikum. Er wird erhört.
Mannheimer Morgen
08. Juni 2010
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