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Von unserem Mitarbeiter Eckhard Britsch
Dieser Abend wurde immer besser, temperamentvoller, mitteilsamer: Je lustvoller die Musikanten aufspielten, desto enthusiastischer antworteten die Zuhörer. Am Ende konnte das Publikum kaum genug kriegen von der Musizierlust des "Neapolis Ensemble" um die eindrucksvolle Sängerin Maria Marone. Bei den Schwetzinger Festspielen machten sie innerhalb der Reihe "Mare nostrum - Klangraum Mittelmeer" ihrem Namen alle Ehre, als sie Tänze und Canzonen überwiegend aus Neapel vorstellten.
Originell scheint, wie Edoardo Puccini (Gitarre), Salvatore della Vecchia (Mandolinen), Wally Pituello (Violoncello), Marco Messina (Flöten), Raffaele Filace (Percussion) und natürlich die Sängerin und Tänzerin Maria Marone ihre Stücke aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert vortragen. Ihre Arrangements erscheinen so zeitlos, dass manche "Songs" im Folklore-Sound auch heute entstanden sein könnten.
Die atmen zuweilen heimelig, schwanken in den Sujets zwischen blankem Spott und melancholischer Liebes-Sehnsucht; sie handeln von bösen Geistern, die per Tarantella-Getanze vertrieben werden sollen, sie seufzen ob der Versklavung durch die Liebe. Mit diesen Liedern werden die Wechselfälle des Lebens beschrieben, die so unvermittelt ein bisschen Glück oder auch viel Unglück ins traute Heim bringen.
Eine blumige Sprache beflügelt die Canzonen, etwa im exemplarisch ausgekosteten "Canna Austina" ("Schilf des Augusts"), wo eine Nelke blüht und ihren Duft über 300 Meilen versendet, was immerhin eine bemerkenswerte Leistung ist. Dieses Lied aus dem 17. Jahrhundert in einer raffinierten Bearbeitung des Zeitgenossen Roberto de Simone (Jahrgang 1933) besticht in seiner Koketterie, mit der die vielfältigen Metaphern um Blüten und Gärten, Liebe und Sterne besungen werden. Es mündet einem "Halleluja", das wenig mit christlicher Liturgie zu tun hat, aber alles mit fröhlichem Augenaufschlag.
Überhaupt versteht sich Maria Marone auf die Kunst effektvoller Präsentation, die bei ihr völlig natürlich und deshalb so authentisch wirkt. Ihre Stimme hat attraktiven Pep, sie singt in deutlicher Artikulation und schenkt das attraktive Timbre ihrer Stimme den Kompositionen und dem Publikum. Das Rot des Kleides kontrastiert zum Schwarz des Haares, und Maria Marone gibt den Liedern balladenhaften Ausdruck. In "Ricciulina" wird in zärtlicher Melancholie das Schicksal einer Prostituierten beschrieben, im Volkslied "Maronna nun è cchiuù" fühlt sich der Hörer auf den Tanzboden versetzt. In der "Tarantella di Masaniello" kontrastiert die metrische Wildheit mit einem Mandolinenzauber, der aus sentimentalen Capri-Filmen stammen könnte.
Die perfekten Botschafter kunstvoller Volkslieder ernteten begeisterten Zuspruch.
Mannheimer Morgen
11. Juni 2010
Adresse der Seite: http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/Schwetzinger_Festspiele/artikel/20100611_mmm0000000126194.html