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Schwetzinger Festspiele: Guido Morinis "Una Odissea" konzertant im Rokokotheater
Von unserem Mitarbeiter Eckhard Britsch
Wie ein Widerhall aus ferner Zeit und dennoch ganz heutig wirkt das originelle Stück "Una Odissea", das am zweitletzten Abend der Schwetzinger Festspiele im Rokokotheater für staunendes Vergnügen sorgte. Denn Komponist Guido Morini und Texter Marco Beasley verknüpfen in ihrer konzertant aufgeführten "Oper nach barocken Vorbildern" Concerto-grosso-Idiom und historische Spielweise (kaum Vibrato, Kontrabass mit Griffbrett-Bünden) mit raffinierten Mitteln des Ausdrucks, die bis zum heutigen Chanson reichen. Das innige Schlussduett zwischen Tenor (Marco Beasley) und Mezzo (Clare Wilkinson) hätte ebenso schön und anhimmelnd einst von Romina Power und Al Bano serviert werden können. Durchaus ein Fall für den Eurovision Song Contest!
Doch den gab es damals noch nicht, als Odysseus eine weite Reise übers Meer antrat, die ihn bei Homer über allerlei Irrfahrten und Gefährdungen zu seiner schönen und treuen Penelope heimführte, in dieser vor knapp zehn Jahren entstandenen Version aber direkt ins eigene Ich transportiert. Denn das mit Raffinesse zusammengestellte Libretto, das zwischen Erzähler, Gesangssoli und Duett wechselt, beschreibt recht hoffnungsvoll, dass der Reichtum von innen kommt. Dass der Mensch auf seinen inneren Irrfahrten dann gute Chancen hat, zu sich selbst zu finden, wenn er die Wechselspiele der Natur als Metaphern für eigene Befindlichkeit begreift: Ein "Spätzchen mit Grashalm im Schnabel" wird von Mutter Natur gestreichelt, und das "Liebchen" soll entsprechend im Licht der Sonne das Verliebtsein genießen. Klar doch, wenn kein Wölkchen den Himmel trübt.
Bei diesem erbaulichen Finale, welches die beiden Solisten, das Instrumentalensemble Accordone (Cembalo, zwei Geigen, Bratsche, Cello, Kontrabass), die vier Backgroundsänger des Vokalquartetts TriacaMusicale sowie den Erzähler Helmuth Lohner traut vereinte, greift Guido Morini ins Schmalztöpfchen, aber er macht das mit musikalischer Grandezza und so feinfühligem Geschmack, dass der stilistische Zwiespalt mit genialem musikalischem Instinkt überbrückt wird.
Musikalisch bescherten die Akteure einen zauberhaften Abend. Die Innigkeit und Koketterie des Ausdrucks bei Clare Wilkinson gefiel dabei außerordentlich; die vom süditalienischen Volkslied inspirierte Kraft und den Sprachduktus fulminant wiedergebende Tenorstimme von Marco Beasley gipfelte in den mimisch brillant dargestellten Tarantellas, wo Nonsenstexte in fulminanter Geschwindigkeit zu virtuosem, halsbrecherischem Wirbel zusammenfinden. Helmuth Lohners Erzähl-Rezitation hingegen wirkte Demgegenüber leicht gestelzt.
Die Musik, die auch mit lautmalerischen Effekten ganz in der barocken Reprise die äolischen Winde brausen lässt, machte Odysseus' Mittelmeer-Irrungen so sinnfällig, dass das Publikum in begeistertes Jauchzen ausbrach. Beste Schwetzinger Serenade.
Mannheimer Morgen
14. Juni 2010
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