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Schwetzinger Festspiele: Die "Cena Ultima" zum Abschluss bereitet ein rauschendes "Fest im Serail"

Intermezzo der Regentropfen

Von unserem Redaktionsmitglied Stefan M. Dettlinger

Jaja, die Statistiker. Obwohl laut SWR und vielen Wetterdiensten die Niederschlagwahrscheinlichkeit an diesem Abend auf nur fünf bis sieben Prozent benannt wird, droht die Abschlussveranstaltung der Schwetzinger Festspiele im Innenhof der Moschee buchstäblich ins Wasser zu fallen. Irgendwo zwischen Mozart, Cannabich und türkischen Klängen, zwischen Linsensuppe, Lammhaxe und Kefirtörtchen, irgendwo zwischen dem 2:0 und dem 3:0 für Deutschland beginnt es zu tröpfeln. Immer mehr, immer empfindlicher, bis man irgendwann sagen kann: Es regnet.

Plastikplanen rascheln, die Instrumente werden in Sicherheit gebracht. Der Abend droht zu scheitern. Doch die Regentröpfchen tanzen glücklicherweise nur einen Entr'acte. Nach gut einer halben Stunde kann das einzige und finale Event der Schwetzinger Festspiele auf die Zielgerade einbiegen und ein Jahr abschließen, das uns in Erinnerung bleiben wird als das Jahr der Künstler-Absagen. Fünf waren es an der Zahl, das hatte Festivalgeschäftsführer Peter Stieber auch noch nie erlebt, wie er dieser Zeitung sagt. Ansonsten aber sei er hochzufrieden - mit den Zahlen (22 500 Besucher) und dem künstlerischen Ertrag.

Schön und locker vorgetragen

Doch Zahlen hin, Absagen her - der letzte Abend unterstreicht, dass Stiebers riskanter Versuch, in der Reihe "Mare Nostrum" die Mittelmeer-Anrainer musikalisch abzugrasen und sie der mitteleuropäischen Klassik gegenüberzustellen, bestens aufging. Hochinteressant ist, was das Ensemble l'Arte del Mondo und das Pera Ensemble Istanbul anrichten. Bisweilen ist das Zusammenspiel der beiden Ensembles unter Werner Erhardt so frappierend homogen, dass der kapitale Unterschied zwischen der deutsch-österreichischen Musiktradition und der orientalischen kaum noch spürbar ist: Bauen die Werke von Cannabich oder Mozart auf vielfältige Harmonie und eine gewisse Polyphonie, so sind die an diesem Abend präsentierten Werke von Serif Celibi, Ali Ufki oder Tanburi Mustafa Cavus doch fast ausschließlich aus Rhythmus und einer einzigen, unisono vorgetragenen Melodie gebaut - selbst gleichzeitig klingende Intervalle sind sehr selten.

Trotzdem wird diese Musik nicht monoton, zumal dann, wenn sie so schön und locker vorgetragen oder von Yahya Geylan mit zarter und beweglicher Stimme gesungen wird. Ein überaus gelungener Abschluss, dem nur noch das Feuerwerk ein Ende setzen kann.

Trotzdem ist Stieber etwas in Sorge, denn die so gut wie beschlossene Neuordnung der Rundfunkgebühren wird wohl dazu führen, "dass er beim Etat der Festspiele ab 2012 mit Abschlägen rechnen muss". Stieber geht davon aus, dass er dann über drei bis fünf Prozent weniger Geld verfügen kann, also statt bislang rund 2,3 nur 2,2 Millionen Euro.

Und, ach ja, bevor wir es vergessen: Die Schwetzinger Festspiele heißen seit diesem Jahr etwas ungelenk Schwetzinger SWR Festspiele. Geschuldet ist das der Tatsache, dass der SWR natürlich den finanziellen Löwenanteil des Budgets trägt, daher werbetechnisch auch die Früchte ernten und, so Stieber, das Signal aussenden wolle, mit dem Geld der Gebührenzahler hochwertige Kulturarbeit zu leisten. Ob sich der SWR in der Sprachgewohnheit durchsetzen wird, ist fraglich, spielt im Grunde aber auch keine entscheidende Rolle.

Mannheimer Morgen
15. Juni 2010

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