direkt zum Inhalt

Morgenweb Das Nachrichtenportal Rhein-Neckar
Morgenweb Das Nachrichtenportal RheinNeckar

Suche:

  • Artikel versenden Artikel versenden
  • E-Paper E-Paper

Serie: Alles Spitze? Die Metropolregion Rhein-Neckar tut sich in der tänzerischen Bühnenpraxis eher schwer

Tanz auf schwierigem Pflaster

Von unserem Redaktionsmitglied Ralf-Carl Langhals

Auf den ersten Blick ist die Tanzwelt im Delta in Ordnung. Im großen Nationaltheater (NT) erfreut sich das Kevin O'Day Ballett Mannheim zunehmender Beliebtheit, im Ludwigshafener Theater im Pfalzbau gastieren weltweit gefeierte Compagnien und auch Heidelberg gönnte sich bisher (zusammen mit Freiburg) seine kleine subversive Truppe pvc. Für professionelle Ausbildung auf höchstem Niveau steht in N 7 Birgit Keils der Staatlichen Musikhochschule zugeordnete Akademie des Tanzes, für Grundausbildung und Hobby eine Vielzahl lebendiger, vielseitiger bis exquisiter privater Ballettschulen und Tanzvereine. Alles Spitze?

Nicht ganz. Wer genau hinsieht, stellt fest, dass es im Vergleich zu anderen Kunstformen neben einer (bundesweit grassierenden) Wahrnehmungslücke in Medien und Öffentlichkeit auch inhaltliche und hausgemachte Schwächen in der Region gibt, die Kulturhauptstadt 2020 werden möchte.

Zum einen sind Tanzfreunde nicht nur die kleinste, sondern auch die heterogenste Kunstgemeinde. Füllt eine klassische Compagnie mit Tutu und Spitze zweimal den Pfalzbau, sitzt man bei exzellentem Tanztheater oder Butoh der TaBü-Reihe nicht selten mit zwei Kollegen und zehn Zuschauern im Bühnenturm. Vereinfacht: Die großen Nummern in großen Sälen ziehen im Abo-Format, die kleinen aber ebenfalls feinen haben es schwer.

Es fehlt an eingeführten, gut zugänglichen Spielorten, angemessener Werbung und aufgeschlossenen Sponsoren. Aber auch an neugierigem Publikum. Selbst hochdotierte Tanzwettbewerbe wie Ludwigshafens "no ballet und +phat_skillz//dance" finden fast unter Ausschluss einer interessierten Öffentlichkeit statt. Es klafft eine Lücke zwischen den großen Abenden in Pfalzbau, Rosengarten oder Nationaltheater und der zeitgenössischen Reduktion, wie sie etwa in Heidelberg pvc oder Unterwegstheater an wechselnden Spielorten präsentieren. Mittlere Formate, die dieses Vakuum schließen könnten, erreichen - wie beispielsweise die NT-Reihen "Junge Choreographen" oder "Impromptus" - nur eingefleischtes Mannheimer Ballettpublikum oder versanden in Ludwigshafener Abonnenten- und Spielortnot.

Wer gar als freier Künstler ein Tänzchen in der Region wagen möchte, findet statt Hochglanzparkett meist nur schwieriges Pflaster vor: keine Lobby, begrenzter Markt, miese Gagen, kaum Wahrnehmung, wenig Offenheit für neue Formen. So lauten nachgefragte Erfahrungen in der Region aktiver Tanzkünstler, die neben Raumproblemen, Bodenbelägen und Bühnengröße, mancherorts gar um Säulen tanzen müssen - von mit längst gewohnter Selbstverständlichkeit vernachlässigter Banalitäten, wie Garderoben ganz zu schweigen.

Dass es in all den Jahren des bekannten Notstandes trotz unterschiedlicher Vorstöße wie etwa der von NT-Ballettchef Kevin O'Day vorangetriebenen Umgestaltung der ungenutzten Trinitatiskirche oder der Taylor-Barracks nicht weiter gegangen ist, bleibt unverständlich.

Patrick Ernis 3T-Tanztheater verließ Mannheim wegen Perspektivlosigkeit, Aki Kato sucht für ihre Projekte verzweifelt zahlbare Auftrittsorte und Sponsoren, das TiG7 bietet gar keinen Tanz mehr und an Theaterakademie und im Theater Felina Areal etablieren sich nur mühsam und überschaubar Tanzprojekte. Kein Kultur-Potenzial 2020 für den Tanz also?

Initiative ist notwendig

Wer Nachhaltigkeit und Vielfalt in Sachen Tanz wünscht, muss Initiative ergreifen. Das Publikum ist in der Region nicht uninteressierter als anderswo. Tanz braucht - wie andere Kunstformen auch - einen Ort, eine Verankerung, Kontinuität, eine Lobby und Zeit für Mund-zu-Mund-Propaganda. Wie aber soll all das geschehen, wenn in großen zeitlichen Abständen an wechselnden, meist schlecht eingeführten Orten und nur an zwei, maximal drei Abenden hintereinander getanzt wird? Bis eine Kritik erscheint, Interessierte sich austauschen, ist die Produktion oft schon nicht mehr zu sehen. Mit dem in Mannheim geplanten Produktionszentrum macht die Metropolregion einen Schritt in die richtige Richtung. Mit einem regionalen Tanzkalender, stärkeren Außenauftritten und werbewirksamer Zusammenarbeit ließe sich hier noch manches machen ...

Mannheimer Morgen
07. August 2010

» Seitenanfang

Immomorgen - Das Immobilienportal der Region
Anzeige:
Anzeige:

Movie-Finder

xm_moviefinder

Welcher Film wo in der Rhein-Neckar-Region läuft , sagt Ihnen unser "Movie-Finder". » mehr

- Anzeige -

Adresse der Seite: http://www.morgenweb.de/nachrichten/kultur/Serie_Kulturpotenziale/20100807_mmm0000000370328.html